Ab sofort ist der Besuch im Kölner Dom nicht mehr gratis. Die neue Gebühr von zwölf Euro sorgt für geteilte Meinungen. Viele Touristen zeigen Verständnis, doch es gibt auch laute Kritik.
Besucher reagieren gespaltenEintritt für Kölner Dom: So viele Tickets wurden verkauft

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Domschweizer und Servicekräfte informieren Menschen vor dem Kölner Dom über die neuen Besuchsregeln.
Der Startschuss für die neue Gebühr im Kölner Dom fiel am 1. Juli, und prompt kauften 2900 Personen eine Eintrittskarte für das Gotteshaus. Das Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln teilte mit, dass im Tagesverlauf etwa 500 Tickets über das Internet und circa 2400 an der neuen Kasse vor Ort erworben wurden. Damit habe der Dom am Premierentag sein Ziel erreicht, „rund die Hälfte der 44.000 Euro, die täglich für den Erhalt und Unterhalt der Kathedrale benötigt werden, durch Eintrittspreise zu erwirtschaften“.
Der volle Preis für eine Karte beträgt zwölf Euro, ermäßigt sind es sechs Euro. Von der Zahlung ausgenommen sind Kinder bis einschließlich 13 Jahre, Menschen mit Schwerbehinderung sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV).
Merklicher Rückgang bei den Besucherzahlen
Die Zahl von 2900 Ticketkäufern stellt einen merklichen Rückgang dar. Zuvor hatten pro Jahr über sechs Millionen Personen die Kathedrale besichtigt. Im Durchschnitt ergibt das über 16.000 Gäste täglich. An besonders belebten Tagen zählte man sogar bis zu 40.000 Menschen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Dompropst Guido Assmann mahnte zur Geduld und unterstrich, dass ein einziger Tag keine fundierten Schlüsse zulasse. Er äußerte sich aber optimistisch: „Der heutige Auftakt stimmt uns jedoch hoffnungsvoll, dass wir mit dem neuen Konzept einen wichtigen Beitrag leisten können, den langfristigen Erhalt und den laufenden Unterhalt des Kölner Domes dauerhaft auf ein tragfähiges Fundament zu stellen.“
Eine detaillierte Auswertung sei vom Metropolitankapitel erst für Anfang Januar 2027 geplant. „Wir möchten das neue Besucherkonzept auf einer seriösen Datengrundlage bewerten. Erst ein längerer Beobachtungszeitraum ermöglicht belastbare Aussagen über die Besucherentwicklung, den Ticketverkauf und Besucherstrukturen. Einzelne Tage oder Wochen würden die unvermeidlichen Effekte einer Umstellungsphase und saisonale Schwankungen überbewerten“, fügte der Dompropst hinzu.
Großer Medien-Andrang: Sogar die Schweiz blickt auf den Kölner Dom
Am Vormittag gegen zehn Uhr war das Bild vor dem Haupteingang des Doms eindeutig: mehr Pressevertreter als Besucher. Selbst das Fernsehen aus der Schweiz war angereist, um über den Start der neuen Besuchsregelung zu berichten. Seit dem 1. Juli sind zwölf Euro pro Kopf zu entrichten, wobei es Rabatte und Ausnahmen gibt. Die kurze Warteschlange zum Start löste sich zügig im Kircheninneren auf.
Manche Gäste waren gut vorbereitet und zeigten am Einlass ihr Smartphone mit dem online gekauften Ticket vor. Mitarbeiter des Doms scannten den Code und gewährten Zutritt. Andere wiederum erkundigten sich nach einer Kaufmöglichkeit. Die Domschweizer erklärten ihnen mit viel Geduld den Weg über den Roncalliplatz zum neuen Verkaufsschalter. Dieser befindet sich im Kurienhaus, wo ehemals die Buchhandlung Kösel war. Mit einem gültigen Ticket in der Hand durften sie dann eintreten.
Zu den ersten Gästen zählten eine Frau und ihr Sohn aus der Ukraine. Sie wussten nicht, dass der Besuch bis zum Vortag gratis war, empfanden den Preis jedoch als angemessen. Zustimmung kam auch von Barbara (57) und Manfred (61) aus Bayern, die mit der sogenannten „touristischen Besichtigungsgebühr“ – so die offizielle Bezeichnung des Domkapitels – kein Problem hatten. Barbara merkte an: „In Mailand muss man ja auch Eintritt für den Dom bezahlen“.
Kostenloser Zugang ist seit der Neuregelung auf das Nordquerhaus beschränkt. Dieser Bereich wurde durch eine Holzbalustrade vom übrigen Kirchenschiff separiert. Zutritt hat hier nur, wer für ein Gebet kommt oder eine Kerze entzünden will. Als eine Besucherin ihr Smartphone zückte, um das Richterfenster und andere Attraktionen zu fotografieren, schritt ein Domschweizer ein: „No photos please – keine Fotos, bitte.“ Für Foto- und Filmaufnahmen im Dom ist ein Ticket erforderlich. Das Nordquerhaus ist ausschließlich für die stille Einkehr vorgesehen. Dompropst Guido Assmann versicherte jedoch, dass am Eingang keine Gesinnungskontrolle stattfinde.
„Legitim“ und „in Ordnung“: Touristen zeigen viel Verständnis
Die Reaktionen der meisten Touristen am Haupteingang fielen gelassen aus. Martina Berger (47) aus Heidelberg erklärte: „Wir haben uns gewundert, als wir heute erfahren haben, dass man vorher kein Eintrittsgeld für den Kölner Dom bezahlen musste“. Sie fügte hinzu: „Der Preis ist in Ordnung.“ Ihr Begleiter Christian Siegl (50) bezeichnete die zwölf Euro ebenfalls als „legitim“, um die Kathedrale zu erhalten. „Das ist so ein beeindruckendes Gebäude mit so vielen filigranen Details. Der Unterhalt dieses Bauwerks kostet sehr viel Geld. Von daher halte ich es angebracht, wenn Touristen für eine Besichtigung bezahlen.“
Für Bartosz Slezak (25) und Suzanna Rajkowska (22) aus der polnischen Hauptstadt Warschau war der Dom-Besuch Teil eines Zwischenhalts in Köln. Der junge Mann fand die zwölf Euro Gebühr in Ordnung und sagte: „Es ist ein wunderschönes Gebäude.“ Aus Arlington in Texas waren Edith (62) und John (64) Alvarado angereist. Sie wussten bereits im Voraus von der neuen Regelung. „Das haben wir zu Hause in der Zeitung gelesen“, berichtete Edith. Als Katholikin leiste sie gerne einen Beitrag zum Erhalt des Gotteshauses. Die Information, dass laut Domkapitel täglich durchschnittlich 44.000 Euro für den Unterhalt anfallen, versetzte sie in Erstaunen.
Marie-Christine Luyckx (67) aus dem belgischen Ostende war mit Freundinnen für die Kusama-Ausstellung in der Stadt und wollte sich auch den Dom nicht entgehen lassen. Den Preis von zwölf Euro für Besucher von außerhalb hält sie für fair. Sie hatte aber einen Vorschlag: „Aber für die Kölner sollte es gratis sein. Das ist doch ihre Stadt und ihre Kirche.“
Leere Gänge und Enttäuschung: Nicht jeder ist einverstanden
Trotz der breiten Zustimmung unter Touristen aus aller Welt gibt es auch viel Unmut über die Neuregelung. Ein Mann fragte am Nordeingang das Sicherheitspersonal: „Wieso kostet der Dom plötzlich Eintritt? Das war gestern nicht so.“ Die Antwort eines Wachmanns fiel kurz aus: „Heute schon.“ Enttäuschung herrschte auch bei Ahmad Al Kayali (16), einem Schüler der Anne-Frank-Realschule aus Oberhausen. Er war mit seiner Schulklasse für einen Ausflug in Köln, bei dem auch der Dom auf dem Programm stand. „Dass das Eintritt kostet, wussten wir nicht.“ Die sechs Euro für das ermäßigte Schülerticket seien „zu teuer“.
Uschi van der Straeten (58) aus Bonn äußerte ihre Meinung: „Es ist nicht schön, wenn Kirchen Eintritt verlangen, vor allem, wenn Kirchensteuer erhoben wird“. Auch Jara Hölzl (18), eine Schülerin der Bischöflichen St.-Angela-Schule in Düren, empfand den Preis als zu hoch. Gemeinsam mit ihren Freundinnen verzichtete sie auf den Besuch, obwohl der Dom Thema ihrer Projektwoche war. Offenbar trafen viele eine ähnliche Entscheidung. Gegen Mittag wirkte das Innere der Kathedrale merklich leerer und ruhiger als gewöhnlich.
„Es ist schade, dass man nicht mehr ohne Eintrittsgeld in die Kathedrale kommt“, sagte Hölzl. Sie nutzte stattdessen die kostenfreie Gelegenheit, im Nordquerhaus zur Schmuckmadonna zu gehen und dort eine Kerze zu entzünden.
Ähnlich handelte es Danny Suwande (40) aus Indonesien. Der Katholik wollte nicht den vollen Betrag für den gesamten Innenraum bezahlen. Stattdessen verbrachte er mit seiner Familie einen kostenlosen, besinnlichen Augenblick im abgetrennten Nordquerhaus. (red)
