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Storno-Flut „Unsere Branche wird  zerlegt“: Wovor Kölner Wirte jetzt Angst haben

Tische und Stühle stehen im April 2020 vor einem Brauhaus in Köln.

Die Gastro-Branche in Köln verzeichnet immer höhere Einbußen. Das Foto vom Außenbereich eines Kölner Brauhauses wurde am 15.04.2020 aufgenommen.

Düstere Lage für Kölner Wirte! Immer mehr Einbußen für die Gastro-Branche in Köln zeichnen sich infolge der aktuellen Corona-Lage mit steigenden Infektionszahlen ab. Dehoga, IG Gastro und Wirte fassen gegenüber EXPRESS.de die derzeitige Lage zusammen und erklären den Frust der Branche.

Köln. Viele sind wütend und frustriert – Kölner Wirte fühlen sich als Sündenböcke der Pandemie und ihre Energie lässt zunehmend nach. Viele Kölner Gastronomiebetriebe sind von der aktuellen Inzidenz-Entwicklung getroffen, denn vermehrt hört man jetzt an den Tresen der Stadt: Es werden gebuchte Weihnachtsfeiern und Gänse-Essen storniert.

Ihrem Frust machten die Vertreter der IG Kölner Gastro (Verbund von 360 Betrieben in Köln) jetzt Luft, sie hauten in den sozialen Netzwerken einen Protestpost raus, in dem sie auch OB Henriette Reker scharf angriffen und auf ihr Dilemma in der Krise aufmerksam machten.

IG Kölner Gastro: Harte Worte an die Stadt Köln 

„In mehreren Akten wird unsere Branche zerlegt“, heißt es da. „Während der öffentliche Raum am 11.11. eskalierte und jegliche Hemmungen fielen, stellt sich die Oberbürgermeisterin auf die Bühne am Heumarkt und verkündet, dass die Menschen besser nicht drinnen feiern sollen.
Von oberster Stelle werden die Menschen gebeten, uns nicht zu besuchen, unseren Betrieben fernzubleiben. Selten haben wir uns so hilflos gefühlt wie in diesem Moment – niemand sollte so mit einer Branche umgehen, die solch viele Opfer gebracht hat.“

IG Kölner Gastro-Gründungsmitglied Daniel Rabe dazu: „Ihren Aufruf nicht in die Innenräume zu gehen, fanden wir schon echt krass und haben uns im Stich gelassen gefühlt.“

Auf unsere Nachfrage teilte ein Sprecher der Stadt Köln mit, man werde auf diese Vorwürfe nicht antworten.

Storno-Flut in Köln: Das sagt die Dehoga Nordrhein

Mathias Johnen, Geschäftsführer von der Dehoga Nordrhein, bestätigt das aktuelle Stimmungsbild der Branche, die sich wie die Veranstaltungsszene in Existenzangst wähnt: „Die Stornos nehmen in der Tat zu. Dass so eine Aussage wie von Frau Reker dabei nicht zuträglich ist, steht außer Frage. Die Absage des Runden Tisches vor dem Karneval am 11.11. war eine Crux. Da hätte es vieles an Gespräch geben können und sollen. Insoweit denkt man: Schade. Der Frust ist da, aber nicht personenbezogen. Man merkt, dass die Kraft ausgeht. Speziell die wirtschaftliche.“

Zunehmend würden Wirte für sich eigeninitiativ 2Gplus in den Betrieben umsetzen, so die Rückmeldung: „Wir haben aber ein Problem mit Kontrollinstanzen. Sie können nicht unumwunden den Hilfssheriff der Nation geben, und andere kriegen es nicht hin, wie am 11.11. am Zülpicher.“

Man warte jetzt dringlichst nun auf eine einheitliche Entscheidung von Seiten der Politik für die Gastro. Johnen: „Wir müssen gucken, was Ministerpräsident Wüst und Herr Laumann am Donnerstag fabrizieren und Montag auf den Weg bringen.“

Martin Schlüter zapft ein Kölsch.

Martin Schlüter vom Reissdorf am Hahnentor

Bis dahin hagelt es weiterhin Stornos. Martin Schlüter vom Reissdorf am Hahnentor: „Auch bei uns sagen zahlreiche größere Unternehmen Ihre Weihnachtsfeiern ab, das tut schon weh. Finanziell und vor allem seelisch. Wir haben so viel getan, einiges investiert in hochmoderne Luftfilter und Heizstrahler.“

Em Hähnche-Wirt in Köln: „Die Lage ist angespannt“

Der Gastronom weiter: „Dennoch verlieren wir nicht den Mut, aktuell kriegen wir es auch noch durch kurzfristige Reservierungen und Laufkundschaft kompensiert. Aber, wie lange noch?“

Auch Manfred „Schubi“ Zender von der kölschen Eckkneipe „Em Hähnche“ an der Gereonskirche bestätigt: „Alleine gestern kamen vier Stornos, selbst an kleinen Tischen ist es Leuten zu riskant, sagen sie. Drei große Weihnachtsfeiern wurden gestrichen, von richtig guten Leuten. Die Lage ist angespannt.“

Interessant: Simon Stahl vom „Wirtshaus em Ringströßje“ dagegen sagt, er habe einen Gegentrend festgestellt, seitdem er früh bekanntgegeben hatte (wir berichteten), dass er in seinem Lokal strikt auf 2Gplus präventiv setzt: „Abgefahren, ich bin nach wie vor bis zum 21.12 ausgebucht. Im Gegenteil bekomme ich mehr Anfragen denn je, mit Lobhudelei, weil die Leute 2Gplus gut finden. Nichtsdestotrotz muss die Politik handeln.“

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