„2Gplus – jetzt!“ Hier schreibt sich ein Kölner Wirt seinen Frust von der Seele

Wirt Simon Stahl aus Köln-Müngersdorf.

Simon Stahl vom Wirtshaus em Ringströßje setzt ab Montag auf 2G+

Neue Beschränkungen? Gar der nächste Lockdown? Wie ein Kölner Wirt mit steigenden Inzidenz-Zahlen umgeht, erklärt Simon Stahl im Gespräch mit EXPRESS.de. Denn als einer der ersten Gastronomen setzt der Inhaber des „Wirtshaus em Ringströßje“ ab Montag eigeninitiativ auf 2Gplus!

Köln. Schockiert haben Stahl am 11.11., an dem er selbst zum Schutz seiner Gäste und Crew seinen Laden in Müngersdorf geschlossen hielt, die Bilder der Zülpicher Straße.

Für ihn war klar, dass er nach acht Wochen 2G nun etwas ändern muss. Wir haben ihn gebeten, seine Gedanken in Worte zu fassen.

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Warum mache ich ab Montag nun 2G plus?

Ganz einfach, weil es mir mit der politischen Entscheidung zu lange dauert. Für mich ist das eine Farce, wie agiert wird. Für mich ist ebenfalls eine Farce, wie solche Dinge in Köln entgleisen konnten. Ich war damit vollkommen fein, dass Karneval gefeiert wird. Persönlich habe ich aus Sicherheitsgründen allerdings unsere Karnevalsveranstaltung abgesagt. Auch aus Überzeugung.

Aber ich habe es absolut toleriert, dass einige Kollegen das so durchziehen wollten. Insbesondere auch, weil ich weiß dass diese Kollegen in der Lage sind entsprechende Vorrichtung zu treffen und auch das im Zaum zu halten. 2G kontrolliert – aber eben auch vernünftig kontrolliert.

Was da am Zülpicher Platz abging, war eine Vollkatastrophe. Aus erster Hand weiß ich, dass sogar Leute da waren, die einfach durchgehen konnten, ohne dass sie kontrolliert wurden.

Ich möchte aber nicht auf dem Ordnungsamt pauschal rumhacken. Im Gegenteil. Denn der Fisch stinkt einfach vom Kopf. Und da man hier in dieser Stadt alleine gelassen wird, die Gastronomie direkt als allererstes die Sündenböcke nicht nur lokal, sondern auch regional/national sein werden, versuche ich noch auf die letzten Meter in irgendeiner Art und Weise meinen Beitrag zu leisten, um die Situation zu retten.

Und genau deshalb werde ich ab diesem Montag 2G plus bei uns einführen. Ich werde mit Sicherheit einige Gäste damit überraschen und unter Umständen auch verlieren. Somit eben auch den Umsatz. Aber es bleibt mir auf Basis meines normalen Menschenverstandes einfach nichts anderes übrig!

Simon Stahl mit dem Jode Lade Aufkleber des EXPRESS

Simon Stahl in seinem Lokal in Müngersdorf.

Zum einen hat das gesellschaftlich verantwortungsvolle Gründe, zum anderen einfach Überlebensinstinkt. Ich kann es mir nicht noch einmal leisten, womöglich in einen totalen Lockdown zu segeln. Die ganze Sache wieder auf Lieferservice umzustellen, dauert mindestens 7 bis 10 Tage. Dann ist das Kind auch schon wieder in Brunnen gefallen. Und dass irgendetwas passieren wird, ist klar. Anfang Dezember kennen wir die Zahlen, und dann wird es heftig. Man braucht ja nur nach Holland zu gucken. Da sind die Entscheidungen ja schon getroffen worden.

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Am allerschlimmsten finde ich aber, dass wir diesen ganzen Mist denen zu verdanken haben, die sich einfach aus Ignoranz nicht impfen lassen wollen. Es ist mir persönlich auch echt egal, ob ich mich in dieser Schwurbelszene zum Feind mache. Das sind nicht meine Gäste und werden nicht meine Gäste. Nie im Leben. Nur meine Gäste haben leider auch darunter zu leiden… Und das ist absolut unfair und nicht gerechtfertigt!

Ich finde es so wahnsinnig verantwortungslos, wenn genau diese Leute auf dem Bauch liegend unsere Intensivplätze belegen und dann um Atemluft betteln, während meine Oma mit einem Blinddarmdurchbruch ihre Notoperation und danach die entsprechende Intensivpflege nicht bekommen könnte…

Mich macht das wahnsinnig: Ich habe zwei Jahre die Füße still gehalten, habe mich an alle Regeln gehalten, habe den Laden so aufgerüstet wie es sein sollte, aber auf politischer Ebene ist ein Staatsversagen nach dem anderen festzustellen. Egal welche Partei. Da bekomme ich richtig einen Hals!

Deshalb hier eine Botschaft an meine Kollegen: Lasst uns die Ersten sein, die vernünftig handeln. 2G plus. Jetzt. Wir werden nichts abwenden können, aber vielleicht ein wenig retten…

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