Hier wird’s heiß, weil offene Beziehungen für viele nach Freiheit, Ehrlichkeit und modernem Liebesleben klingen. Paartherapeutin Ursina Donatsch kennt sich mit offenen Beziehungen aus und macht im Gespräch deutlich: Wer eine Beziehung einfach nur öffnet, weil es gerade spannend oder angesagt wirkt, kann schnell Verletzungen produzieren.
Offene Beziehung?Paartherapeutin warnt vor dem größten Fehler!

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Mehr Freiheit, mehr Möglichkeiten – offene Beziehungen wirken für viele Paare reizvoll. Paartherapeutin Ursina Donatsch warnt jedoch davor, eine Beziehung einfach „mal auszuprobieren“, ohne Motive und Erwartungen vorher ehrlich zu klären.
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„Es ist fast schon ein Trend geworden“
Ursina Donatsch beobachtet, dass offene Beziehungen und andere nicht monogame Modelle viel Aufmerksamkeit bekommen. Genau das sei für sie ein Grund gewesen, ihr Buch zu schreiben. Für sie liegt die Schwierigkeit nicht darin, dass Menschen neue Beziehungsmodelle ausprobieren wollen. Die Gefahr sieht sie woanders: im unachtsamen Einstieg. „Diese Person macht das, diese bekannte Persönlichkeit macht das auch, das ist doch so cool, machen wir doch das auch. Und dieser Effekt birgt ein bisschen Gefahren mit sich.“
Wenn Paare öffnen, ohne wirklich darüber zu sprechen
Donatsch sagt klar, was sie in ihrer Praxis immer wieder erlebt: Paare öffnen ihre Beziehung, ohne sich vorher ehrlich und gründlich damit auseinanderzusetzen. „Dann viele Paare in eine Beziehungsöffnung reingehen und sich das gar nicht achtsam machen und sich nicht Gedanken machen, sondern eben weil sie es gehört haben, weil es jetzt cool ist.“ Die Folge: Viele kommen erst dann in die Paartherapie, wenn bereits Verletzungen passiert sind. „Was ich dann auch in den Paartherapien oftmals erlebt habe, ist, dass die Paare dann kommen, wenn schon Verletzungen passiert sind, eben weil sie einfach so Probieren wir es mal aus.“
Achtsamkeit heißt für sie: schrittweise und im Konsens
Und es geht um Achtsamkeit. Was meint Donatsch damit? Zunächst, nicht sofort „voll aufs Ganze“ zu gehen. „Achtsam heißt einerseits schrittweise, also nicht einfach so voll aufs Ganze zu gehen oder zu schnell zu sagen: ich mache jetzt gerade mal ein Date.“ Der zweite zentrale Punkt ist Konsens und der Paartherapeutin enorm wichtig.“ Sie benutzt deshalb bewusst einen bestimmten Begriff: „Ich benutze darum auch sehr, sehr gerne dieses Wort, KNN-Beziehung, also konsensuelle Nichtmonogamie. Das heißt, wir sind uns einig, wir haben das besprochen, wir haben das miteinander zusammen auch überlegt und sind einverstanden. Beide.“
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Das gleiche Zielwort, aber völlig unterschiedliche Motive
Ein besonders wichtiger Punkt: Zwei Menschen können beide sagen, sie wollten die Beziehung öffnen, und trotzdem meinen sie etwas komplett anderes. Donatsch schildert genau das anhand eines Beispiels aus ihrer Arbeit. Er wolle die Beziehung öffnen, weil er seit der Jugend nie Sex mit einer anderen Person hatte. Sie dagegen wünsche sich mehr nahe Menschen und mehr Austausch in ihrem Leben. Für Donatsch liegt genau darin ein großes Risiko. „Das sind extrem unterschiedliche Vorstellungen. Wenn man die nicht abgleicht, beide sagen, ich möchte die Beziehung öffnen. Das wäre dann genauso etwas, was sehr gefährlich werden könnte.“
Eine Beziehungsöffnung ist kein Heilungsversuch
Besonders deutlich wird Donatsch, wenn bereits eine Grenzverletzung oder ein Vertrauensbruch passiert ist. Dann dürfe die Öffnung nicht als Rettungsversuch benutzt werden. „Eine Beziehungsöffnung darf auf keinen Fall ein Heilungsversuch von einer Beziehungsverletzung sein.“ Wenn also jemand sagt, „es ist halt passiert“, werde sie hellhörig. „Da geht es ein Thema Selbstverantwortung versus Verantwortungsabgabe.“ Und wenn bereits Betrug stattgefunden habe, sei für sie klar, womit zuerst gearbeitet werden müsse: „Da muss dringend, zwingend, zuerst muss dieses Thema angeschaut werden.“
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Nicht zuerst Regeln, sondern Sicherheit
Interessant ist auch, dass Donatsch nicht sofort mit Regeln beginnt. Sie sagt nicht als Erstes: Jetzt müsst ihr diese oder jene Abmachung treffen. Stattdessen fragt sie nach Sicherheit. „Was ich dann anrege, ist nicht, okay, was machen wir jetzt für Regeln, sonder ich frage: was kommt von innen heraus, also was ist uns wichtig, was gibt uns Sicherheit?“ Sie beschreibt, dass der bisherige monogame Rahmen wegfällt, sobald ein Paar die Beziehung öffnet. „Der Monogamie-Rahmen fällt weg.“ Und dann müsse neu gefunden werden, was Halt gibt.
Therapeutische Sicht
Aus professioneller therapeutischer Sicht ist an Donatschs Aussagen vor allem eines wichtig: Sie romantisiert die Öffnung einer Beziehung nicht. Sie beschreibt sie auch nicht als automatische Weiterentwicklung oder als mutigere Liebesform. Stattdessen lenkt sie den Blick immer wieder auf Konsens, Motivklärung, Selbstverantwortung und Bindungssicherheit. Genau das ist fachlich relevant. Denn nicht die Bezeichnung einer Beziehungsform entscheidet darüber, ob sie tragfähig ist, sondern die Frage, ob beide Menschen wissen, warum sie das wollen, was sie sich davon versprechen und wie sie mit Unsicherheit, Verletzlichkeit und Grenzen umgehen.
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FAQ
Was ist laut Ursina Donatsch der größte Fehler beim Öffnen einer Beziehung?
Dass Paare es „einfach mal ausprobieren“, ohne achtsam, schrittweise und im echten Konsens vorzugehen.
Was bedeutet für sie Achtsamkeit in offenen Beziehungen?
Schrittweise vorgehen und gemeinsam besprechen, ob beide wirklich einverstanden sind.
Kann eine Beziehungsöffnung einen Betrug heilen?
Nein. Donatsch sagt klar, dass eine Beziehungsöffnung „auf keinen Fall ein Heilungsversuch von einer Beziehungsverletzung sein“ darf.



