Der 1. FC Köln haderte nach der 1:2-Pleite gegen den BVB mit dem VAR. Es war nicht das erste Mal, dass sich die Kölner benachteiligt fühlten. Eine Chronik der strittigen Entscheidungen.
Nach Hand-ÄrgerSo oft wurde der FC schon vom VAR benachteiligt
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Lukas Kwasniok hat die Schnauze gestrichen voll. Zum x-ten Mal in dieser Saison sah sich der FC-Trainer gezwungen, nach Schlusspfiff mehr über den Schiedsrichter und den VAR zu sprechen als über die Leistung seiner Mannschaft.
Der Coach hat dabei längst den Glauben verloren. „Der liebe Gott ist im Tiefschlaf. Er meint es nicht gut mit uns“, sagte Kwasniok nach der 1:2-Pleite gegen den BVB. Damit spielte er auf eine Hand-Szene in der Nachspielzeit an. BVB-Verteidiger Couto sprang der Ball an den ausgestreckten Arm, Videoschiedsrichter Benjamin Cortus schaltete sich dennoch nicht ein.
Kwasniok äußert immer wieder seine Kritik am VAR
Die FC-Wut war groß, mal wieder meinte es der VAR nicht gut mit den Kölnern. Inzwischen hat sich eine Menge Frust am Geißbockheim angestaut, da es nicht das erste Mal in dieser Saison war, dass enge Entscheidungen GEGEN den FC getroffen wurden.
- 3. Spieltag: VfL Wolfsburg - 1. FC Köln (3:3)
Los ging es bereits früh in der Saison gegen den VfL Wolfsburg. Da wurde dem FC ein Tor aberkannt, weil Schmied Gegenspieler Wimmer umgestoßen hatte. So weit, so gut, aber auf der Gegenseite wurde ein ähnliches Vergehen nicht geahndet. Vor dem 1:1 wurde Hübers von Souza umgestoßen, da schaltete sich der VAR allerdings nicht ein.
Innerhalb eines Spieles wurde dort mit zweierlei Maß gemessen. „Joel hat den Spieler umgestoßen. Vor ihrem Tor wird Hübers auch weggestoßen. Das ist ärgerlich“, sagte Marius Bülter damals.
5. Spieltag: 1. FC Köln - VfB Stuttgart (1:2)
Gegen Stuttgart kochte die Wut dann das erste Mal so richtig hoch. Da äußerte Kwasniok das erste Mal seine tiefe Abneigung gegen die Technik. „Ich war kein Freund, bin kein Freund und werde nie ein Freund des VAR sein“, polterte er.
Marvin Schwäbe hatte VfB-Stürmer Demirovic nach einer schlechten Ballannahme im Sechzehner getroffen. Schiedsrichter Jöllenbeck, der gut stand, ließ die Szene zunächst weiterlaufen, wurde dann aber vom VAR an die Seitenlinie geschickt.
„Wie sich Günter Perl, der über 500 Spiele geleitet hat, als VAR auf diese Szene stürzen und den Schiedsrichter herausschicken kann, ist für mich ein völliges Rätsel“, schimpfte Sport-Boss Thomas Kessler damals über die „spielentscheidende Szene“.
„Mich würde sehr interessieren, ob so eine Situation auch in einem Spiel zwischen den Bayern und Dortmund um die Deutsche Meisterschaft so genauso bewertet wird. Hier wird die Situation ganz klar auf dem Rücken des 1. FC Köln bewertet“, sagte der Geschäftsführer.
- 10. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln (3:1)
Im Derby gegen Gladbach lief auch einiges schief, auch da beteiligt: Videoschiedsrichter Benjamin Cortus, der dem FC in dieser Saison offenbar nicht wohlgesonnen ist. Nach der Partie konkretisierte Kwasniok seine Kritik, sagte: „Ich mag den VAR nicht nur nicht, ich hasse ihn.“ Grund waren zwei strittige Elfer für Gladbach. Immerhin: Der FC bekam ebenfalls einen zugesprochen, der keiner war.
- 16. Spieltag: 1. FC Heidenheim - 1. FC Köln (2:2)
In Heidenheim ging eine Szene fast unter, die aber durchaus Einfluss auf das Ergebnis nahm. Vor dem 1:2 bekam Castro-Montes im Laufduell den Ellbogen von Dorsch ins Gesicht. Der Belgier ging zu Boden und blieb liegen, Schröder pfiff nicht und Heidenheim konterte. Der anschließende Eckball, bei dem Castro-Montes dann fehlte, führte zum zwischenzeitlichen 1:2. Eine Ecke, die es nicht hätte geben dürfen, die aber vom VAR nicht hätte zurückgenommen werden können. Dennoch bitter für den FC!
- 21. Spieltag: 1. FC Köln - RB Leipzig (1:2)
Gegen Leipzig krachte es dann wieder so richtig. Eine Szene sorgte dabei bundesweit für Schlagzeilen. Leipzigs Baumgartner klärte einen Thielmann-Schuss in bester Torwart-Manier mit der Hand auf der Linie. Es wäre das 2:2 für Köln gewesen. Doch anstatt einer Roten Karte für Baumgartner und Elfmeter für Köln gab es nach über sechs Minuten Beratungszeit von Schiedsrichter Frank Willenborg eine Millimeter-Abseitsentscheidung.
Dabei kam es allerdings auf die Deutung eines Kopfballs von Leipzigs Raum an. Wenn er den Ball vorher kontrolliert rausgeköpft hat, wäre eine neue Spielsituation entstanden – also kein Abseits. „Jeder, der mal am Kopfballpendel war, kann beurteilen, ob ein Nationalspieler den Ball da rausköpfen kann. Das ist einfach bitter“, polterte Kwasniok.
Im gleichen Spiel regte er sich noch über einen nicht gegebenen Elfer an Ache auf. „Wenn man sich die Situation gegen Ache in der ersten Halbzeit anschaut: Da haben die Leipziger ihm das Trikot zerrissen und unten noch das Bein weggeflext. Das soll kein Elfer sein?“, fragte der FC-Coach.
- 22. Spieltag: VfB Stuttgart - 1. FC Köln (3:1)
Der FC-Angreifer hat ohnehin einen schweren Stand bei den Schiedsrichtern. Auch beim Rückspiel gegen Stuttgart wurde ihm ein Strafstoß untersagt, nachdem Mittelstädt ihm in der Luft einen Schubser verpasst hatte. Wieder ein knappes Ding, wieder eine Entscheidung gegen den FC. „Das war ein Elfmeter. All diese Momente bekommen wir nicht gepfiffen“, sagte Kwasniok.
- 19. Spieltag: SC Freiburg - 1. FC Köln (2:1)
Auch auf der Gegenseite hat der FC kein Glück. Im Spiel gegen den SC Freiburg bekam Castro-Montes den Ball von der Hüfte an den ausgestreckten Arm. Laut Regel also kein Vergehen, wenn er von einem anderen Körperteil an die Hand springt. Doch Schiedsrichter Bastian Dankert zeigte auf den Punkt und wurde auch nicht vom VAR umgestimmt oder an den Monitor zitiert.
Was oft fehlt, ist ein klares Muster oder eine einheitliche Linie. Jahmai Simpson-Pusey sah für seinen Tritt gegen Beier (zu Recht) Rot, Nico Schlotterbeck wurde eine Woche zuvor gegen die Bayern für ein ähnliches Vergehen mit offener Sohle verschont.
„Mal greifen sie ein, mal nicht“, sagt Kwasniok: „Der VAR macht Sinn bei Schwarz-Weiß-Entscheidungen, aber nicht bei dynamischen Situationen. Es bleibt eine subjektive Entscheidung. Es gibt jetzt nur mehr Menschen, die etwas zu sagen haben, aber immer weniger Klarheit.“


