Abo

Christoph Kramer ganz offenWeltmeister ging nach der Karriere ins Schweigekloster

Christoph Kramer sitzt bei der lit.Cologne auf der Bühne.

Copyright: Hieronymus Roenneper

Fußball-Weltmeister Christoph Kramer (r.) sprach am Sonntag (8. März 2026) bei der lit.Cologne über sein Karriereende und die neue Aufgabe als Schriftsteller.

Fußball-Weltmeister Christoph Kramer hat nach seinem Karriereende einen Roman geschrieben, der zum Erfolg wurde. Über diesen Schritt und die neue Form der Bestätigung sprach er bei der lit.Cologne.

Er kam braun gebrannt vom Urlaub auf den Bahamas direkt nach Köln und witzelte über sein neues Leben nach der Karriere als Profifußballer.

„Ich spiele jeden Tag von zehn bis zwölf Paddel und gehe danach brunchen. Es gibt deutlich Schlimmeres“, sagte Christoph Kramer (35) und erntete dafür einige Lacher.

Christoph Kramer landete mit seinem Debüt-Roman direkt auf Platz eins

Im Rahmen der lit.Cologne wurde der Weltmeister am Sonntag (8. März 2026) in der ausverkauften Flora aber auch nachdenklicher. An der Seite von Radsportler Rick Zabel (32) diskutierte er mit Moderatorin Okka Gundel (51), wie ihm der Sprung vom Sport zum Autor gelungen ist.

Mit dem Roman „Das Leben fing im Sommer an“ hat Kramer direkt einen Bücherhit gelandet. Auch wenn er ein wenig nachgeholfen hat. „Ich habe gehört, dass in Buchhandlungen Spiele am besten laufen. Daher habe ich in einigen Geschäften meine Bücher direkt neben die Spiele geräumt.“

Dabei saß ihm immer die Angst im Nacken, dass jemand den prominenten Autor sehen könnte. „Ich habe mein Buch auch unzählige Male gekauft. Aber immer online oder an der Selbstzahler-Kasse, damit es niemand sieht.“ Für den ersten Platz in der Spiegel-Bestsellerliste trägt er einen Schlüsselanhänger stets bei sich.

„Ich möchte mich nicht über den Fußball oder das Publikum dort beschweren. Für viele ist der Sport auch ein Ventil. Aber das Feedback in der Literatur-Bubble ist schon herzerwärmend“, sagte Kramer. „Es ist voll schön, wenn Leute dir zujubeln, wenn du ein Tor geschossen hast. Aber wenn Jugendliche dir sagen, dass ihnen mein Buch gefallen hat und sie sich verstanden gefühlt haben, hat mich das noch mal ganz anders berührt.“

Christoph Kramer zusammen mit Rick Zabel und Okka Gundel auf der Bühne.

Copyright: Hieronymus Roenneper

Christoph Kramer (r.) sprach mit Ex-Radprofi Rick Zabel und Moderatorin Okka Gundel über seine neue Karriere.

Deshalb hat er nach dem Debüt-Erfolg direkt das zweite Buch geschrieben, was gerade fertig geworden ist. „Wenn man jedes Wochenende in den größten Stadien spielt, unheimlich viel Bestätigung von vielen Menschen bekommt und dann auf einmal nichts mehr macht, verstehe ich jeden, der in ein krasses Loch fällt. Das wäre bei mir nicht anders gewesen. Ich bin froh, dass ich mit dem Buch in etwas ganz Neues reinschnuppern konnte.“

Kramer sieht genug prominente Beispiele. „Alle sind doch süchtig nach Bestätigung. Keiner schafft es, nicht wieder zurückzukommen, siehe Thomas Gottschalk oder Stefan Raab. Alle benötigen eines Tages wieder die Bühne. Genauso wie ich mein Herz abtrainieren musste, weil es eine hohe Belastung gewohnt war, musste ich auch diese Bestätigung abtrainieren.“

Als Kramer 2024 Borussia Mönchengladbach verließ und spürte, dass kein anderer Verein seine Dienste mehr in Anspruch nehmen wollte, hatte er mit sich zu kämpfen. „Ein schlimmes Gefühl ist, wenn man fühlt, dass man nicht mehr so richtig gewollt wird. Das hat was mit mir gemacht, als keiner angerufen hat. Daraufhin bin ich zwei Wochen in den Urlaub gefahren, davon ein paar Tage in ein Schweigekloster. Das tat mir auch mal gut“, sagte der sonst so redegewandte Ex-Profi.

Kramer: „Ein schlimmes Gefühl, wenn man nicht mehr richtig gewollt wird“

Dort habe er dann seinen Frieden mit der Situation gefunden. „Ich war unfassbar gerne Fußballer und habe mir nie vorstellen können, einmal nicht zu trainieren und in der Kabine zu sitzen. Aber jetzt bin ich sehr stolz, sehr dankbar und unfassbar glücklich, dass alles so passiert ist. Ich habe mich entschieden, nicht traurig zu sein, wie es zu Ende gegangen ist, sondern dankbar und glücklich zu sein, was passiert ist.“

Zu seinem Leben passe nämlich die Überschrift „Glück gehabt“. Nur zwölf Länderspiele machte Kramer, in seinem fünften wurde er Weltmeister. „Ich war wirklich ein sehr guter Fußballer und wurde extrem unterschätzt“, sagte er und erntete selbst als Gladbacher in Köln viel Applaus.

Max Walscheid

Paukenschlag in Italien

Deutscher Rad-Profi lässt Top-Stars einfach stehen