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Interview

Seeck über FC & OBGeißbockheim-Beschluss schon im Februar?

Der 1. FC Köln und zahlreiche Sportvereine hoffen endlich auf mehr Unterstützung in der Stadt. EXPRESS.de traf den Vorsitzenden des Sportausschusses der Stadt Köln zum Interview. Oliver Seeck verbreitet Optimismus.

Der Geißbockheim-Ausbau stockt seit gut zehn Jahren, viele Sporthallen verfallen, etliche Vereine in Köln haben keine guten Trainingsmöglichkeiten mehr. Von einer Sportstadt kann in Köln längst keine Rede mehr sein. Kann sich daran etwas ändern?

EXPRESS.de sprach mit Oliver Seeck (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses der Stadt Köln, über die aktuelle Lage, den 1. FC Köln und große Olympia-Träume.

FC-Verhältnis zur Stadtspitze hat sich „kolossal verbessert“

Köln hat mit Torsten Burmester einen neuen Oberbürgermeister – aufgrund seiner Sportbegeisterung haben viele Menschen in der Stadt Hoffnung, dass es in Sachen Sport endlich wieder aufwärts geht. Auch beim 1. FC Köln hofft man, dass es mit dem Geißbockheim-Ausbau nun vorangeht. Sind die Hoffnungen berechtigt?

Oliver Seeck: Es ist auf jeden Fall Bewegung reingekommen. Das Verhältnis zwischen Stadtspitze und FC hat sich kolossal verbessert. Das Signal zuvor fand ich schon sehr befremdlich, denn man hat überhaupt nicht miteinander geredet – wenn dann nur sehr formal, wo Termine Monate im Voraus beantragt werden mussten. Das hat sich jetzt komplett verändert. Der Oberbürgermeister war wenige Tage nach der Wahl vor Ort beim FC am Geißbockheim.

Wie ist denn der aktuelle Stand bei den Ausbauplänen, bleibt es schwierig oder kann es endlich mal losgehen?

Seeck: Es geht um den Ausbau des Geißbockheims und irgendwann vielleicht auch um den möglichen Ausbau des Rhein-Energie-Stadions. Nach den Wahlen ist es nicht leichter geworden, aber wir müssen jetzt zu einer Entscheidung kommen. Das darf sich jetzt nicht weitere zehn Jahre hinziehen.

Woran hakt es?

Seeck: Bei uns in der SPD ist die Stimmung unverändert pro FC, das bleibt auch so. Bei den Grünen sehe ich wenig Bewegung, das kann ich aber auch nachvollziehen. Der große Wackelkandidat bleibt die CDU, ob sie mal wieder ihre Position ändert. Aus meiner Sicht hätte man möglicherweise eine Mehrheit für den Ausbau – wenn die CDU sich bewegen würde. Ich hoffe das sehr, zumindest, dass man einen Kompromiss anpeilt.

Wenn der FC das Leistungszentrum neben dem Franz-Kremer-Stadion baut, fällt dort der Kunstrasenplatz weg. Es müssen Ausweichplätze her. Warum ist es so schwierig, diese zu finden?

Seeck: Das ist mein großer Kritikpunkt: Der bisherige Beschluss von Schwarz-Grün vor einem Jahr beinhaltete den faulsten Kompromiss, den man überhaupt treffen konnte: Ihr könnt ausbauen, müsst aber Ausweichplätze suchen. Zeitgleich hat man dann beschlossen, auf einem Naturrasen-Platz im Grüngürtel jegliche Veränderungen zu untersagen. Da darf also kein Kunstrasen entstehen und kein Flutlicht verbaut werden. Mit dem zweiten Teil des Antrages hat man dann also verhindert, dass Ausweichplätze gefunden werden können. Man muss jetzt wieder über Flächen auf den Gleueler Wiesen reden, drumherum gibt es nämlich so gut wie keine Freiflächen.

Kölns Bürgermeister Torsten Burmester, FC-Präsident Jörn Stobbe und Sportausschuss-Vorsitzender Oliver Seeck (v.l.) am 18. Oktober 2025 im Rhein-Energie-Stadion.

Kölns Bürgermeister Torsten Burmester, FC-Präsident Jörn Stobbe und Sportausschuss-Vorsitzender Oliver Seeck (v.l.) am 18. Oktober 2025 im Rhein-Energie-Stadion.

Was muss denn passieren, damit auf den Gleueler Wiesen ein Platz entstehen kann? Es geht dabei um 0,6 Prozent der Flächen im Grüngürtel…

Seeck: Dass wir die Natur schützen müssen, nehme ich komplett ernst, aber es müssen auch die Fakten zählen. Eine Legendenbildung besagt, dass durch Fußballplätze und die Versieglung einer Fläche die Frischluft-Schneise für Köln leidet. Das ist de facto falsch. Zweiter Punkt ist die Versieglung: Auf modernen Kunstrasenplätzen versickert das Wasser, wie bei einem normalen Boden. Wir müssen gegen diese Argumentationen arbeiten und besser aufklären. Ich hoffe, dass Vernunft einkehrt, denn es würde kein Raubbau am Grüngürtel betrieben. Weniger Gegeneinander und mehr aufeinander zugehen!

„Wir nehmen das Thema Naturschutz sehr ernst“

Der FC will zudem Ausgleichsflächen bewalden, sodass Bäume als Wasserspeicher genutzt werden können …

Seeck: Das sehen wir auch als Bedingung. Der FC bekennt sich zu Nachhaltigkeit, will Kompensation schaffen. Da werden wir mit dem FC sicher gut verhandeln. Wir nehmen das Thema Naturschutz sehr ernst. Auch eine Entsieglung an einer anderen Stelle könnte eine Maßnahme sein.

Wenn Sie jetzt sagen müssten, wann der FC ausbauen kann, was würden Sie prognostizieren – in einem oder in zwei Jahren? Oder doch noch später?

Seeck: Das ist schwierig mit Prognosen. Ich kann nur sagen: Wenn man uns folgen würde, könnten wir schon im neuen Jahr im Februar 2026 den Beschluss fassen. Dafür müssen sich aber andere bewegen. Aber es steht auch noch das Urteil aus Münster aus, ob rechtlich bebaut werden darf. Das soll im Sommer 2026 fallen.

In Köln gibt es nicht nur den FC – die Stadt will sich auch für die Olympischen Spiele bewerben. Wie realistisch ist das?

Seeck: Für Köln und die Umgebung wäre das ein ganz großes Glück. Die Idee ist es, die Spiele an mehrere Kommunen zu geben. Leider ist das in den letzten Jahren liegen gelassen worden. Köln hat sich immer als Sportstadt definiert – es gab aber kein Bekenntnis dazu von der Stadtspitze. Düsseldorf hat das zeitgleich geschickt genutzt. Da müssen wir jetzt aufholen. Bei aller Bescheidenheit muss Köln jetzt sagen, dass wir als Millionenstadt das Zugpferd einer Olympia-Bewerbung sind.

Was bedeutet das konkret?

Seeck: Köln muss sich ganz anders präsentieren. Diskussionen um ein Olympiastadion oder das Olympische Dorf dürfen nicht an Köln vorbeigehen.

Olympisches Dorf in Köln?

Welche Chancen würden sich eröffnen bei einer Bewerbung?

Seeck: Es geht nicht nur um jeweils zwei Wochen Olympische und Paralympische Spiele. Es geht um Nachhaltigkeit. Es gibt kaum eine keine Stadt in Deutschland, die so eine große Wohnungsnot hat und so große Infrastruktur-Probleme. Ein Olympisches Dorf wäre also nirgendwo so sinnvoll wie in Köln.

Wo könnte das neue Wohngebiet entstehen?

Seeck: Kreuzfeld soll ja sowieso im Kölner Norden als neuer Stadtteil entwickelt werden. Von dort aus hätte man auch ideale Anbindung zu den anderen Ausrichterstädten wie Düsseldorf oder im Ruhrgebiet.

Olympia kostet, wie würde das finanziert, würde das die Stadtkassen noch mehr belasten?

Seeck: Olympische Spiele sind eine nationale Aufgabe. Da präsentiert sich die Bundesrepublik der ganzen Welt. Das hat der Bund auch schon klargemacht, dass es da auch finanzielle Unterstützung gibt. Darin liegt ja gerade die riesige Chance für Köln. Wir sind die einzige Millionenstadt, die eine wirkliche Kommune ist. Berlin ist Bundesland, Hamburg ist Bundesland und München ist Landeshauptstadt – mit allen Möglichkeiten, die damit verbunden sind. Da profitiert Köln, obwohl es größer ist als die Bundesländer Saarland oder Bremen, nicht so stark wie andere Bundesländer, die Stadtstaaten oder Landeshauptstadt sind.

Olympia wäre also nicht nur für Sportbegeisterte ein Gewinn?

Seeck: Nein, es wäre für alle Bürgerinnen und Bürger ein Gewinn. Die Infrastruktur würde endlich modernisiert, Turnhallen für den Schulsport saniert, ein barrierefreier Sportpark in Flittard soll entstehen. Olympia wäre für vieles ein Katalysator. Ich sehe mich da auch als Anwalt der ganzen Breitensportvereine.

Ist der neue OB Torsten Burmester ein Goldschatz für den Sport in Köln – wird man jetzt wirklich zur Sportstadt?

Seeck: Ja, er ist in dieser Hinsicht ein Goldschatz. Er ist ein absoluter Glücksfall. Er war kein typischer Sportfunktionär, er war beim Behindertensportverband, dann beim DOSB – und hat in diesen Führungsrollen immer für das Thema Sport gekämpft. Er will die Menschen davon überzeugen, dass Sport gesamtgesellschaftlich eine unfassbar wichtige Rolle spielt. Die gesamte Gesellschaft profitiert nachweislich von Sport – Gesundheitskosten gehen runter, die Menschen sind weniger krank, sie sind produktiver, sie sind sozialer unterwegs. Sport ist zudem das Beste gegen Vereinsamung. Wenn man jetzt einen Oberbürgermeister an der Spitze hat, der das alles lebt, dann ist das ein Goldschatz für Köln.

Wie groß ist die Gefahr, dass er im Amt politisch an seine Grenzen stößt, was die Sportbegeisterung angeht?

Seeck: Es gibt immer Bedenkenträger. Und es wird auch weiter Sparmaßnahmen geben. Wir müssen aber dafür kämpfen, dass wir nicht weiter im Sport sparen. Bei sinkenden Haushaltseinnahmen müssen wir andere Prioritäten setzen. Wenn wir das ernst meinen mit dem Sport, müssen wir genau festlegen: Was ist uns denn wirklich wichtig? Der Sport war jahrelang nicht wichtig. Jetzt braucht der Bürgermeister beim Umdenken viel Rückendeckung aus der Stadtgesellschaft. Es muss klar sein: Wir kürzen hoffentlich nicht mehr beim Sport! Denn wer da kürzt, der kürzt im Ehrenamt, bei den Kindern und Jugendlichen, bei den Seniorensportlern und den Einsamen. Wenn man da weitere Strukturen kaputt macht, bauen sich die nicht wieder so schnell auf. Jetzt brauchen wir keine Sonntagsredner mehr, wir brauchen viele Menschen, die montags für den Sport die Hand heben.