Kimi Antonelli hatte den Kampf um das Mercedes-Cockpit einst gegen Mick Schumacher gewonnen. Jetzt hat der Italiener seinen ersten Rennsieg eingefahren.
Er verdrängte Mick SchumacherHamilton und Verstappen preisen Premierensieger Antonelli
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Ein junger Kerl namens Kimi macht Italien wieder stolz – und das auch noch in einem Mercedes. Kimi Antonelli (19) gewann im Großen Preis von China sein erstes Formel-1-Rennen. Fast genau 20 Jahre nach dem letzten italienischen Sieger Giancarlo Fisichella (53), der am 19. März 2006 im Renault in Malaysia gewonnen hatte.
Kimi nazionale! Mit 19 Jahren und 202 Tagen ist Antonelli, der nach dem letzten Ferrari-Weltmeister Kimi Räikkönen (46) benannt wurde, zweitjüngster Formel-1-Sieger nach Max Verstappen (28), der bei seinem ersten Sieg 2016 in Barcelona 18 Jahre und 228 Tage alt war.
Kimi Antonelli fährt in die Geschichtsbücher
Der nächste Kimi fährt in die Geschichtsbücher. Antonelli verdrängte in dieser Statistik Sebastian Vettel (38), der bei seinem ersten GP-Sieg am 14. September 2008 in Monza 21 Jahre und 73 Tage alt war und den er am Vortag bereits als jüngsten Pole-Setter der Geschichte abgelöst hatte. Ein Traum wurde Wirklichkeit, und im Moment des Triumphes kamen Kimi die Tränen.
Sein Vater Marco tätschelte ihm liebevoll über den Kopf, und sein zweitplatzierter Mercedes-Kollege George Russell (28) sowie Vorgänger Lewis Hamilton (41), der im Ferrari Rang drei erkämpfte, gratulierten dem jungen Siegertypen. „Ich finde keine Worte“, schluchzte der Teenager und genoss wenig später mit der Hand auf dem Herzen Italiens Nationalhymne. Kimi stammelte: „Ich danke meinem Team, das mir geholfen hat, diesen Traum zu erreichen.“
Die Formel 1 schreibt wirklich die tollsten Geschichten: Da feiern ein italienischer Mercedes-Fahrer und ein mehr als doppelt so alter englischer Ferrari-Fahrer gemeinsam auf dem Podium. „Ich freue mich so sehr für ihn. Dieser großartige Kerl hat es so verdient“, sagte Hamilton, für den sein 388. Rennen „eines der besten seit langem“ war. Am Start überholten er und Ferrari-Kollege Charles Leclerc (28) Russell und duellierten sich später rundenlang um Platz drei. „Dieser Kampf macht wirklich Spaß“, funkte der Monegasse nicht unironisch, bis er letztlich lieber zurücksteckte, um den Teamerfolg nicht zu gefährden. Da hatte sich Teamchef Fred Vasseur (57) vor Nervosität aber schon die Fingernägel abgekaut.
Mercedes-Rivale Toto Wolff (54) konnte die Triumphfahrt seines Ziehsohns Kimi fast durchweg genießen, hätte der nicht gegen Ende doch noch einen Verbremser eingebaut. „Dafür bekommt Kimi noch einen auf den Deckel“, scherzte der Österreicher und schickte ernsthaft hinterher: „Man muss ihm Fehler verzeihen. Diesmal fährt er das gnadenlos nach Hause.“
Wolff hatte Antonelli schon als junges Karttalent im Team von Ex-Weltmeister Nico Rosberg (40) entdeckt, zum Mercedes-Junior befördert und nach einem Shootout um die Hamilton-Nachfolge vor zwei Jahren Mick Schumacher (26) vorgezogen. Wolff nicht ohne Genugtuung: „Wir haben ihn bei uns im Juniorteam, seitdem er elf ist. Er hat einen unglaublichen Weg gemacht und seine Kritiker überzeugt.“
Auch Verstappen gratulierte Kimi herzlich, die Freude über den Jungspund hellte seine Laune nach seinem eigenen Ausfall wegen eines Red-Bull-Defekts auf. Verstappen prophezeite: „Das wird nicht sein einziger Sieg bleiben, aber der erste ist natürlich sehr emotional.“ Keine Punkte gab es für das neue Audi-Werksteam, bei dem diesmal Gabriel Bortoleto (21) wegen technischer Probleme nicht starten konnte und Nico Hülkenberg (38) sich von seinem Stammplatz elf nicht verbessern konnte.
Noch schlimmer lief es für Teamweltmeister McLaren, bei dem Champion Lando Norris (26) und Oscar Piastri (24) auch nicht starten konnten. Im Mercedes-Kundenauto machte der Hybrid-Motor Probleme. „Wir haben versucht, das zu beheben, aber es ging nicht“, haderte Teamchef Andrea Stella (54): „Es scheinen unterschiedliche Probleme zu sein, die bei beiden Autos zeitgleich aufgetreten sind.“
Rückschlag für Mick Schumacher
Die IndyCar-Karriere von Mick Schumacher (26) läuft weiter schleppend an. Nach seinem überraschenden vierten Startplatz in Phoenix musste der Formel-1-Umsteiger in der Zeitenjagd zum dritten Saisonrennen in Arlington eine Enttäuschung verdauen. Wie schon beim Saisonauftakt in St. Petersburg (Florida) war für den RLL-Rookie auf dem neuen Stadtkurs in Texas im ersten Drittel Endstation.
Während der schwedische Ex-Formel-1-Pilot Marcus Ericsson (35, Andretti) erstmals von der Pole Position startet, nimmt Mick das Rennen vom 17. Startplatz in Angriff. „Ich denke, wir hatten eigentlich die Pace, um weiterzukommen“, haderte Schumi junior. „Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass auf den Reds die Kombination aus Grip und Abstimmung die richtige war. Es wäre mehr drin gewesen.“



