Bei Wolkenkratzer-Projekten verloren Anleger ihr Geld Abzocke mit Schumis Namen

Michael Schumacher trägt einen roten Ferrari-Anzug eine rote Ferrari-Kappe.

Michael Schumacher in seiner typischen roten Ferrari-Kappe am 28. Juni 2003 auf dem Nürburgring.

Anfang der 2000er war Michael Schumacher das Idol von Millionen Menschen. Der Hype um Schumi befand sich auf dem Höhepunkt. Entsprechend gut lief die Vermarktung seiner Person.

Köln. Der Schumi-Boom der 2000er-Jahre lebt durch die neue Netflix-Doku „Schumacher“ gerade noch einmal auf. Auch Manager Willi Weber (79) erinnert sich gerne an die erfolgreichsten Ferrari-Jahre zurück und sagt rückblickend: „Es gab fast nichts, was man nicht mit Michael Schumacher verkaufen konnte.“ Das bewies der clevere „Mister 20 Prozent“ sogar mit Wolkenkratzern, für die er Schumis Namen für Millionen verkaufte. Doch was wurde eigentlich aus den schillernden Prestige-Projekten? EXPRESS.de hat nachgeforscht.

Michael Schumacher und Willi Weber stehen nah aneinander und schauen sich an.

Mercedes-Pilot Michael Schumacher mit dem Sportmanager Willi Weber am 25. Juli 2010.

Für Weber war die Marke Schumi damals eine Lizenz zum Gelddrucken. „Einmal haben wir einen Sensations-Deal in Dubai in Aussicht. Es soll ein 280 Millionen teurer Tower gebaut werden, 30 Stockwerke hoch, Michael würde nur seinen Namen geben. (...) Den unterschriftsreifen Kontrakt schiebe ich Michael samt Füllfederhalter über den Tisch. Der schaut mich an, freut sich beim Anblick der Summe und lacht: „Mensch, Willi, so leicht wie du möchte ich mein Geld auch mal verdienen““, schreibt Weber stolz in seiner Autobiografie „Benzin im Blut“. Die kolportierten fünf Millionen Euro wurden aber dementiert.

„Schumacher Business Center“ in Dubai

Lizenznehmer war die Gütersloher Investmentfirma ACI, die 2008 auch mit F1-Legende Niki Lauda (70) und Tennis-Ass Boris Becker (53) für Dubai-Fonds warb. Doch bei einem Investitionsvolumen von 210 Millionen Euro von mehr als 6.000 Anlegern dürfte das Trio einen guten Schnitt gemacht haben.

Im Gegensatz zu den meisten Anlegern. Denn wegen einer Gesetzesänderung in Dubai und weil der Immobilienkäufer nicht zahlte gerieten die Projekte ins Stocken, Fonds mussten Insolvenz anmelden. Das „Schumacher Business Center“ blieb eine Baugrube, der Becker-Turm bestand nur aus zwei Etagen. Für die Tennis-Legende ebenso wie für Schumi kein persönliches Dilemma. Becker zu „Arabian Business“: „Alles, was ich getan habe, war, einem Bauunternehmer in Dubai meinen Namen zu geben, aber leider herrscht da ein Durcheinander.“

Die Anleger fürchteten dagegen um ihre Einlagen und es folgten jahrelange Prozesse, die auch durch die Siegburger Kanzlei Göddecke geführt wurden. Das Oberlandesgericht Hamm entdeckte 2014 im Verkaufsprospekt des Dubai-Fonds ACI VII fünf Fehler, die Verantwortlichen mussten Anlegern ihren Schaden ersetzen.

Gegen den verantwortlichen Geschäftsführer sowie dessen Sohn und Co-Geschäftsführer ermittelte die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen Kapitalanlagebetrug, das dortige Landgericht stellte das Verfahren aber gegen Zahlung einer sechsstelligen Geldauflage ein.

„Michael Schumacher Snowflake Tower“ in Abu Dhabi

Auch das Hochglanz-Projekt des 230 Meter hohen „Michael Schumacher Snowflake Tower“, der vom deutschen Architekten Alexander Rieck für 544 Millionen Dollar im Nachbaremirat Abu Dhabi gebaut werden sollte, schmolz wie der Schnee in der Wüstensonne.

„Michael Schumacher World Champion Tower“ in Indien

Nach dem Formel-1-Rennen sollte das aufstrebende Land 2012 auch einen „Michael Schumacher World Champion Tower“ in Gurgaon Nähe des Flughafens von Neu Delhi bekommen. Der Deal wurde von Weber-Nachfolgerin Sabine Kehm (56) abgewickelt, die stolz sagte: „Die Marke Michael Schumacher ist weiterhin sehr attraktiv.“ Das 34 Stockwerke hohe Gebäude mit Luxuswohnungen und eigenem Heli-Landeplatz sollte aus glänzendem Stahl und Glas in Form eines riesigen S geformt sein.

Doch nach jahrelangem Stillstand und nur sechs gebauten Etagen wies ein Gericht die Polizei 2019 an, den örtlichen Bauunternehmer des Unternehmens Homestead Infrastructure festzunehmen, weil er fast 900 Hauskäufer betrogen habe. Das nennt man wohl Abzocke mit Schumis Namen.

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