WM-Prämien: DFB-Team und Verband zocken bis zuletzt.
Zoff um die WM-KohleVerhandlungen über Prämien kurz vor Turnierstart nicht beendet

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Andreas Rettig (l.) vertritt bei den Prämienverhandlungen die DFB-Seite.
Unmittelbar vor dem WM-Anpfiff für das deutsche Nationalteam ist der Geld-Poker noch nicht beendet. Die Gespräche über die Turnier-Boni zwischen der Mannschaft und dem DFB ziehen sich. „Ja, wir sind kurz davor. Also, es sieht gut aus“, gab Jonathan Tah bei einem Pressetermin in Winston-Salem zu Protokoll. Der Verteidiger vom FC Bayern führt zusammen mit Kapitän Joshua Kimmich, seinem Kollegen aus dem Verein, die Gespräche für das Team mit der Verbandsspitze.
Dass so kurz vor dem Anpfiff noch gepokert wird, ist ein dickes Ding. Das Auftaktspiel zur WM steigt am Sonntag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Houston gegen Curaçao, doch die Bonus-Details sind immer noch nicht festgezurrt. „Wir sind in guten Gesprächen mit dem Mannschaftsrat. Aber wir führen die Verhandlungen nicht öffentlich“, hatte der DFB-Präsident Bernd Neuendorf schon im Mai verlauten lassen. Selbst in der Vorwoche konnte der Verbands-Chef aus Chicago noch keinen Erfolg melden.
Rekord-Prämie für die Helden von 2014
Den bisher größten Geldregen erlebten die Weltmeister von 2014. Die Mannschaft, angeführt von Kapitän Philipp Lahm, erhielt für den Triumph in Brasilien 300.000 Euro pro Spieler. Ein Sieg bei der Heim-EM 2024 wäre sogar noch mehr wert gewesen: 400.000 Euro hätte es dafür gegeben.
Für das Ausscheiden im Viertelfinale gegen Spanien gab es für jeden der 26 Profis immerhin noch 100.000 Euro. Ganz anders bei den letzten beiden Weltmeisterschaften: Sowohl 2018 in Russland als auch 2022 in Katar gingen die Kicker nach dem blamablen Aus in der Gruppenphase komplett leer aus.

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Joshua Kimmich verhandelt als DFB-Kapitän die WM-Prämien.
Joshua Kimmich hatte schon Ende Mai zu Beginn der Vorbereitung in Herzogenaurach die Haltung der Spieler verdeutlicht. „Das ist ein schöner Nebeneffekt, der einem zusteht, weil man auch abliefert. Aber der Erfolg motiviert uns mehr als die Kohle“, äußerte sich der 110-fache Nationalspieler. Es sei natürlich allen bewusst, dass bei der riesigen Weltmeisterschaft mit erstmalig 48 Teams „viel Geld hinten dranhängt, viel Geld gezahlt wird“.
Zusätzlich äußerte Kimmich das Gefühl, dass es dem Fußball-Bund wirtschaftlich „auch wieder besser gehe“. Eine unmissverständliche Botschaft: Die Mannschaft vertritt ihre Ansprüche in den Gesprächen mit Neuendorf sowie DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig sehr aktiv.
Der eigentliche Streitpunkt bei den Verhandlungen auf den letzten Drücker ist wohl kaum die Prämie für den Titelgewinn. Kompliziert wird die Sache für den DFB, falls die Nationalelf in einer der frühen K.o.-Runden ausscheidet. In diesem Fall würden nämlich erheblich geringere Beträge von der FIFA in die Kassen des Verbands gespült.
FIFA legt nach Protesten mehr Geld drauf
Nachdem große Fußball-Nationen, darunter Deutschland und England, Druck gemacht hatten, legte die FIFA Ende April bei den Prämien nach. Für die Qualifikation sowie die Vorbereitung auf das Turnier bekommt jeder Verband nun 12,5 Millionen US-Dollar – das sind zwei Millionen mehr als ursprünglich geplant. Der DFB hatte sich zuvor über Unsicherheiten bei der Planung beklagt, unter anderem wegen des Dollarkurses und der unterschiedlichen Steuergesetze in den USA.
Insgesamt schüttet die FIFA die Rekordsumme von 871 Millionen Dollar an die 48 teilnehmenden Mannschaften aus, wobei der Sieger des Turniers einen besonders großen Batzen bekommt. Vor der Erhöhung im April war die Rede von 50 Millionen Dollar für den neuen Weltmeister und neun Millionen Dollar für jedes der 16 Teams, das in der Vorrunde scheitert. Mit jeder überstandenen K.o.-Runde klettern die FIFA-Boni nach oben, was dem DFB im Erfolgsfall mehr Verhandlungsmasse verschafft.
1954: Ein Koffer für die WM-Helden
Verglichen mit den allerersten deutschen Weltmeistern um Fritz Walter im Jahr 1954, können sich Kimmich und seine Teamkollegen aber nicht beklagen. Die legendären Helden von Bern bekamen für ihren Triumph damals jeweils 2.500 Mark, einen Fernseher mit Röhre, einen Motorroller sowie einen Koffer aus Leder. (dpa/red)
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