„Müssen schnell aufwachen“ 60 Tage vor WM-Start: Spieler und Flick üben harte Selbstkritik

Joshua Kimmich schlägt die Hände enttäuscht vor das Gesicht.

Frust pur: Joshua Kimmich versuchte gegen Ungarn am 23. September 2022 mit einigen Distanzschüssen zum Ausgleich zu kommen – ohne Erfolg.

Die deutschen Nationalspieler und ihr Trainer Hansi Flick haben mit großer Enttäuschung auf ihren schwachen Auftritt beim 0:1 in der Nations League gegen Ungarn reagiert.

Was für eine krachende Niederlage für die deutsche Nationalmannschaft. Das 0:1 gegen Ungarn am Freitag (23. September 2022) in Leipzig traf alle Beteiligten hart. Nicht nur, dass das Ziel Gruppensieg in der Nations League so verfehlt wurde. Zudem wurde der Optimismus zwei Monate vor dem ersten WM-Spiel heftig gedämpft.

Wenn dieser völlig verkorkste Abend etwas Positives hatte, dann waren es die selbstkritischen Worte, bei Spielern wie Trainern. Niemand versuchte bei dieser Niederlage noch positive Aspekte hervorzuheben. Alle räumten ein, dass es so nicht gehen kann.

Hansi Flick nach Niederlage: „Die Zeit der Experimente ist vorbei“

Vorneweg marschierte Hansi Flick (57), der urteilte, sich verpokert zu haben. „Wir wollten etwas ausprobieren, mit Jonas Hofmann auf der rechten Verteidigerposition, das muss ich ein bisschen auf meine Kappe nehmen“, sagte er. „Ich habe mich für eine Aufstellung entschieden, die nicht so gefruchtet hat.“ Er habe das Spiel mit zwei offensiven Außenverteidigern angehen wollen. „Wir kamen nie dahin, wo wir sie einsetzen wollten, das hat nicht funktioniert.“

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Am Gladbacher allein lag es aber gewiss nicht. Das musste auch Flick gestehen: „Die erste Halbzeit war die schlechteste Halbzeit in den letzten 14 Spielen. Wenig Mut, wenig Dynamik, wenig Intensität, viele Fehler.“ Auch wenn der Coach nach der Partie seine Emotionen im Griff hatte, brodelte es doch in ihm: „Gerade die erste Halbzeit hat uns die Augen geöffnet. Die Zeit der Experimente ist vorbei.“

Nicht nur Flick sprach nach der Pleite Klartext. „Die erste Halbzeit war einfach richtig scheiße“, sagte der angesprochene Hofmann (30). „Das muss uns eine Lehre sein. Wir haben eigentlich die Qualität, aber das war heute einfach zu wenig.“ Ilkay Gündogan (31) wählte fast die gleichen Worte: „Das war viel zu wenig. Wir hatten viele einfache Fehler, Ballverluste und Fehlpässe. Das war langsam, behäbig.“

Auffällig war auch, dass die Bayern-Profis in der DFB-Kritik größtenteils an ihre Probleme im Münchner Trikot anknüpften. „In der ersten Halbzeit haben wir gar nicht stattgefunden, da haben wir alles vermissen lassen“, sagte Joshua Kimmich (27). „Wir waren viel zu langsam im Passspiel und hatten viel zu viele Fehler. Das ist schon enttäuschend, dass wir so auftreten.“

Dem konnte Thomas Müller (33) nur beipflichten. „Die erste Halbzeit war wirklich enttäuschend. Wir haben extrem viele Fehler gemacht. Vielleicht hat man gemerkt, dass es bei vielen im Verein gerade nicht die leichteste Phase ist. Wir haben nicht die Power auf den Platz bekommen.“

Antonio Rüdiger schaut frustriert.

Abwehr-Chef Antonio Rüdiger war enttäuscht von der Vorstellung. Der Verteidiger sah zudem die Gelbe Karte und ist nun gegen England gesperrt.

Abwehr-Boss Antonio Rüdiger (29), der am Montag in London wegen einer Gelbsperre ausfällt, reiste nachdenklich vom Team ab. „Die erste Halbzeit war eine der schwächsten, die ich erlebt habe. Ungarn hat uns nicht hergespielt. Aber sie wollten es mehr, waren galliger, haben mehr Zweikämpfe gewonnen. Das darfst du nicht akzeptieren.“

Antonio Rüdiger fällt gegen England aus – auch Nmecha muss passen

Der Real-Madrid-Profi ist 60 Tage vor dem ersten WM-Spiel ziemlich beunruhigt. „So viel Zeit haben wir nicht mehr, so lange sind wir nicht mehr zusammen. Das kommt einfach gar nicht gut. Wir müssen unsere Lehren draus ziehen und schnell aufwachen. Mit einem positiven Gefühl gehe ich nicht nach Hause“, sagte er.

Auch Lukas Nmecha wird dem Team auf der Insel fehlen, der Wolfsburger klagt über Kniebeschwerden.

Nur DFB-Direktor Oliver Bierhoff (54) bemühte sich trotz des Rückschlags, am Titelziel bei der WM festzuhalten. „Das Ziel bleibt. Na klar, wird man nach diesem Spiel sagen, wie kann man das sagen. Aber wir fangen auch bei dem Turnier bei Null an“, sagte er. „Das sind alles Wettbewerbsspieler, alles Gewinnertypen. Die haben mit ihren Vereinen viel gewonnen, die haben alle Ambitionen.“

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