„Sehr geile Mannschaft“ Wegen Kritik: Deutsche Spieler bauen schon die WM-Wagenburg auf

Deutschlands Armel Bella-Kotchap (l-r), Ilkay Gündogan und Thomas Müller applaudieren nach der Partie.

Die Nationalspieler Armel Bella-Kotchap, Ilkay Gündogan und Thomas Müller verabschieden sich im Wembley-Stadion am 26. September 2022 von den deutschen Fans.

Acht Wochen vor dem WM-Anpfiff sucht die Nationalmannschaft die Titel-Form. Hansi Flick gibt seinen Katar-Kandidaten viele Hausaufgaben und muss selbst Antworten finden. Die Spieler reden sich selbst stark.

Es war noch dunkel in London, als am Dienstag (27. September 2022) die ersten Nationalspieler zum Flughafen aufbrachen. Nach dem kurzen Länderspiel-Intermezzo ging es für die Kicker zurück zu ihren Vereinen.

International und national steht nun ein strammes Programm für die Klubs an. Am 13. November wird Hansi Flick (57) seine WM-Teilnehmer abends in Frankfurt wieder begrüßen. In welcher Verfassung die Akteure dann sind, kann aktuell keiner vorhersagen.

Thomas Müller will Real Madrid als Vorbild für die Nationalmannschaft

Entsprechend war allen Beteiligten wichtig, die Vorstellungen beim 0:1 gegen Ungarn und beim 3:3 gegen England kleinzureden. „Das Gefühl von heute ist für die WM völlig egal“, sagte beispielsweise Thomas Müller (33). „Es war eine Generalprobe. Das ist nicht die große Show und Bühne. Der Rest wird in zwei Monaten entschieden.“

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Erst wenn es Richtung Katar geht, würde der Fokus auf die WM gelenkt. „Wir brauchen Spaß, Lust und Zusammenhalt und müssen alles reinwerfen, um diesem deutschen Turniermannschaftsgedanken gerecht zu werden“, sagte der Vize-Kapitän. „Vielleicht kommt von außen Kritik. Mir ist das aber völlig egal, was geschrieben wird“.

Schon bei früheren Events baute das DFB-Team gerne eine Wagenburg-Mentalität auf. Motto: Egal, was Experten, Ex-Nationalspieler oder Journalisten urteilen – wir glauben an uns. „Wir haben gezeigt, dass wir es auf allerhöchstem Niveau können, wir müssen versuchen, es 90 Minuten durchzuziehen“, urteilte Ilkay Gündogan (31). „Wir wissen, wo wir stehen, denn wir haben eine sehr geile Mannschaft“, sagte beispielsweise Niklas Süle (27) in London.

Zwar räumte der Dortmunder auch ein, dass die drei Gegentore binnen elf Minuten bei einem Turnier nicht fallen dürfen. Dennoch zog er ein positives Fazit: „Wir haben gezeigt, was wir für eine Qualität auf den Platz bringen können. Dass nicht immer alles funktioniert, wenn man nur drei Lehrgänge im Jahr hat, ist völlig klar. Ich weiß auch, dass gewisse Dinge kritisch von außen betrachtet werden, die bei uns in der Kabine aber gar nicht da sind. Wir sind eine richtig gute Einheit.“

Müller verwies in dem Zusammenhang auf den amtierenden Champions-League-Sieger. „Ich durfte auch schon unter Carlo Ancelotti arbeiten. Da kann Real Madrid vielleicht ein Vorbild sein. Da läuft auch nicht immer alles brillant, aber sie behalten den Kopf oben, sie behalten den Glauben an sich selbst“, sagte der Bayern-Profi.

Für den WM-Erfolg sei es zudem wichtig, wie die nächsten Wochen in München ablaufen. „Da wir viele Bayern-Spieler haben, wäre es schon von Vorteil, wenn wir so ein natürliches Selbstverständnis, Kombinationssicherheit, Abläufe hätten, auf die man zurückgreifen kann, die auch beim Verein funktionieren. Das wäre cool, wenn wir uns das erarbeiten können“, sagte Müller.

Hansi Flick hat noch keinen Sieg gegen einen WM-Teilnehmer

Der Bundestrainer wollte deshalb auch nicht zu hart mit seinen Spielern ins Gericht gehen. „Ich bin eher ein Trainer, der die Spieler lieber einen Kopf größer macht. Das bringt am Ende vielleicht den einen oder anderen Sieg mehr“, sagte Flick. Gleichwohl kritisierte er: „Die Phase mit den drei Gegentoren darf uns nicht passieren. Gerade bei einer WM sind solche Dinge tödlich, da scheidet man schneller aus, als man denkt“.

In acht Wochen kommt es darauf an. Gegen Japan muss sich dann zeigen, wie stabil das deutsche Gebilde wirklich ist. Kurios: Gegen keinen der anderen 31 WM-Teilnehmer konnte Flick bisher ein Spiel als Bundestrainer gewinnen. Erfolge gelangen nur gegen Mannschaften, die nicht in Katar dabei sind. In der Wüste muss es dann klappen.

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