„Muss gesetzt sein“ Wachwechsel bahnt sich an: Jubel um Musiala wird zum Problem für Müller

Thomas Müller sitzt auf der Ersatzbank.

Thomas Müller sah sich 79 Minuten lang die Partie zwischen England und Deutschland am 26. September 2022 von der Ersatzbank aus an.

Uli Hoeneß hat sich als „großer Fan“ von Jamal Musiala geoutet und mehr Einsatzzeiten in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern gefordert. Das wird zum Problem für Thomas Müller.

Am Ende dieses in der zweiten Halbzeit verrückten Fußballspiels von Wembley haderten alle mit sich. Die deutschen Kicker, weil sie eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben hatten, die Engländer, weil sie für die Aufholjagd hin zum 3:2 nicht mit dem Sieg belohnt wurden.

Das 3:3 zwischen England und Deutschland bot am Montag (26. September 2022) also keinen Sieger. Dennoch gab es ein paar Gewinner. Bei den Gästen durften vor allem Doppel-Torschütze Kai Havertz (23) und Mega-Juwel Jamal Musiala (19) zufrieden die Arena verlassen.

Hansi Flick mit Sonderlob für Super-Talent Jamal Musiala

Beide Akteure unterstrichen, dass sie eine Bereicherung für die DFB-Elf sein können. Und deshalb bahnt sich ein Wachwechsel im Team an. Thomas Müller (33), der am Freitag gegen Ungarn (0:1) die Mannschaft noch als Kapitän aufs Feld geführt hatte, saß beim letzten wichtigen Stimmungstest vor der WM auf der Ersatzbank. Erst als Musiala in der 79. Minute angeschlagen ausgewechselt werden musste, durfte der Routinier ran.

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Hansi Flick (57) war nach der Partie begeistert von Musialas Vorstellung: „Jamal hat gezeigt, warum er ein außergewöhnliches Talent ist. Er hat beim zweiten Tor einen Ballgewinn in der eigenen Hälfte gehabt, ist defensiv und offensiv ein Spieler, der uns sehr guttut. Er kann dem Gegner Probleme bereiten und solche Situationen wie den Elfmeter rausholen. Er spielt ein, zwei Gegner aus, dann haben wir mehr Platz.“

Jamal Musiala wird von Harry Maguire attackiert.

Mit seinen Dribblings brachte Jamal Musiala vor allem nach der Pause immer wieder Gefahr ins deutsche Spiel.

Havertz blühte nach der Pause auf, als er aus der vordersten Front zurück auf die Zehnerposition rückte. Von dort schnürte er seinen Doppelpack. Klar ist, dass es nicht genug Positionen gibt, um Musiala, Havertz und Müller gleichzeitig aufzubieten, zumal der Bundestrainer auch Flügelstürmer wie Leroy Sané (26) und Serge Gnabry (27) schätzt. Daher wird Flick Entscheidungen treffen müssen.

Im März 2019 hatte Joachim Löw (62) das Ende für Bayern-Star Müller in der Nationalmannschaft verkündet, die Entscheidung dann aber im Mai 2021 revidiert. Nun droht dem Ur-Münchner die nächste Enttäuschung – aufgrund der Qualität eines Mitspielers vom FC Bayern. Zudem erzielte Müller in dieser Saison erst ein Tor im Verein.

Mit Uli Hoeneß (70) machte sich ausgerechnet der FCB-Ehrenpräsident auch noch bei RTL für einen Musiala-Stammplatz stark. „Wenn er so spielt, muss er bei Bayern München und in der Nationalmannschaft gesetzt sein“, sagte Hoeneß.

Ihm imponierte, dass Musiala „dem Druck standgehalten“ habe, nachdem er von den Medien im Vorfeld des Spiels quasi zum „Messias“ erkoren worden sei. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (61) verglich den Youngster sogar schon mit dem siebenmaligen „Ballon d‘Or“-Gewinner Lionel Messi (35).

Selbst Englands Nationaltrainer Gareth Southgate (52) geriet ins Schwärmen: „Sein Auftritt war exzellent. Er ist ein aufregender Spieler. Er hat in unserer U16 gespielt und wir haben sehr versucht, ihn zu behalten. Beim FC Bayern hat er aber mit acht deutschen Nationalspielern trainiert, die die Gelegenheit hatten, ihn zu beeinflussen. Das ist eine Schande. Er ist ein sehr spezielles Talent.“

Uli Hoeneß fordert Stammplatz für Musiala – beim DFB und FC Bayern

Müller, der nach der Partie zunächst lange über die Situation der Mannschaft, das Spiel und die WM-Chancen referiert hatte, wurde bei diesem Thema etwas schmallippiger. „Klar wollen wir immer die Spieler, die am besten spielen, immer auf dem Platz haben. Das ist keinem verborgen geblieben, dass er vor allem in der zweiten Halbzeit – als das Spiel dann so ein bisschen aufging und mehr Raum da war – seine Dribbling-Fähigkeiten zeigen konnte. Das tut dann jeder Mannschaft gut und ist nichts Neues.“

In Richtung der Journalisten schob er hinterher: „Macht ihn zum Hoffnungsträger, wie ihr das wollt. Wir werden uns als Mannschaft viel vornehmen und das gemeinsam angehen.“ Warum er bei der WM-Generalprobe denn außen vor war, wurde er noch gefragt. „Dazu hat bestimmt der Cheftrainer Flick schon Stellung bezogen. Ich weiß es nicht“, sagte er mit einem gequälten Lächeln und marschierte zum Bus.

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