Kaum die Liga gehalten, schon dachten alle an eine Zittersaison. Aber Pustekuchen! Der HSV schmeißt mit Millionen um sich und holt Kracher-Spieler!
Transfer-Wahnsinn beim HSVWie der Dino die Bundesliga schockt

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Die HSV-Bosse Claus Costa, Dr. Eric Huwer und Merlin Polzin im Gespräch.
Die Konkurrenz rieb sich verwundert die Augen, was beim Hamburger SV in den letzten Zügen der Transferperiode passierte. Ist das noch Kampf um den Klassenerhalt oder schon wieder Größenwahn?
Ein Kicker, der eigentlich als unbezahlbar galt, landete in Fabio Vieira im Volkspark. Doch er kam nicht allein: Gleich zwei WM-Teilnehmer, Zakaria El Ouahdi (für circa acht Millionen Euro aus Genk) und David Möller Wolfe (per Leihe von Wolverhampton), wurden ebenfalls unter Vertrag genommen.
„Noch nie so umworben gefühlt von einem Verein“
Die Ausgangslage war dabei alles andere als vielversprechend. Zahlreiche Fachleute sagten dem Team von Coach Merlin Polzin eine harte Spielzeit voraus. Das berichtet „SPOX“. Der Fels in der Abwehr, Luka Vuskovic, war nicht mehr da, und auch der geniale Kopf Vieira musste nach seiner Leihe scheinbar endgültig zurück zu Arsenal. Hinten wackelig, vorne nur Mittelmaß – eine düstere Vorhersage.
Aber der Hamburger SV von heute ist nicht mehr der Klub von damals. An der Elbe wird jetzt mit kühlem Kopf und Weitblick agiert, anstatt in Panik teure und unpassende Spieler zu holen. Für die Macher um Claus Costa kamen die aufsehenerregenden Deals kurz vor Toresschluss nicht unerwartet. Sie waren das Resultat monatelanger Vorbereitung.
David Möller Wolfe ist dafür das beste Beispiel. Der Hamburger Bundesligist hatten ihn schon auf dem Zettel, lange bevor er in der kostspieligen Premier League aufschlug. Der Verein hielt die Verbindung aufrecht, obwohl er damit eigentlich außer Reichweite schien. Als sich dann unerwartet die Chance auf eine Leihe bot, griffen die Hanseaten sofort zu. „Nach den Gesprächen mit Claus und Merlin wollte ich unbedingt hierherkommen. Ich habe mich in meiner Karriere noch nie so umworben gefühlt von einem Verein“, erklärte der Linksverteidiger.
Reines Geschick war auch die feste Verpflichtung von Fabio Vieira. Ursprünglich hätte der Verein eine Kaufklausel über 22 Millionen Euro aktivieren müssen. Später verlangte Arsenal immer noch 18 Millionen. Die Verantwortlichen im Volkspark bewahrten jedoch die Ruhe, wickelten zunächst andere Transfers ab und blieben geduldig. Vieira selbst brannte auf eine Rückkehr zum HSV, und Costa reiste persönlich nach London, um alles perfekt zu machen. Schließlich wechselte der Portugiese für unter zehn Millionen Euro und erhielt einen Vierjahresvertrag.
Aber woher nimmt der HSV plötzlich das Geld für Ausgaben von mehr als 30 Millionen Euro? Die Grundlage dafür ist die konsequente Arbeit der vergangenen Jahre. Finanzchef Erik Huwer brachte den Verein auf Vordermann: Der Klub hat keine Schulden mehr, erwirtschaftete vier Jahre hintereinander einen Gewinn und das Darlehen für das Stadion ist früher als geplant getilgt. Hinzu kommen Rekordeinnahmen aus dem Verkauf von Fanartikeln und eine Arena, die seit Jahren so gut wie immer voll ist.
Clevere Verkäufe spülten außerdem Geld in die Kasse. Für Fabio Balde, der eher auf der Bank saß, gab es unerwartet sieben Millionen Euro. Zwei Spitzenverdiener, Robert Glatzel und Jean-Luc Dompe, sind durch ihre Wechsel zudem von der Gehaltsliste verschwunden. Die Ausgaben für das Personal sind im Vergleich zu anderen Vereinen und zur eigenen Historie erheblich niedriger.
Im heutigen Fußball wird ein Aspekt oft geringgeschätzt: die Strahlkraft eines Vereins mit großer Geschichte. Eine gewaltige Rolle spielen die euphorischen Anhänger im Volkspark. Fabio Vieira erzählte schmunzelnd, die Anhänger hätten ihm „wirklich jeden Tag zu schreiben“. Sie sorgten für ein Umfeld, in dem er sich einfach gut aufgehoben fühlte. „Der Verein. Die Fans. Das Gefühl. Für solche Dinge lohnt es sich, zurückzukommen“, so der Portugiese.
Auf dem Rasen ist es die Aufgabe von Trainer Merlin Polzin (35), die aufkommende Begeisterung zu dämpfen. Schon nach dem Aufstieg sprach er von einem „neuen HSV“, der mit „maximalem Anspruch, der nötigen Demut und dem Respekt vor der Aufgabe“ in die Bundesliga zurückkehrt. Die Ziele werden durch die Verpflichtung von Kathleen Krüger, die nach 17 Jahren vom FC Bayern als neue Sportvorständin kommt, nicht kleiner.
Polzin drückt aber ganz gezielt auf die Euphoriebremse. Nach den spektakulären Transfers warnte er sofort vor alten Fehlern: „Wir wollen nicht irgendwie anfangen, Fehler zu machen, die beim HSV mitunter in der Vergangenheit gemacht worden sind. Es geht darum, jetzt mit dem Kader jedes einzelne Spiel so anzugehen, dass wir erfolgreich sein können. Das erfordert viel Demut und harte Arbeit.“
Für den runderneuerten HSV besteht die größte Schwierigkeit darin, nicht wieder in alte Verhaltensweisen zurückzufallen. Sollte dies gelingen, hat der Verein die Chance, sich mittelfristig wieder als ein außergewöhnlicher Klub in der Bundesliga zu etablieren. (red)

