Trotz Corona-Einbußen Trainer-Domino in der Liga wird zum Millionen-Wahnsinn

Mönchengladbach – Die Bundesliga biegt sechs Spieltage vor Saisonende gerade erst in die entscheidende Phase ein, da planen viele Vereine unter Volldampf schon die neue Saison. Spätestens mit dem verkündeten Wechsel von Frankfurt-Trainer Adi Hütter (51) nach Gladbach, von wo aus Marco Rose (44) zum BVB wechselt, nimmt das Trainerkarussell in der Liga Fahrt auf – und könnte für einen größeren Domino-Effekt sorgen. Erstaunlich: Trotz erheblicher Einbußen in der Corona-Pandemie geben die Vereine Millionen aus für Trainer-Abfindungen oder Trainer-Ablösesummen.

  • Trainer-Karussell dreht sich in der Bundesliga
  • Top-Klubs könnten für Domino-Effekt sorgen
  • Mehrere Bundesligisten suchen einen Trainer für die neue Saison

Zwar haben die beiden Borussen ihre Trainersuche für 2021/2022 abgeschlossen, diese Herausforderung steht Eintracht Frankfurt nach dem Hütter-Abgang jetzt allerdings noch bevor. Und damit ist die SGE längst nicht alleine.

Weil außerdem die Zukunft von Hansi Flick (56) beim FC Bayern von Tag zu Tag ungewisser wird, und der 1. FC Köln, Bayer Leverkusen sowie Hertha BSC mit ihren Trainern nur bis Saisonende planen, steht die Liga vor aufregenden Wochen auf dem Trainermarkt.

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Julian Nagelsmann bei Bayern München als Nachfolger für Hansi Flick?

Besonders bei den Spitzenteams hat kaum einer seinen Platz auf der Trainerbank sicher. Hansi Flick eilt in München von Sieg zu Sieg und steht kurz vor der zweiten Meisterschaft. Doch interne Spannungen und die Aussicht auf den Job des Bundestrainers lassen ein Aus nach der Saison von Tag zu Tag wahrscheinlicher wirken – zumal auch Flick diese Einschätzung ganz bewusst nicht dementiert.

Erster Kandidat auf die Nachfolge wäre dann wohl Julian Nagelsmann (33), der RB Leipzig zum größten Bayern-Verfolger geformt und seine Qualitäten inzwischen auch international (CL-Halbfinale 2020) unter Beweis gestellt hat.

Julian_Nagelsmann_Hansi_Flick

Auch Hansi Flick (r.) und Julian Nagelsmann, hier am 9. Februar 2020 in der Allianz Arena, könnten aufs Trainer-Karussell in der Bundesliga aufspringen.

Zwar würde der Brause-Klub den noch bis 2023 gebundenen Erfolgscoach ungern abgeben. Ein Lockruf aus München könnte Nagelsmann aber womöglich zu einem Abschied nach der Hälfte seiner Vertragslaufzeit bewegen.

RB Leipzig müsste bei Abgang von Julian Nagelsmann auf die Suche gehen

In diesem Fall wäre mit RB der nächste Top-Klub auf der Suche nach einem neuen Trainer. Heißer Kandidat: Der US-Amerikaner Jesse Marsch (47) von Schwesterklub Red Bull Salzburg. 2015 startete er bei den New York Red Bulls seine Laufbahn im RB-Imperium, arbeitete in der Saison 2018/2019 aber auch ein Jahr als Co-Trainer von Ralf Rangnick (62) in Leipzig.

Jesse_Marsch_RB

Jesse Marsch (r.) am 9. Juli 2018 als Co-Trainer bei RB Leipzig neben dem damaligen Trainer Ralf Rangnick.

Ebenfalls mit Red-Bull-Erfahrung ausgestattet ist Bo Svensson (41), der Mainz 05 in beeindruckender Art und Weise aus dem Keller geführt hat. Bis zu seinem Bundesliga-Wechsel im Januar 2021 war er für anderthalb Jahre beim Salzburger Farmteam FC Liefering als Trainer aktiv.

Ob der Däne, der bei den Mainzern zuvor bereits als Jugendtrainer gearbeitet hatte, den Verein trotz eines Vertrags bis 2024 aber schon nach einem halben Jahr wieder verlässt, scheint fraglich.

Bayer Leverkusen und Hertha BSC vor Trainerwechsel zum Saisonende

Doch nicht nur auf den Champions-League-Rängen werden fleißig die Trainer getauscht. Weil Bayer Leverkusen die Königsklasse zum zweiten Mal in Folge zu verpassen droht, soll im Sommer ein neuer Trainer her. Hannes Wolf (39), der auf den entlassenen Peter Bosz (54) folgte, ist zunächst nur bis Saisonende vorgesehen, soll dann wieder als Jugendtrainer zurück zum DFB.

Hannes_Wolf_Bayer_04

Hannes Wolf, hier beim Bundesliga-Spiel bei der TSG Hoffenheim am Montag (12. April) ist zunächst nur bis Saisonende als Trainer bei Bayer Leverkusen eingeplant.

Die ambitionierte Berliner Hertha hat mit Pál Dárdai (45) ebenfalls eine Trainerlösung mit Ablaufdatum. Der Ungar ist zunächst nur bis Saisonende angestellt, seine Vertragsverlängerung hängt vom Punkteschnitt im Saisonfinale ab – aktuell liegt Dárdai unter den Erwartungen.

Edin Terzic (39), bis Sommer noch als Platzhalter von Marco Rose bei Borussia Dortmund in Amt und Würden, wird zunächst offenbar als Co-Trainer beim BVB weitermachen und keine neue Stelle als Cheftrainer antreten. Ein Wechsel nach Frankfurt, wo er das Trainer-Wechselspiel zwischen Dortmund, Gladbach und der Eintracht perfekt machen würde, ist daher keine Option.

Trend in der Bundesliga geht zu Ablösesummen für Trainer

Fakt ist: Das Trainer-Domino in der Liga wird zum Millionen-Wahnsinn. Zu den längst üblichen Abfindungen für Trainer nach Entlassungen vor Vertragsende werden immer häufiger fette Ablösesummen für Coaches bezahlt. Und das obwohl die Klubs durch die Corona-Pandemie erhebliche Einbußen hinnehmen müssen.

Der Trainermarkt ist hart umkämpft, gute Bundesliga-Trainer sind rar. Nach Entlassungen im Laufe der Saison suchen unter anderem Lucien Favre (63), Peter Bosz (57), Bruno Labbadia (55), Ex-FC-Trainer Markus Gisdol (51) und David Wagner (49) eine neue Anstellung. Auch der vielfach umworbene Ralf Rangnick (62) wäre für einen Bundesliga-Job verfügbar, ebenso wie Paderborn-Trainer Steffen Baumgart (49), der seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängert.

Trainer mit bestehendem Arbeitsverhältnis, wie etwa Hütter und Rose, sind da längst kein Tabu mehr. Immer stärker geht in der Liga der Trend zu Ablösesummen für Übungsleiter. Der BVB lässt sich Rose fünf Millionen Euro kosten, der Hütter-Deal hat dem Vernehmen nach ein Rekord-Volumen von 7,5 Millionen Euro.

Der bisherige Rekord von fünf Millionen Euro für Nagelsmann (2019) und Bosz (2017) ist damit schon einmal pulverisiert. Auffällig: Drei der fünf teuersten Trainer verpflichtete der BVB.

Kommt das Transfer-Karussell erst einmal richtig in Schwung, könnte auch der frisch gebackene Hütter-Rekord schon im Sommer wieder der Vergangenheit angehören, wenn die Bayern die Schatulle für einen möglichen Flick-Nachfolger öffnen müssen.

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