„Nicht alles schlecht“ WM-Krisengipfel endet in Harmonie: Flick bleibt Bundestrainer

Bundestrainer Hans-Dieter Flick verlässt in einem Wagen das Kempinski-Hotel.

Nach zweieinhalb Stunden fuhr Hansi Flick am Mittwoch (7. Dezember 2022) wieder vom Krisengespräch weg.

Bundestrainer Hansi Flick hat sich mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke getroffen, um das WM-Aus in der Gruppenphase zu analysieren.

Das Vorrunden-Aus bei der WM und die Folgen. Oliver Bierhoff (54) musste bereits seinen Posten als DFB-Geschäftsführer räumen. Was wird nun aus Hansi Flick (57)?

Am Mittwochnachmittag (7. Dezember 2022) traf sich der Bundestrainer mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf (61) und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke (63). „Ein freundliches und konstruktives Gespräch über die aktuelle Situation und die Perspektiven der deutschen Fußball-Nationalmannschaft“, sei es gewesen, hieß es danach.

DFB: WM-Krisensitzung im Hotel in Neu-Isenburg

Der Verband machte aus dem Treffen eine große Geheimniskrämerei. Selbst Mediendirektor Steffen Simon (57) behauptete, nicht zu wissen, wo die Krisensitzung steigt. Im Kempinski Hotel Gravenbruch in Neu-Isenburg, wo die Mannschaft zuletzt übernachtet hat, wenn sie auf dem DFB-Campus trainierte, steckte das Trio die Köpfe zusammen.

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Watzke war um 13.57 Uhr der Erste, der am Ort des Geschehens eintraf. Neun Minuten später kam Neuendorf, zuletzt um 14.26 Uhr Flick. Nach zweieinhalb Stunden brauste der Bundestrainer in seinem Dienstwagen ohne Kommentar wieder vom Gelände.

Den Vorderausgang wollte er wohl nicht mehr benutzen. Ein Hotel-Mitarbeiter brachte den Wagen in die Tiefgarage. Flick blickte starr geradeaus, grüßte nicht. Sein ernstes Verhalten gab zunächst viel Raum für Spekulationen. Doch am Ende gab es die große Harmonie-Erklärung durch den Verband.

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Neuendorf ließ sich wie folgt zitieren: „Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land eine große Chance für den Fußball in Deutschland darstellt. Unser Ziel ist es, dieses Turnier sportlich erfolgreich zu gestalten. Wir haben volles Vertrauen in Hansi Flick, dass er diese Herausforderung gemeinsam mit seinem Team meistern wird. Hinsichtlich der Nachfolge von Oliver Bierhoff haben wir uns darauf verständigt, zunächst innerhalb des DFB über die künftige Struktur dieses Aufgabenbereichs zu beraten, um anschließend eine Personalentscheidung zu treffen.“

Auch Hansi Flick klang in der Erklärung wieder zuversichtlich: „Mein Trainerteam und ich blicken optimistisch auf die Europameisterschaft im eigenen Land. Wir als Mannschaft können viel mehr erreichen, als wir in Katar gezeigt haben. Wir haben dort eine große Chance verpasst. Daraus werden wir unsere Lehren ziehen. Ich habe Vertrauen in den heute verabredeten, gemeinsamen Weg mit Bernd Neuendorf und Aki Watzke. Wir alle möchten, dass sich bei der Heim-EM 2024 wieder ganz Deutschland hinter der Nationalmannschaft versammelt.“

Einen Tag später, im Zuge der Pressekonferenz zur Nachfolge von DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen, gab Watzke auf Nachfrage preis, dass eine Ablösung von Flick als Bundestrainer keine Überlegung für die DFB-Führung gewesen sei. Denn: Es sei „nicht alles schlecht“ gewesen in Katar.

Michael Ballack: Hansi Flick hat kein Mitspracherecht beim Sportdirektor

Flicks Statement zum Abschied von Bierhoff hatte am Dienstag alle aufhorchen lassen. Der Coach hatte sich bei Amtsantritt zusichern lassen, dass Bierhoff als erster Ansprechpartner im Verband zur Verfügung steht. Dazu soll es sogar eine entsprechende Vereinbarung in Flicks Vertrag geben, wie der „Spiegel“ berichtet.

Die Regelung der Bierhoff-Nachfolge erklärte Watzke zur DFB-Aufgabe unter Leitung von Verbandspräsident Neuendorf. Einen Schnellschuss muss es nach Ansicht von Watzke nicht geben, auch wenn er eine „Lösung vor Weihnachten schön“ fände. Ob das „Vakuum“, das Bierhoff nach seinem Rückzug hinterlasse, von einer oder zwei Personen geschlossen werde, müsse man abwarten.

Aus Sicht des früheren Nationalteam-Kapitäns Michael Ballack (46) stehe Flick Mitspracherecht in dieser Causa nicht zu. Er habe beim DFB noch nicht das Standing, „um da mitentscheiden zu dürfen. Weil er eben zu kurz Bundestrainer ist. Er ist jetzt ausgeschieden. Das Ergebnis spricht jetzt nicht für ihn. Trotzdem heißt das nicht, dass es für oder gegen ihn eine Entscheidung geben sollte.“

Zuletzt traf Flick Personalentscheidungen, die nicht zu ihm passten, bis hin zur Rückversetzung von Joshua Kimmich (27) nach rechts hinten beim letzten Wurf gegen Costa Rica, trotz selbst attestiertem Weltklasse-Label in der Zentrale. Das war schon arger Schlingerkurs.

Keine Mannschaft verzeichnete in der Gruppenphase mehr Torschüsse als die DFB-Auswahl, nämlich 69. Aber es landeten halt nur sechs im Tor. Mit dem Aus von Japan und Spanien im Achtelfinale hat sich auch die Stärke der deutschen Gruppe im Nachhinein relativiert.

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