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Kommentar zum Tor-Spektakel  Der Jubel ist berechtigt, aber Flick darf sich nicht blenden lassen

Bundestrainer Hansi Flick jubelt nach einem Tor seiner Mannschaft.

Völlig losgelöst: Hansi Flick feiert die Tore seiner Mannschaft im Spiel gegen Armenien am 5. September 2021.

Das famose 6:0 in der WM-Quali gegen Armenien hat die Fans begeistert. Aber Hansi Flick wird die richtigen Schlüsse aus der Partie ziehen. Ein Kommentar zum Stand der Nationalmannschaft in der Nach-Löw-Ära.

Stuttgart. Die Welle schwappte durchs Stadion, die Fans sangen euphorisch und drängelten sich nach Abpfiff an den Absperrgittern vor dem Mannschaftsbus, um ihre Lieblinge noch einmal zu sehen. Plötzlich dachte niemand mehr an das peinliche WM-Vorrunden-Aus 2018, an das enttäuschende EM-Ende im Achtelfinale 2021 und an Rumpel-Partien in der Nations League. Das 6:0 hat die Betrachter elektrisiert.

Pressing vom Feinsten, Ein-Kontakt-Fußball, technische Sahnestückchen, Hochgeschwindigkeits-Angriffe. Die Partie bot von deutscher Seite Fußball nahe der Perfektion. Hansi Flick ist trotzdem niemand, der nach solchen Leistungen dauergrinsend durch die Gegend läuft und nur die Glückwünsche entgegen nimmt. Er sprach nach dem Schlusspfiff direkt die Kernbotschaft aus: „Das ist jetzt der Maßstab“.

So viel Spielfreude sollte sein Team nicht nur gegen Armenien, der Nummer 88 der Weltrangliste, zeigen. Die 90 Minuten Power-Fußball von Stuttgart haben gezeigt, welches Potential im deutschen Kader stecken kann. Diese Messlatte gilt es nun auch gegen Island zu überspringen.

Der neue Bundestrainer ist es aus seiner Bayern-Zeit gewohnt, immer weiter nach Erfolgen zu streben. Ein Titel oder ein Double ist beim Rekordmeister noch längst nicht genug. Selbst nach dem Triple legte Flick noch drei Titel nach. Diese Gier muss er auch bei den Nationalspielern wecken, für die in der Vergangenheit Länderspiel-Perioden – zumal oft noch gegen zweitklassige Gegner – manchmal auch nur lästige Pflicht waren.

Deutschland braucht auch eine stabile Defensive für die WM 2022

Und Flick wird sich auch nicht von den nun euphorischen und teils überdrehten Lobeshymnen einlullen lassen. Dass Armenien nicht das Niveau hatte, um die deutsche Abwehr richtig zu prüfen, sollte jeder im Hinterkopf behalten. In diesem Jahr wartet kein echter Härtetest mehr auf die neue Flick-Truppe. Erst frühestens im März 2022 kann ein richtiger Brocken zum Testspiel organisiert werden. Denn neben der faszinierenden Offensiv-Abteilung braucht die DFB-Elf auch ein stabiles Defensiv-Gebilde im Hinblick auf die WM.

Auch wenn dieser Abend von Stuttgart nur bedingt aussagekräftig war, so hat er doch den richtigen Impuls ausgesendet. Nach den am Ende quälend zähen Löw-Monaten greift der Neuanfang. Der frische Wind, der durch die Nationalmannschaft weht, kann nur für bessere Leistungen sorgen. Der Weg zurück an die Weltspitze ist noch weit. Aber Flick hat mit seiner Truppe schon mal die erste Steigung bewältigt.

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