HSV liefert irres Pokal-Drama Last-Minute-Comeback, Zwayer-Wirbel und Elfer-Krimi in Hamburg

Bakery Jatta im Zweikampf mit Philip Heise und Tim Breithaupt im Viertelfinal-Spiel des DFB-Pokals

Bakery Jatta (M.) und der Hamburger SV lieferten sich mit dem Karlsruher SC um Torschütze Philip Heise (l.) und Tim Breithaupt am Mittwochabend (2. März 2022) ein dramatisches Viertelfinal-Duell im DFB-Pokal.

Der Hamburger SV ist gegen den Karlsruher SC auf dramatische Weise ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen. Die Norddeutschen bezwangen dank Keeper Daniel Heuer Fernandes den Karlsruher SC.

Beim HSV träumen sie weiter vom ersten Pokal-Triumph seit 35 Jahren. Nach einem denkbar dramatischen Viertelfinal-Abend gegen Karlsruher SC dürfen die Norddeutschen weite alle Hoffnungen auf den großen Coup haben. Beim nervenaufreibenden Duell beider Zweitligisten am Mittwochabend (2. März 2022), das Hamburg in einem Elfer-Krimi für sich entschied (5:4 n.E.), stand derweil auch Referee Felix Zwayer (40) im Mittelpunkt.

Mit 0:2 hatte der HSV vor 25.000 Fans im heimischen Volksparkstadion hinten gelegen – und startete plötzlich die furiose Aufholjagd. Dann der große Aufreger der Partie: Beim Stand von 1:2 aus Sicht der Gastgeber zeigte Zwayer auf den Punkt.

HSV-Torjäger Robert Glatzel (28) war nach einem eher handelsüblichen Zweikampf mit Gegenspieler Christoph Kobald (24) im gegnerischen Sechzehner zu Boden gesunken, Zwayer gab den Elfer in der 68. Minute. Auch die Intervention des Video-Schiris Benjamin Brand (32) und die Ansicht der Video-Bilder brachten den Referee nicht von seiner Entscheidung ab. Eine strittige Entscheidung – und dennoch die Hamburger Riesen-Chance auf den Ausgleich. „Ich sehe es jetzt zum ersten Mal. Unglaublich“, kommentierte KSC-Angreifer Philipp Hofmann (28) nach Schlusspfiff bei Sky. Karlsruhe-Coach Christian Eichner (39) sprach von einer „kompletten Fehlentscheidung“.

Hamburger SV zieht ins Halbfinale des DFB-Pokals ein

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Alles Protestieren der Gäste half nichts. Nach minutenlangen Diskussionen trat schließlich Sonny Kittel (29) an – eigentlich ein verlässlicher Schütze. Doch Karlsruhe-Keeper Marius Gersbeck (26) ahnte die Ecke, parierte den Schuss (72.). Was für ein Drama! KSC-Ösi Kobald hatte obendrein noch die Gelb-Rote Karte gesehen, ein vielleicht entscheidender Nachteil.

Schiedsdrichter Felix Zwayer hebt die Hand im DFB-Pokal-Spiel Hamburger SV gegen Karlsruher SC

Schiedsrichter Felix Zwayer stand bei der Viertelfinal-Begegnung des DFB-Pokals zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC im Mittelfpunkt.

Zwayer zog sich natürlich den Unmut der Karlsruher Anhänger zu. Der Referee hatte seine Laufbahn zuletzt für zwei Monate pausiert, nachdem er nach dem Bundesliga-Spiel von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München am 4. Dezember 2021 (2:3) für einige Entscheidungen heftig angefeindet worden war.

Es folgte eine umkämpfte Schlussphase: Der KSC warf sich in Unterzahl in alles, was auf den eigenen Strafraum zukam, der Hamburger SV wiederum rannte verzweifelt an, um doch noch irgendwie den ersehnten Ausgleich zu schaffen. Und tatsächlich: Glatzel rettete die Rothosen mit seinem Treffer doch noch in die Verlängerung (90.+1)! Das Last-Minute-Comeback war perfekt.

Philip Heise (30) in der ersten Halbzeit (40.) und Sturm-Tank Hofmann kurz nach Wiederbeginn (50.) hatten die Gäste in Führung geschossen. 97 Sekunden später war Glatzel per Kopf der zwischenzeitliche Anschlusstreffer gelungen (52.).

Philipp Hofmann jubelt mit seinen Teamkollegen über sein Tor zum 2:0 beim HSV

Philipp Hofmann (Nummer 33) schoss den Karlsruher SC im Viertelfinal-Spiel des DFB-Pokals beim Hamburger SV mit 2:0 in Führung – doch die Gastgeber retteten sich noch in die Verlängerung.

Nun ging es in die Verlängerung. Dort wurde dann weiter gerackert und -gerungen. Statt Feinschmecker-Fußball  gab's nun fundamentalen Kampf-Fußball zu sehen. Ein Thriller, der hin- und herging – mit leichten Vorteilen für den numerisch überlegenen HSV. Doch auch der KSC wehrte sich weiter nach Kräften. Spannung pur!

Elfer-Krimi im DFB-Pokal zwischen Hamburger SV und Karlsruher SC

Doch es fielen keine Treffer mehr. Damit ging es ins Elfmeterschießen – das dritte in Folge im Pokal für die Hamburger, die sich zuvor gegen den 1. FC Köln (4:3) und den 1. FC Nürnberg (4:2) durchgesetzt hatten.

Die Gäste begannen: Kapitän Jerome Gondorf (33) drosch die Kugel mit Glück an HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes (29) vorbei. Anschließend versagten Sebastian Schonlau (27) die Nerven, der HSV-Abwehrmann scheiterte an Gersbeck! Heise verwandelte anschließend souverän für den KSC. Doch Josha Vagnoman (21) verkürzte für den HSV. Und dann zitterten plötzlich den Gästen die Knie: Marvin Wanitzek (29) scheiterte an Heuer Fernandes. Mario Vuskovic (20) machte es besser – und glich für den HSV aus. Nachdem danach Karlsruhe-Routinier Daniel Gordon (37) ebenfalls am Hamburger Schlussmann gescheitert war, traf Glatzel zum 3:2 für Hamburg. Weil Daniel O’Shaughnessy (27) dann den dritten Elfer für den KSC im Shoot-out vergab, kannte der Hamburger Jubel keine Grenzen mehr – die Rothosen feierten ihren Pokal-Held Heuer Fernandes und das Weiterkommen.

Während der KSC also nach wie vor auf die erste Halbfinal-Teilnahme im DFB-Pokal seit 25 Jahren warten muss, wird beim HSV weiter geträumt. Am 20. Juni 1987 hatte der Hamburger SV im Berliner Olympia-Stadion zuletzt das Endspiel erreicht – und seinerzeit nach einem 3:1 gegen die Stuttgarter Kickers den Cup geholt.

„Dass wir so zurückkommen in das Spiel, ist stark. Das wird uns Auftrieb geben. Dass es so ausgeht, ist sensationell“, sagte HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (40) bei Sky. KSC-Keeper Gersbeck haderte dagegen nach dem grandiosen Fight: „Das ist extrem bitter. Wir haben ein überragendes Spiel gemacht. So lange dagegengehalten, so lange in Unterzahl gespielt."

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