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Heimliche WM-Revolution?Scharfe Schiri-Kritik in Katar – FIFA-Versprechen wird zum Flop

Schiedsrichterin Stéphanie Frappart greift sich bei der WM 2022 mit der Hand ans Ohr und kommuniziert mit dem VAR. Deutschland-Stürmer Niclas Füllkrug schaut interessiert.

Beliebte Geste bei der WM 2022: Der Griff ans Ohr bei der Abstimmung mit dem VAR, so wie hier bei Schiedsrichterin Stéphanie Frappart beim Gruppenspiel zwischen Deutschland und Costa Rica am 1. Dezember. Für die Spieler die DFB-Stürmer Niclas Füllkrug stets bange Momente.

Die WM 2022 ist bislang nicht die Weltmeisterschaft der Schiris. Viel Kritik, Probleme bei der Abstimmung und der holprige Umgang mit der Technik führen dazu, dass die Fifa ihr Versprechen nicht halten kann.

von Béla Csányi (bc)

Die Fußball-WM 2022 sollte für das Schiedsrichter-Wesen eine ganz besondere werden: mehr Frauen im Referee-Aufgebot der Fifa, mehr Unparteiische am Spielfeldrand, mehr technische Hilfe als je zuvor – und damit auch weniger Diskussionen und Schiri-Kritik.

Vor Beginn der letzten WM-Woche lässt sich schon jetzt festhalten: Die Hoffnungen der Fifa auf eine aus Schiri-Sicht unauffällige, im Bestfall sogar wegweisende Weltmeisterschaft haben sich nicht erfüllt. Selbst vier tadellose Spiele zum Abschluss könnten die nicht mehr zu rettende Bilanz höchstens noch aufhübschen. 

WM 2022 wird für die FIFA zum Schiri-Flop

Besonders auffällig wurde die latente Unzufriedenheit im Viertelfinale: In drei von vier Duellen war die Schiedsrichter-Leistung mehr als nur ein Randaspekt. Stattdessen wurde Schiri-Paradiesvogel Antonio Mateu Lahoz (45) beim hitzigen Aus der Niederlande gegen Argentinien zum umstrittenen Protagonisten, kassierte Kritik von beiden Mannschaften.

Alles zum Thema Markus Lanz

Portugal und England machten die Entscheidungen der Referees für ihr Aus in Katar mitverantwortlich. Im englischen TV verspottete Ex-Nationalspieler Gary Neville (47) den Brasilianer Wilton Sampaio (40) als „Witz von einem Schiedsrichter“.

Für die Fifa sind die Eindrücke ein Fiasko. Der stets um neue Meilensteine bestrebte Fußball-Weltverband wollte mit der Schiedsrichterinnen-Premiere und der halbautomatischen Abseits-Technologie neue Maßstäbe setzen, machte große Versprechungen.

Doch im Turnierverlauf sah die Fifa sich teilweise sogar gezwungen, einzelne Entscheidungen am Folgetag (!) mit einer offiziellen Verlautbarung zu bestätigen – etwa bei der Aus-Entscheidung vor Japans viel diskutiertem Siegtreffer gegen Spanien.

FIFA befördert Video-Assistenten zum heimlichen Chef

Ob gewollt oder nicht, sorgte die Fifa im Laufe der Weltmeisterschaft für eine heimliche WM-Revolution: Anders als noch immer offiziell festgehalten, hatte in vielen Spielen nicht mehr der Schiedsrichter auf dem Platz die finale Verantwortung über kritische Entscheidungen, sondern der eigentlich nur als Unterstützung gedachte Video Assistant Referee (VAR).

„Noch nie ist eine Weltmeisterschaft so von Schiedsrichtern bestimmt worden, die noch dazu nicht sichtbar sind“, fasste „SZ“-Journalist Thomas Kistner (64) am 9. Dezember im Podcast von TV-Moderator Markus Lanz (53) und Philosoph Richard David Precht (58) den Eindruck zusammen, dass die Fifa im stillen Kämmerlein offenbar beschlossen hat, dem VAR-Kämmerlein erheblich mehr Macht einzuräumen. Nehmen Sie hier an der EXPRESS.de-Umfrage teil:

Deutlich seltener als etwa in der Bundesliga zog es die Schiedsrichter in die am Spielfeldrand eingerichtete Referee Review Area, um knappe Szenen nach einem VAR-Hinweis noch einmal zu checken. Wenn ein Unparteiischer dann doch mal vor dem Bildschirm stand, wurde zumindest in der Sicht des TV-Publikums oft nur eine Kamera-Einstellung in Dauerschleife eingespielt, die Zweifel an der Entscheidung nicht immer ausräumen konnte.

Unglückliche VAR-Entscheidungen bei WM 2022

Ohnehin konnte die Technik in Katar die Fragezeichen nicht wirklich beseitigen, warf stattdessen sogar neue Unklarheiten auf. Los ging es schon im Eröffnungsspiel zwischen Katar und Ecuador (0:2), als bei einem knappen Abseits-Pfiff im 3D-Schaubild der Keeper der Gastgeber einfach verschwunden war, obwohl er bei der Bewertung der Zentimeter-Entscheidung eine Rolle spielte. Ein dankbarer Nährboden für Verschwörungstheorien, die genau diese Technik eigentlich verhindern sollte.

Im Viertelfinale zwischen England und Frankreich (1:2) hatte sich Schiri Sampaio beim Check eines möglichen Elfmeter-Pfiffs in der ersten Halbzeit voll und ganz auf seinen Video-Assistenten Nicolás Gallo (36) verlassen. „Wenn er sich es angeschaut hätte, hätte er zumindest Freistoß geben und die richtige Entscheidung treffen können“, klagte Ex-Bundesliga-Schiri Manuel Gräfe (49) bei Betrachtung der Szene im ZDF.

Eine ähnliche Situation erlebte auch der einzige deutsche WM-Schiedsrichter Daniel Siebert (38), der im Gruppen-Finale zwischen Ghana und Uruguay (0:2) einen klaren Foulelfmeter für die Südamerikaner nicht gepfiffen hatte. Der VAR prüfte die Szene zwar, schickte den Berliner aber nicht noch einmal in die Review Area, um die Szene selbst zu prüfen und sich zu korrigieren. Das löste sogar Tumulte nach Spielschluss aus, bei denen Siebert von wütenden Uruguayern belagert wurde.

Vor vollendete Tatsachen wurde beim Gruppen-Auftakt zwischen Belgien und Kanada (1:0) auch Janny Sikazwe (43) aus Sambia gestellt, der einen klaren Elfmeter für die Nordamerikaner übersah, vom Video-Assistenten aber nicht zum Studium der Bilder aufgefordert wurde. Der VAR checkte die Szene in Eigenregie und ließ die falsche Entscheidung bestehen.

„Ich kann nicht in den Raum stellen: Das ist besser denn je, das ist sauberer denn je, das ist präziser denn je – und mache dann Fehler“, kritisierte Kistner im Lanz-Podcast das vorauseilende Selbstlob der FIFA. Das war nach den Eindrücken der ersten drei WM-Wochen ohnehin von Spiel zu Spiel immer offensichtlicher ad absurdum geführt worden. Kistners Gedanken dürften viele Fußballfans im Unverständnis über die Referee-Abstimmungen in Katar daher fraglos teilen.