Frauenfußball-Kolumne Ärgerliche Absage: Platz-Problem muss endlich angegangen werden

Zahlreiche Helfer versuchen vergeblich, den teils abgedeckten Platz im Stadion der Frauen des FC Chelsea bespielbar zu machen.

Beim Frauen-Spiel zwischen dem FC Chelsea und dem FC Liverpool waren am Sonntag (22. Januar 2023) alle Mühen um einen bespielbaren Rasen umsonst.

Ein Beispiel aus dem Mutterland des Fußballs zeigt, was im Frauenfußball weiterhin sträflich vernachlässigt wird. Hier müssen in den kommenden Jahren unbedingt Verbesserungen geschaffen werden.

Am Wochenende (22. Januar 2023) wurde die Partie zwischen Chelsea und Liverpool in der englischen Women’s Super League erst angepfiffen und dann nach wenigen Minuten doch abgebrochen.

Denn was eigentlich spätestens bei der Platzbegehung für eine Absage hätte sorgen müssen, wurde nach Anpfiff dann offensichtlich: Der Platz war vereist und bot eine merklich erhöhte Verletzungsgefahr für die Spielerinnen, die nach dem Hinfallen vor Schmerzen vom Aufprall liegen blieben.

Rasenheizungen im Frauenfußball eine Seltenheit

Angepfiffen wurde das Spiel zwischen Tabellenführer Chelsea und Aufsteiger Liverpool um 12.30 Uhr, die Platzbegehung fand drei Stunden vorher statt und der Rasen wurde als bespielbar eingestuft. Die Trainer-Teams beider Klubs kritisierten diese Entscheidung im Nachhinein. „Er war heute Morgen gefroren, er war beim Aufwärmen gefroren, und man kann es deutlich auf einer Seite und im Strafraum sehen“, so Liverpools Matt Beard (45) im Nachgang.

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Verständnislos macht vor allem, dass viele andere Partien am Wochenende in unteren Ligen und im Jugendfußball wegen der Bedingungen frühzeitig abgesagt wurden. Denn diese werden auf Plätzen ausgetragen, die keine Rasenheizung besitzen. Und das trifft eben auch auf das Heimstadion Kingsmeadow der Frauen des Chelsea FC zu, wie auch auf die meisten anderen Heimspielstätten im Fußball der Frauen.

Das Thema abgesagter Spiele gibt es auch in der Bundesliga in jedem Winter. Das Problem besteht aus mehreren Seiten. Zunächst sind da die fehlenden Rasenheizungen. Für die Bundesliga der Männer machte die DFL sie ab der Saison 2007/2008 zur Pflicht, um das Verletzungsrisiko für die Spieler zu reduzieren. Weder in der Bundesliga der Frauen noch in der WSL gibt es bisher eine solche Auflage.

Frauenfußball kämpft mit Folgen kurzfristiger Spielabsagen

Chelseas Trainerin Emma Hayes (46) forderte deshalb zum wiederholten Male weitere Investitionen in die Bedingungen, unter denen sie und ihre Spielerinnen arbeiten – wie eben Rasenheizungen. Das Verletzungsrisiko ist allerdings gerade für Verbände und Inhaber von Übertragungsrechten nicht das einzige Argument, denn mit gefrorenen oder eingeschneiten Plätzen steigt eben auch die Wahrscheinlichkeit, dass Partien verschoben werden müssen.

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In einem sowieso engen Terminplan ist es mitunter schwierig, neue Ansetzungsmöglichkeiten zu finden, und so ein Sendeplan soll bestenfalls eingehalten werden. Vor dem Spiel zwischen Chelsea und Liverpool versuchte daher die FA alles, hatte das Feld abgedeckt und Heizbläser aufgestellt, damit der Rasen über den Morgen noch auftaut.


Annika Becker ist freie Autorin bei EXPRESS.de und kümmert sich in ihren Kolumnen um das Thema Frauenfußball. Sie ist Mitglied von FRÜF - Frauen reden über Fußball.


Die Bewertung liegt allerdings immer bei den Unparteiischen, laut „The Athletic“ soll Liverpools Kapitänin Niamh Fahey (35) diese sogar in einem Einzelgespräch auf die Bedingungen angesprochen haben. Angepfiffen wurde aber trotzdem.

Frauen-Bundesliga kämpft mit ähnlichen Problemen

Dieses Hinauszögern der Absage, weil ein Verschieben verhindert werden soll, führt unweigerlich zu anderen Problemen. Die Spielerinnen und Fans des FC Liverpool hätten sich die weite Anreise (rund 350 Kilometer) sparen können, wenn bereits am Abend vorher die richtigen Schlüsse aus der Situation vor Ort und dem Wetterbericht gezogen worden wären.

So ähnlich ging es dem SC Sand im Februar 2021, als der DFB die Partie bei der SGS Essen nicht zeitig absagen wollte, das Team erst anreiste und dann doch die – richtige – Absage der Partie kam. Im selben Winter versank das Spiel zwischen Wolfsburg und Turbine Potsdam geradezu im Schnee. Es ist also mal wieder eine Frage des Geldes und der Strukturen, die schon seit Jahren vom DFB nicht angegangen wird.

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