Frauenfußball-KolumneVerschenkte Tickets, Songs zum Üben – so ist die WM-Stimmung „Down Under“

Die australischen Spielerinnen jubeln über Mary Fowlers Siegtreffer gegen Frankreich.

Die australischen Spielerinnen jubeln am 14. Juli 2023 über Mary Fowlers Siegtreffer gegen Frankreich.

Kurz vor dem Start der Frauenfußball-WM könnte die Stimmung bei den beiden Co-Gastgebern unterschiedlicher kaum sein. 

von Annika Becker (abe)

Der Countdown läuft: Am 20. Juli beginn die Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2023 in Australien und Neuseeland. Während in Europa und den USA fröhlich der „Titel-Favoritinnen“-Aufkleber vereinnahmt wird, ist man davon bei den Football Ferns in Neuseeland sehr weit weg – in Australien dafür vorsichtig optimistisch.

Die Lage bei den beiden gastgebenden Ländern könnte kaum unterschiedlicher sein. Für die Neuseeländerinnen wäre es schon ein großer Erfolg, es überhaupt aus der eigenen Gruppe heraus zu schaffen. Sie treffen im Eröffnungsspiel am 20. Juli auf Norwegen und bekommen es ansonsten mit den Philippinen und der Schweiz zu tun, unmöglich scheint eine gute Platzierung hinter den Norwegerinnen rund um die ehemalige „Ballon d‘Or“-Gewinnerin Ada Hegerberg (28) also nicht.

Fifa verschenkt WM-Tickets in Neuseeland

Allerdings wird es wohl sehr eng werden, denn die 22. der Weltrangliste gewannen erst vor ein paar Tagen im Test gegen Vietnam mal wieder ein Spiel, vorher waren sie zehn Partien lang sieglos: Zwei Unentschieden gegen Südkorea und Island standen acht Niederlagen gegenüber.

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An der Position von Cheftrainerin Jitka Klimková (48) würde ein frühes Aus nichts ändern, die Tschechin ist 2021 für sechs Jahre angestellt worden, um langfristig daran mitzuarbeiten, den Fußball der Frauen im Land voranzubringen. Fußball allgemein ist in Neuseeland nicht Sportart Nummer eins und hat es hinter Rugby und Cricket eher schwer.

Das hatte auch Auswirkungen auf die Ticketverkäufe: Während der Andrang in Australien sehr groß ist und einzelne Spiele ausverkauft sind, werden bei den Co-Gastgeberinnen 20.000 Tickets durch die Fifa verschenkt. Das meldete der Weltfußballverband in der vergangenen Woche. Wie groß ein möglicher Heimvorteil ist, steht und fällt mit der Unterstützung durchs Publikum in den Stadien.

Gerade darum ist die aktive Fan-Szene in Australien sehr bemüht, die Gruppe Matildas Active Support geht seit Jahren zu den Spielen und vernetzt Fans untereinander, stimmt Gesänge auf den Rängen an, bietet Treffpunkte vor und nach den Spielen. Dabei kommen andere Songs zum Einsatz als beim australischen Team der Männer. Damit auch Fans lautstark mitmachen, die vielleicht noch nicht so tief in der Materie sind, gibt es eine Website mit allen Songs zum Üben, damit es schön laut wird.

Klar ist: Voll wird es bei den Spielen der Matildas auf jeden Fall. Australien spielt direkt nach der Eröffnung in Sydney gegen Irland, das Stadium Australia ist ausverkauft, über 80.000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden erwartet.

Auch der letzte Test vor der WM war für die Australierinnen erfolgreich, 50.629 sahen im Marvel Stadium in Melbourne einen 1:0 Sieg über Frankreich – das wie fast immer zum erweiterten Favoritinnen-Kreis dieser WM zählt. Das ist aber nicht das einzige gute Ergebnis der Australierinnen vor der Weltmeisterschaft: Im April gab es einen 2:0-Sieg über England, im Februar ein 3:2 gegen Spanien und im November ein 4:0 gegen Schweden, von den letzten neun Spielen wurde nur eines verloren.


Annika Becker ist freie Autorin bei EXPRESS.de und kümmert sich in ihren Kolumnen um das Thema Frauenfußball. Sie ist Mitglied von FRÜF - Frauen reden über Fußball.


Das war vorher anders, der Schwede Tony Gustavsson (49) übernahm das Cheftrainer-Amt mitten in der Pandemie Ende September 2020, das erste Spiel gab es erst wieder im April 2021 gegen Deutschland kurz vor den Olympischen Spielen. Bei Olympia unterlag man den USA im Spiel um Platz drei. Auch wenn die Enttäuschung darüber sehr groß war, war das gute Abschneiden ein klares Zeichen: Gustavsson und seinen Spielerinnen ist es gelungen, das Ruder herumzureißen.

Was von vorher bleibt, ist aber die Vorsicht der australischen Fans vor allzu viel Hoffnung, vom Titel träumt offen kaum jemand. Bisher kamen die Matildas noch nie über das Viertelfinale hinaus und zu präsent ist auch noch das Aus im Elfmeterschießen im Achtelfinale gegen Norwegen bei der WM 2019.

Die Vorfreude auf die WM ist aber groß, das Turnier ist in der Stadt auf großen Werbeflächen präsent und es gibt auch abseits der offiziellen Fifa-Fanzonen Orte, die Public Viewings anbieten.

Spätestens mit Mary Fowlers (20) Siegtor über Frankreich gab es auch international ein Aufhorchen, die Vorlage zu ihrem Tor kam von Hayley Raso (28). „Als sie den Ball annahm, dachte ich erst: Oh nein! Aber dann hat sie den Pass doch gespielt und ich das Tor gemacht“, so Fowler lachend nach dem Spiel. Vielleicht läuft es ja mit der WM für Australien ganz genauso.