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„Haben ihn unter Druck gesetzt“Experte verteidigt Schiri gegen Bayern-Wut

Schiedsrichter Joao Pinheiro stand beim Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Bayern München und Paris Saint-Germain ungewollt im Mittelpunkt.

Beim bitteren Halbfinal-Aus des FC Bayern gegen Paris Saint-Germain kratzte die Allianz-Arena gefühlt mehrfach an ihrem Lautstärke-Rekord – immer dann, wenn das gesamte Stadion wütend gegen Schiedsrichter Joao Pinheiro (38) protestierte.

Gerade vor der Pause war der Portugiese im mit Spannung erwarteten Spitzenspiel der Champions League einer der Protagonisten, stand bei gleich mehreren Entscheidungen im Mittelpunkt. Gleich mehrfach fühlten sich die Münchner benachteiligt, sahen sich um einen Elfmeter und einen Platzverweis für PSG betrogen.

Bayern-Wut über Schiedsrichter – Rückendeckung aus Frankreich

Für ein Handspiel des PSG-Spielers Joao Neves (21) keinen Elfmeter gegeben zu haben, erwies sich als richtige Entscheidung. Deutlich strittiger war jedoch, dass Verteidiger Nuno Mendes (23) in der ersten Halbzeit keinen Platzverweis kassierte.

„Wenn sie eine gelb-rote Karte kriegen, sieht alles wieder anders aus“, sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl (52). „Und das sind Momente, die leider heute nicht auf unserer Seite waren.“

Konkret ging es um ein klares Handspiel des bereits gelb-verwarnten Mendes in der 29. Minute, als er ein Dribbling des Bayern-Spielers Konrad Laimer (28) stoppte. Referee Pinheiro entschied aber auf Handspiel von Laimer kurz vor jener Aktion.

„Man hat eindeutig gesehen, dass der Ball bei Laimer an den Bauch, an den Oberschenkel, an die Hüfte ging. Dementsprechend hätte es in der Folge eine Gelb-Rote Karte für Mendes geben müssen. Das ist eine klare Fehlentscheidung“, sagte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (57) als Experte des ZDF.

Bayern-Trainer Vincent Kompany (40) sah das genauso: „Ich habe dreimal die Bilder beobachtet. Und ich habe kein einziges Bild gesehen, wo Konrad Laimer den Ball mit der Hand berührt“, sagte der Belgier.

So herrschte auch über das Bayern-Lager hinaus Einigkeit darüber, dass dem unerfahrenen Referee die Begegnung zeitweise über den Kopf gewachsen war. Aus Frankreich gab es nach dem Spiel aber auch Rückendeckung für den Unparteiischen.

Der langjährige Erstliga-Schiri Bruno Derrien (60) widersprach allen Kritikern und befand: „Ich glaube, dass er das Spiel gut im Griff hatte. Es war natürlich nicht einfach, die Bayern haben ihn unter Druck gesetzt, besonders bei der Hand-Szene. Aber er hat es geschafft, die Spielkontrolle zu bewahren.“

Die portugiesische Zeitung „A Bola“ sprach Pinheiro in seiner Heimat zwar nicht eindeutig frei, blickte aber auch nicht allzu kritisch auf die Hand-Szene mit Nuno Mendes. „Die Aktion hat den Auftritt von Pinheiro zu einem der am meisten diskutierten Themen des Spiels gemacht“, lautete die nüchterne Betrachtung. (dpa/bc)

Michael Ballack spricht mit Moderatorin Laura Wontorra.

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