Der FC Bayern kann nach einem Fußballfest für das Viertelfinale planen. Der BVB-Bezwinger Bergamo wurde von den Münchnern schwindelig gespielt.
Sorgen auch um Musiala und Urbig6:1 in Bergamo! Aber Bayern-Star weinend vom Platz
Aktualisiert
Champions-League-Gala des FC Bayern – aber wieder Sorgen um einen Pechvogel. Nach dem 6:1-Erfolg im Achtelfinal-Hinspiel bei Atalanta Bergamo steht der deutsche Rekordmeister mit mehr als anderthalb Beinen im Viertelfinale, droht aber, Alphonso Davies erneut zu verlieren.
Davies verließ bei seiner verletzungsbedingten Auswechslung weinend den Platz. Zu allem Überfluss musste auch Jamal Musiala, der wie Davies zur zweiten Halbzeit gekommen war, in der Schlussphase angeschlagen runter. Beim Gegentor in der Nachspielzeit erwischte es dann auch noch Jonas Urbig, der nach einem Kopftreffer benommen und von Betreuern gestützt in die Kabine schlich. Diese Verletzungen trübten das Fußballfest gehörig.
Olise und Kimmich mit cleveren Gelben Karten
Sportvorstand Max Eberl gab nach dem Abpfiff eine erste Einschätzung. „Bei Davies ist es wahrscheinlich etwas Muskuläres, Jonas ist ein bisschen benebelt, er hat ein bisschen Kopfschmerzen. Bei Jamal war es eher eine Vorsichtsmaßnahme, er hat was am Knöchel gespürt“, berichtete er. „Aber Genaues kann ich nicht sagen.“
Es sei zu hoffen, „dass die Verletzungen von Alphonso und Jamal nicht so schlimm sind“, sagte Kapitän Joshua Kimmich bei Prime Video. „Das hat uns in der vergangenen Saison einiges gekostet. Das darf diese Saison nicht passieren.“
Fürchten müssen die Bayern nach einer eindrucksvollen Vorstellung aber keinen Gegner. Gegen die heißblütigen Italiener behielten die Bayern auch ohne Harry Kane und Manuel Neuer einen kühlen Kopf, sie nutzten Atalantas Schwächen eiskalt und maximal effizient aus. Kane konnte von der Bank aus in aller Ruhe mitansehen, wie Josip Stanisic (12.), der überragende Michael Olise (21.) und Serge Gnabry (25.) früh für klare Verhältnisse sorgten. Kanes Stellvertreter Nicolas Jackson (53.), erneut Olise (64.) und Musiala (67.) legten nach der Pause nach. Kurz vor dem Abpfiff traf Mario Pasalic für Bergamo (90.+3).
Warnungen vor Atalanta hatte es vor dem Spiel zur Genüge gegeben. Vor zwei Jahren hatte „La Dea“ („die Göttin“) im Endspiel der Europa League Bayer Leverkusen die einzige Niederlage der Saison 2023/2024 beigebracht, in den Playoffs war Borussia Dortmund an den Italienern gescheitert - nach einem 2:0 im Hinspiel unterlag der BVB 1:4. Die Bayern? Nahmen die Warnungen ernst – und traten entsprechend entschlossen auf.

Copyright: IMAGO/MIS
Jonas Urbig musste nach einem Zusammenprall mit Mario Pasalic gestützt Richtung Kabine gebracht werden.
Und sie benötigten nicht mal Kane, um Bergamo schon in einer herausragenden ersten Halbzeit mit variablem Spiel zu dominieren. Von Atalantas Mann-gegen-Mann-Pressing ließ sich der deutsche Rekordmeister dabei schon gar nicht aus der Ruhe bringen. Die Münchner bewegten sich hervorragend, ständig beschäftigten sie die Italiener mit ihren Positionswechseln. Und sie nutzten die Schwächen des gegnerischen Systems schonungslos aus.
„Türöffner“ war allerdings ein Eckball, den die Münchner schnell und clever ausführten: Stanisic musste bei seinem ersten Tor in der Champions League gegen die schläfrige Abwehr Bergamos nur den Fuß in einen Pass von Gnabry halten. Letzterer ließ sich im Spielaufbau häufig weit nach hinten fallen, er zog damit den ehemaligen Schalker Sead Kolasinac aus der Abwehr. In diese und andere Lücken stießen die Münchner immer wieder hinein.
Besonders geschickt und wirkungsvoll agierten die Bayern bei den Treffern durch Olise und Gnabry, bei denen die Bergamasken überhaupt keinen Zugriff auf ihre Gegenspieler bekamen. Jackson, der wie am Freitag gegen Gladbach (4:1) Kane vertreten durfte, hätte schon vor der Pause sogar noch weiter erhöhen können. Kompany stand währendessen immer noch sehr aktiv an der Seitenlinie, trieb seine Mannschaft nach vorne.
Die Bayern hielten das Tempo auch nach der Pause zunächst hoch, jetzt mit Musiala für den hervorragenden Gnabry und Alphonso Davies für den gelb-rot-gefährdeten Konrad Laimer. Davies musste freilich wieder verletzt ausgewechselt werden (71.), auch Musiala ging vor Spielende. Erst nach Jacksons Treffer ließen es die Münchner ab und an etwas ruhiger angehen, ohne dabei jedoch die Kontrolle über das Spiel oder die Lust am Toreschießen zu verlieren. Olise und Kimmich holten sich für Spielverzögerungen noch clever Gelbe Karten ab und sind damit fürs Rückspiel gesperrt. (are/sid)

