Zwei Legenden, eine Meinung – und die ist brutal ehrlich. Oliver Kahn und Jens Lehmann nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es um die DFB-Torhüter von morgen geht.
DFB-Legenden schlagen AlarmKahn und Lehmann mit Kritik an Deutschlands Torhütern
Ein echtes Gipfeltreffen der Giganten! Bei der Sendung „Triple – der Hagedorn Fußballtalk“ auf „Sky“ saßen die früheren Konkurrenten Oliver Kahn (57) und Jens Lehmann (56) nebeneinander.
Ihr epischer Kampf um den Platz im Tor vor der Weltmeisterschaft 2006 bleibt unvergessen. Auch diesmal sparten sie nicht mit deutlichen Ansagen, besonders zur Lage der Keeper hierzulande. Im Mittelpunkt der Diskussion, bei der auch Roman Weidenfeller (46) dabei war, stand Jonas Urbig (23).
Kahn skeptisch: Reicht es für Urbig beim FC Bayern?
Der Nachwuchstorwart kam kürzlich unter Bundestrainer Jürgen Klopp (59) zweimal im Nationalteam zum Einsatz, obwohl er beim FC Bayern lediglich Ersatzmann für Manuel Neuer (40) ist. Ein Zustand, der für Lehmann nicht haltbar ist. Er bezeichnet Urbig als „zu unreif“ und betrachtet Neuer nach wie vor als die klare Nummer 1. Neuers Patzer in Augsburg sind für ihn kein Zeichen mangelnder Klasse. Lehmann ist überzeugt, dass Urbig sich bei den Münchnern langfristig nicht durchsetzen wird und für seine Laufbahn im DFB-Team einen Umweg in Kauf nehmen muss. Das berichtet „bild.de“.
Oliver Kahn zeigte sich ebenfalls zweifelnd. Urbig habe zwar starke Partien geliefert und es in die Nationalmannschaft geschafft, aber der „Titan“ wirft die alles entscheidende Frage auf: „Ich kann nicht sagen, ob Urbig die Qualität hat, wirklich die Nummer eins bei Bayern München zu sein.“ Die Tatsache, dass ein Spieler ohne festen Platz im Klub für sein Land aufläuft, nannte er „schon sehr außergewöhnlich“.
Als das Gespräch auf die Zukunft von Manuel Neuer kam, wurde Kahn nachdenklich und erinnerte sich an das Ende seiner eigenen Laufbahn. Er vermied eine direkte Empfehlung, aber seine Aussage war unmissverständlich: „Du ersparst dir bestimmte Situationen“, wenn der Abschied zur richtigen Zeit erfolgt. Er wisse aus persönlicher Erfahrung, dass der Körper im Alter von 36, 37 oder 38 eine längere Erholungszeit benötigt und auch die mentale Kraft irgendwann nicht mehr für konstante Höchstleistungen ausreicht.
Die Beanstandungen der Legenden beschränkten sich aber nicht nur auf einzelne Personen. Roman Weidenfeller hat bereits ein Problem mit dem Ausdruck „Torwart-Spieler“ und stellt die Frage nach dem Nutzen eines mitspielenden Torwarts, der keine Bälle sichert. Lehmann wurde noch deutlicher: Ihm sei kein Schlussmann bekannt, der die Kugel noch richtig fängt – stattdessen werde nur noch geblockt.
Für diese Tendenz machte Lehmann auch die Jugendakademien haftbar. Seiner Meinung nach werden dort die „verrückten“ Charaktere und „schrägen Vögel“ systematisch aussortiert. Seine herausfordernde Frage in Richtung der aktuellen Bundesliga-Coaches, welche Weltklasse-Keeper diese denn geformt hätten, beantwortete er selbst mit einem niederschmetternden: „Keinen.“
Kahn äußerte sich in dieser Angelegenheit etwas zurückhaltender und merkte an, dass Veränderungen bei technischen Aspekten normal seien. Gleichzeitig konstatierte er jedoch, dass nach der Ära von Manuel Neuer eine merkliche Kluft bei den deutschen Schlussleuten entstanden ist. (red)

