Oliver Kahn lobt Manuel Neuer für dessen Reaktion auf den fatalen Patzer im Rückspiel gegen Real Madrid – und stellt dennoch eine Frage in den Raum: Ist jetzt der perfekte Moment zum Abschied?
„Das war’s“Oliver Kahn gibt Bayern-Star seinen Karriere-Rat

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Manuel Neuer erlebte im Champions-League-Rückspiel gegen Real Madrid einen schwierigen Abend. Am Ende durfte der Keeper über den Einzug ins Halbfinale jubeln.
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Erst gefeiert, dann in der Kritik: Manuel Neuer (40) erlebte beim Champions-League-Erfolg gegen Real Madrid einen schwierigen Abend. Beim ersten Gegentor patzte der Bayern-Kapitän fatal – und brachte sich damit in die Schusslinie.
Oliver Kahn (56) meldete sich im Hagedorn-Fußballtalk auf „Sky“ nun mit seiner gesamten Erfahrung zu Wort. Der frühere Nationalkeeper und Ex-Bayern-Vorstandschef lobte den Keeper zunächst ausdrücklich für dessen Reaktion auf den frühen Fehler.
Kahns Rat an Neuer: „Der perfekte Moment, um zu sagen, das war’s“
Kahn: „Sowas ist natürlich der maximale Stress für einen Torhüter. Dann weiterzuspielen, als wäre nichts gewesen, macht den Unterschied zwischen einem Top-Torhüter und einem Torhüter. Und da zeigt sich die Qualität von Manuel. Es ist eine Kunst, sowas abhaken zu können.“
Und dennoch stellte der 56-Jährige eine Frage in den Raum, die nachhallen dürfte. „Ich glaube, wenn ich in seiner Situation war oder wäre, würde ich wahrscheinlich sagen: Mehr geht nicht“, sagte Kahn.
Gemeint ist, dass sich Manuel Neuer die Weltmeisterschaft, für die er nach seiner bravourösen Leistung im Hinspiel von Fans und Experten schon wieder ins Spiel gebracht wurde, nicht unbedingt antun müsse. Überhaupt sei es Zeit, seine außergewöhnliche Karriere womöglich zu beenden.
Kahns Rat an Neuer: „Möglicherweise noch mal die Champions League gewonnen zu haben, Meisterschaft und Pokal – das ist der absolute Höhepunkt und das wäre der perfekte Moment, um zu sagen, das war’s.“
Tage zuvor hatte sich Oliver Kahn schon einmal über die mentale Frage eines weiteren Bayern-Akteurs geäußert – und sich dabei missverstanden gefühlt. „Es lohnt sich, hin und wieder genau zuzuhören“, schrieb der einstige Bayern- und DFB-Kapitän bei X zu einem Ausschnitt aus dem Fußballtalk „Triple“ bei Sky, in dem er sich über einen möglichen WM-Verzicht von Jamal Musiala geäußert hatte.
„Offenbar“, führte Kahn aus, „kann man Aussagen sehr unterschiedlich interpretieren. Hier nochmal die entscheidende Stelle …“ Diese führte für Kahn zu dem Ergebnis: „Wenn Jamal Musiala bereit ist, gehört er auf die große WM-Bühne.“
Ob das möglich sein wird, hatte Kahn in der Sendung angesichts der schweren Verletzung Musialas aus dem vergangenen Sommer infrage gestellt. „Die Frage ist ja auch (…), was macht der Kopf“, sagte er, „bist du bereit, mit 100 Prozent in die Zweikämpfe reinzugehen.“ Sollte dies nicht der Fall sein, könnte es womöglich „sinnvoller“ sein, „nicht zur WM mitzugehen“. Aber, betonte Kahn: „Da sind die Spielertypen sehr unterschiedlich.“ (oke/sid)
