Verpasst Bayer seine Ziele?RTL-Experte Helmes: „Da fehlt einfach ein Herz“

Fußballexperte und Ex-Profi Patrick Helmes am RTL-Mikrofon

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Fußballexperte und Ex-Profi Patrick Helmes begleitet die Europa League auf RTL. Den Start macht der 42-Jährige am Mittwoch in der Bay-Arena.

Patrick Helmes traut Bayer in der Europa League deutlich mehr zu als in der Bundesliga. Der RTL-Experte spricht über fehlende Führung, die Chancen der Werkself und seine besonderen Europapokal-Erinnerungen.

Am Mittwoch (16. September/2026) steigt für Bayer 04 Leverkusen der Auftakt in die Europa League gegen den slowenischen Meister NK Celje. Gut für alle Fans: Die Partie in der Bay-Arena wird im Free-TV (ab 21 Uhr) auf RTL übertragen.

Als Fußballexperte wird Ex-Nationalspieler Patrick Helmes die Übertragung auf RTL+ begleiten, der während seiner Fußballkarriere neben dem 1. FC Köln und dem VfL Wolfsburg auch für Bayer Leverkusen auf Torejagd ging. Im Interview mit EXPRESS.de erklärt der Ex-Profi, wo es im Bayer-Kader noch hakt, und gibt seine Saison-Prognose ab.

Patrick Helmes über Bayer 04: „Wird in der Europa League besser laufen als in der Bundesliga“

Bayer Leverkusen ist eher mittelmäßig in die Bundesliga gestartet. Wie bewertest du die Mannschaft unter dem neuen Trainer Carles Martínez?

Patrick Helmes: Leverkusen ist okay gestartet. Unentschieden, Sieg, Niederlage – das ist Durchschnitt. Sie haben mit Sicherheit eine entwicklungsstarke Mannschaft, aber sie haben nicht mehr wie vor zwei oder drei Jahren diese absolute Weltklasse in ihren Reihen: wie ein Xhaka, wie ein Tah, wie ein Wirtz. Diese Personalien haben sie bis heute nicht geschafft, zu ersetzen. Dazu noch die Verluste mit Frimpong oder Grimaldo auf den Flügeln, hier sehe ich mit Gutierrez zumindest eine direkte Alternative. Sie wollen Fußball spielen, ja, aber es fehlt auf dem Platz immer noch die Antwort auf diese Frage: Wer führt die Mannschaft, wer ist der Taktgeber? Tapsoba ist der neue Kapitän, ist aber eigentlich mehr so der Typ für die Kabine, nicht der Lautsprecher draußen. Robert Andrich, der eigentliche Kapitän, wurde so ein bisschen intern abgesägt. Also auch nicht toll für den neuen Trainer, wie das gelaufen ist.

Wo drückt der Schuh bei der Werkself am stärksten?

Ich glaube, dass die Mannschaft Potenzial hat. Ich glaube aber trotzdem, dass du mit dem defensiven Mittelfeld – mit Fernandez und García, wie es gerade ist – nicht die ganz großen Ziele erreichen kannst. Da fehlt einfach ein Herz in der Mitte, das auch mal im richtigen Moment dazwischenhaut, das den Laden nach vorne und nach hinten schiebt, das mit den Mitspielern kommuniziert. Palacios hätte diese Mentalität gehabt, aber den hat man verkauft.

Wäre Robert Andrich einer, der in diese Rolle zurückkehren könnte?

Andrich würde ich nicht ausschließen. Er hat sich entschieden, eben nicht zu wechseln. Mit Sicherheit hätte er auch etwas tun können, um noch schnell einen Wechsel zu forcieren. Aber er ist hier bei Bayer Leverkusen zu einem richtigen Player geworden, zu einer Wichtigkeit. Und auch er muss sich vielleicht wieder ein bisschen mehr auf das besinnen, was ihn am Anfang stark gemacht hat. Dann kann Robert Andrich auch wieder eine wichtige Rolle einnehmen, denn den Typen Andrich, den Arbeiter, als der er seinerzeit nach Leverkusen gekommen ist, den kann diese Truppe sehr gebrauchen.

Was ist für Leverkusen in der Europa League drin?

Wenn du Leverkusen kennst, dann weißt du ja, dass du auch in der Bundesliga die Champions League erreichen musst. Das ist bei Bayer jedes Jahr das große Ziel. Sie haben jetzt schon schlucken müssen und spielen Europa League. Gleichzeitig ist die Europa League für Leverkusen eine riesige Chance wie unter Xabi Alonso vor drei Jahren: Als er kam, war es auch erstmal ein Europa-League-Jahr. Da ging es bis ins Halbfinale gegen die Roma, und da hat man total viel Selbstvertrauen in dem Jahr gesammelt. Man ist als Mannschaft gewachsen, und das kann bei Leverkusen dieses Jahr wieder passieren. Wenn sie eine Struktur auf den Platz und einen Teamspirit bekommen, dann haben sie eine große Chance, weit zu kommen. Leverkusen gehört sicher zu den acht Mannschaften, die im Viertelfinale dabei sein müssen, und das traue ich Leverkusen natürlich zu, auch wenn Mannschaften wie Juventus Turin, AC Mailand oder Benfica Lissabon dabei sind.

Du hast damals selbst mit Bayer 04 Leverkusen in der Europa League gespielt. Woran erinnerst du dich gerne zurück?

Ich rede heute noch sehr gerne davon. Damals gab es noch ein Quali-Spiel, unser erstes Heimspiel gegen Rosenborg Trondheim zu Hause. Da habe ich direkt meinen ersten Dreierpack  gemacht. Das vergisst du natürlich nicht.

Patrick Helmes jubelt im Spiel gegen Rosenborg Trondheim für Bayer 04 Leverkusen in der Europa League.

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Patrick Helmes jubelt im Spiel gegen Rosenborg Trondheim für Bayer 04 Leverkusen in der Europa League. Am 16. September 2010 gelang dem früheren Bundesliga-Star ein Dreierpack.

Eines meiner prägendsten Spiele war aber das Spiel in Saloniki. Ich dachte damals: Cool, anderes Land, in Griechenland war ich noch nicht. Ich wusste nicht, was mich dort erwartet. Das Stadion ist mitten in der Stadt. Und damals waren da wirklich 25.000 Fans und nur Männer, die schon 90 Minuten vor dem Start eine unfassbare Stimmung gemacht haben. Dieser Kessel war granatenvoll. Das war eine Stimmung über 90 Minuten, bei der ich wirklich heute sage: Das war das krasseste Stimmungsspiel, das ich je in meinem Leben erlebt habe.

Wie lautet deine Saison-Prognose für Bayer 04?

Ich glaube, dass es für Bayer in der Europa League besser läuft als in der Bundesliga. Wir sehen die Bundesliga ja gerade: Mannschaften wie Freiburg und Augsburg auf einmal, wie die mit so einer gefestigten Mannschaft funktionieren. Das ist ein Riesenunterschied zu Leverkusen. Parallel dann Leipzig, obwohl die auch nicht so geradlinig unterwegs sind, wie man sich das nach Werner (Ex-RB-Trainer Ole Werner, Anm. d. Red.) dort erhofft hat. Nun haben die auch schon eine Woche des Vergessens hinter sich mit Niederlagen in Bremen und Como. Dann Dortmund – also, das gibt schon ein Hauen und Stechen um die Champions-League-Plätze. Deshalb ist meine Vermutung, dass es für Leverkusen wieder der ungemütliche Europapokalplatz wird.

Toni Kroos mit Mikrofon
„Wirkt alles komisch“
Toni Kroos mit düsterer Prognose für Leverkusen