Der 1. FC Köln ist durchwachsen in die Saison gestartet. Vor allem das 1:1 gegen Bremen tat weh, denn es war deutlich mehr drin. Für Trainer René Wagner waren es die ersten Spiele als Chef. Sein Start hinterlässt einige Fragezeichen – ein Kommentar.
FC-KommentarWagner-Start mit Fragezeichen – Satz macht Sorgen

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Drei Bundesligaspiele und von allem was dabei: ein Sieg, eine Niederlage und ein Unentschieden. So steht der 1. FC Köln aktuell mit vier Punkten auf Rang zwölf der Tabelle. Noch liegen Top-Teams wie Stuttgart oder Hoffenheim hinter dem FC, doch das dürfte sich bald ändern.
Auffällig bei allen drei Spielen: Die Kölner konnten nur phasenweise überzeugen. Gegen Hoffenheim und Stuttgart waren die ersten Halbzeiten schwach, gegen Bremen war es der zweite Abschnitt, der den Sieg kostete.
Überfrachtet Wagner die Spieler mit zu viel Fußballinformation?
Für Trainer René Wagner (38) waren es die ersten drei Bundesligaspiele als Cheftrainer. Saisonübergreifend liegt seine Bilanz nach zehn Spielen bei nur zwei Siegen, vier Unentschieden und vier Niederlagen. Macht einen Schnitt von einem Punkt pro Spiel.
Die Aufgabe als Interimstrainer hat Wagner in der Vorsaison erfüllt: In sieben Spielen konnte er den Klassenerhalt perfekt machen. Nach dem Start in die neue Saison – und vor allem nach dem 1:1 gegen Bremen – gibt es allerdings viele Fragezeichen. Für welchen Fußball steht Wagner? Was genau ist der FC‑Plan? Macht er einzelne Spieler besser? Setzt er die individuellen Stärken der Profis richtig ein? Und wie schnell lernt er mit seiner Mannschaft?
Beim 3:2-Auftaktsieg gegen Hoffenheim hat Wagner in der Halbzeitpause die richtigen Schlüsse gezogen und mit einem Dreierwechsel für drei Punkte gesorgt. Hoffenheim trat allerdings auch ohne seine besten Spieler in der Offensive an.
Das Ingame-Coaching (Taktikänderung oder Umstellungen während der Partie, um auf den Gegner zu reagieren) funktionierte gegen Stuttgart dann gar nicht. In der ersten Halbzeit wurde der FC im Zentrum mit Paul Okon-Engstler und Tom Krauß regelrecht überrollt. Der VfB hätte da schon drei bis vier Tore machen können. Eine frühzeitige Anpassung des FC-Spiels gab es nicht.
Und gegen Bremen startete Köln gut, verlor nach dem frühen 1:0 allerdings zunehmend den Faden. Nach der Pause spielte der FC sogar teilweise mit einer Fünferkette (Castro-Montes, Simpson-Pusey, Lochoshvili, Mensah und Bülter). Im Bremer Ballbesitz rückten die Außenspieler in die letzte Reihe, so ließ sich der FC immer weiter einschnüren. Entlastung gab es kaum, man bettelte regelrecht um den Ausgleich. Und der fiel dann auch.
Ein Satz von Linton Maina macht große Sorgen: „Die Sachen, die nicht gut waren, waren kommunikativ, dass keiner so richtig wusste, was jetzt zu tun ist.“ Egal, wie man diesen Satz interpretiert, die Alarmglocken dürften bei allen im Verein schrillen. Wussten die Trainer nicht, was zu tun ist, oder die Spieler? Haben die Spieler nicht gut kommuniziert oder die Trainer? Alles zusammen wäre eine Katastrophe nach wochenlanger Vorbereitung.
Hier kannst du die FC-Spieler nach dem 1:1 gegen Bremen benoten:
Bewertet hier die FC-Profis für das Remis gegen Bremen
Eure Noten für die FC-Profis im Spiel des 3. Bundesliga-Spieltags gegen Werder Bremen
Marvin Schwäbe
Die Hoffnung ist allerdings, dass der Zustand der Ratlosigkeit nur punktuell auftritt. Heißt: Nach drei Spielen ist es vollkommen normal, dass nicht alle Räder perfekt ineinander laufen. Jetzt müssen Trainer und Mannschaft allerdings schleunigst lernen, denn weitere Punktverluste in Spielen wie gegen Bremen darf man sich nicht erlauben. Sonst rutscht man schnell ans Tabellenende. Die Konkurrenz aus Paderborn, Schalke oder Elversberg sammelt jedenfalls auch fleißig Zähler für Zähler.
Trainer Wagner hat in seiner Karriere bislang vorwiegend als Co-Trainer gearbeitet. Oft ist man in dieser Rolle für Teilbereiche zuständig. Jetzt muss er den Fokus auf das große Ganze richten und die richtigen Schlüsse ziehen. Schon während der Spiele erhält er ausgiebige Daten und Videoanalysen. Die Frage ist, wie man diese vernünftig deutet und dann reagiert. Auch das ist ein Lernprozess. In diesem Punkt fehlt Wagner definitiv die Erfahrung.
Hinzu kommen Fragen zu personellen Entscheidungen: Warum spielt Marius Bülter gegen Bremen durch? Warum stehen Said El Mala und Mikey Moore nicht gemeinsam auf dem Platz? Warum fliegt Rav van den Berg aus dem Kader? Oder warum steht gegen Werder ein spielstarker Joker wie Luca Waldschmidt nicht auf dem Spielberichtsbogen? Natürlich hat jedes Trainerteam eigene Gedanken und Pläne. Mal gehen sie auf, mal nicht – wie gegen Bremen.
Nach drei Spielen bleibt allerdings das Gefühl, dass Wagner Fußball manchmal zu verkopft angeht. Mit geballtem Fachwissen werden die Spieler überfrachtet. Hier noch eine Finesse, da noch eine mögliche Lösung oder ein Kniff. Bisher ist mehr Verwirrung als Klarheit auf dem Platz zu sehen.
Die einzelnen Stärken der Spieler werden kaum in Szene gesetzt. Beispiel Thijs Dallinga. Der muss im Strafraum Bälle bekommen, nicht hohe Anspiele an der Mittellinie, mit denen er nichts anfangen kann. Der FC muss schnellstens zu einem klaren und einfachen Fußball finden.
Was wirklich Mut macht, ist die individuelle Klasse und der Zusammenhalt. Der FC hat zahlreiche Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Vorne mit El Mala, Moore, Dallinga oder Maina. Im Zentrum überzeugt Tom Krauß immer mehr mit Einsatz und Leidenschaft, Ellyes Skhiri kann dem Spiel als Taktgeber guttun. Hinten sorgt Simpson-Pusey für Stabilität und Torhüter Marvin Schwäbe ist eine Wand.
Die ganzen Fragezeichen MÜSSEN jetzt intern ganz schnell bearbeitet und am besten beantwortet werden. Einen solch guten Kader gab es beim FC lange nicht. Wagner und sein Trainerteam haben ein überaus talentiertes Orchester vor sich. Jetzt müssen sie nur dafür sorgen, dass die richtigen Töne getroffen werden. Am besten schon in den kommenden Spielen beim Hamburger SV (Samstag, 19. September 2026) und im Heimderby gegen Mönchengladbach (11. Oktober).


