Der 1. FC Köln bereitet sich in Österreich auf die neue Saison vor. Ein Profi will zeigen, wozu er fähig ist. Verteidiger Rav van den Berg geht nach einer bescheidenen Spielzeit in sein zweites Jahr beim FC. Das Interview mit dem Niederländer.
„Ist das Herz des Fußballs“Verkorkstes erstes Jahr: Van den Berg greift an

Dieser Zugang ließ im Sommer 2025 viele Fans staunen! Der 1. FC Köln verpflichtete den Niederländer Rav van den Berg (22) vom FC Middlesbrough für über acht Millionen Euro. Der Innenverteidiger galt als Königstransfer für die Verteidigung.
Doch van den Berg erlebte kein überragendes erstes Jahr am Geißbockheim. Am Ende der Saison standen nur 14 Einsätze in der Bundesliga in den Statistiken. Im Trainingslager in Kitzbühel und St. Johann in Tirol greift der talentierte Niederländer jetzt wieder voll an. Im Interview mit EXPRESS.de spricht er über seine Erwartungen, die interne Konkurrenz und die Hoffnung, irgendwann mal mit seinem Bruder gemeinsam zu spielen.
Kölns Rav van den Berg telefoniert fast täglich mit seinem Bruder Sepp
Rav, hier in Österreich sind auch immer viele Niederländer im Urlaub. Warst du mit deiner Familie auch früher in den Bergen?
Rav van den Berg: Ja, wir waren einige Male in Österreich. Aber nur zum Skifahren im Winter, im Sommer sind wir meistens ans Meer gefahren. Als Fußballer darf ich leider nicht mehr Skifahren, das Verletzungsrisiko ist zu groß.
Dein Bruder heißt Sepp – eine Abkürzung von Josef im bayerischen und österreichischen Raum. Haben deine Eltern den bewusst gewählt, weil sie Fans der Region sind?
Rav lacht: Nein, das glaube ich nicht (lacht). Sepp ist zwar kein häufiger Name in den Niederlanden, aber es gibt schon einige, die so heißen.
Dein Bruder ist auch Fußballer, er spielt aktuell beim FC Brentford in der Premier League. Habt ihr ein gutes Verhältnis und habt ihr früher auch mal zusammen gespielt in Zwolle?
Rav: Als ich in Zwolle mit Fußball angefangen habe, hat er den Klub verlassen. Deshalb haben wir damals nicht zusammengespielt. Aber wir haben ein sehr gutes Verhältnis und telefonieren eigentlich jeden Tag miteinander. Da geht es nicht nur um Fußball, sondern um alles im Leben. Weil wir als Fußballer nahezu das gleiche Leben führen, haben wir viele Gesprächsthemen.
Ist es ein Traum von euch, mal bei einem Klub zusammenzuspielen? Er ist 24, du 22 Jahre alt…
Rav: Ja, aber ich denke, dass es sehr schwierig wird. Wir spielen beide auf der gleichen Position. Wenn einer von uns Stürmer wäre, wäre es natürlich realistischer. Dass ein Verein zwei Brüder für die gleiche Position verpflichtet, glaube ich eher nicht. Aber vielleicht klappt es ja mal für unser Land. (lacht)

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Verteidiger Rav van den Berg am 25. Juli 2026 im FC-Trainingslager im Interview mit EXPRESS.de-Reporter Uwe Bödeker
Du bist in Zwolle geboren, nicht weit vom Meer groß geworden. Warst du oft am Strand?
Rav: Ja, wir sind oft nach Noordwijk gefahren. Das war immer sehr chillig.
Hast du denn immer Fußball gespielt oder auch mal andere Sportarten ausprobiert? In den Niederlanden sind Radsport und Eisschnelllaufen ja auch sehr populär.
Rav: Für meinen Bruder und mich gab es immer nur Fußball. Aber meine Familie ist sehr sportlich. Meine Schwester Sari ist 26 Jahre alt und sie hat in der höchsten Klasse Feldhockey gespielt. Mein Vater war Tennisspieler und meine Mutter hat Volleyball gespielt.
Van den Berg über vergangene Saison: „Das war schon schwierig“
Wenn du auf die letzte Saison in Köln zurückblickst, was geht dir da durch den Kopf?
Rav: Natürlich bin ich nicht zufrieden, wenn ich an die abgelaufene Saison denke. Ich bin ganz gut gestartet, aber dann kam die schwere Schulterverletzung. Danach kam ich nicht mehr so richtig in den Rhythmus…
Siehst du das jetzt wie einen Neustart?
Rav: Nicht wie einen Neustart. Ich denke eher, dass die Voraussetzungen andere sind. Im vergangenen Sommer bin ich erst eine Woche vor dem Saisonstart nach Köln gewechselt. Das war schon schwierig. Jetzt bin ich von Beginn an beim FC dabei und hoffe, dass ich dem Team helfen kann. Dafür will ich hart arbeiten.
Wie erlebst du denn die ersten Tage mit der Mannschaft und dem neuen Trainer René Wagner? Herrscht ein neuer Spirit?
Rav: Es ist vielleicht kein neuer Spirit, denn René Wagner war letzte Saison ja auch schon Cheftrainer. Aber was ich spüre, ist eine gute Mentalität auf dem Platz. Das ist für mich das Herz des Fußballs. Und dabei haben alle Spaß und genießen es. Dieser Mix macht es aus. Trotzdem ist eins klar: Wir müssen Spiele gewinnen.
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Wen wünschst du dir beim FC als Abwehr-Stammkraft?
Magst du die Phase, wo sich ein Team neu zusammenfindet, wenn neue Spieler dazukommen und es einen Umbruch gibt?
Rav: Die Jungs, die jetzt dazugekommen sind, sind alle sehr cool. Und natürlich haben auch ein paar Spieler den Klub verlassen, aber das gehört zum Fußball dazu. Es fühlt sich also für mich nicht an wie ein großer Umbruch.
Aktuell gibt es mit Simpson-Pusey, Schmied, Lochoshvili, Pauli, Bakatukanda, Hübers und dir sieben Innenverteidiger im Kader. Die Konkurrenz ist also groß, motiviert dich das?
Rav: Natürlich ist das motivierend. Aber die letzte Saison hat auch gezeigt, dass es schnell gehen kann. Wir hatten mit Verletzungen zu kämpfen, auch auf der Innenverteidigerposition. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass der Verein für Konkurrenz sorgt. Für mich ist es egal, wie viele wir sind. Ich werde mein Bestes geben, und dann wird sich zeigen, wer spielt.
Wie flexibel bist du eigentlich in der Abwehr? Würde es dir etwas ausmachen, als Rechtsverteidiger eingesetzt zu werden?
Rav: Das habe ich ein paar Mal in England beim FC Middlesbrough gespielt. Aber sagen wir so, es ist nicht meine Lieblingsposition. (lacht)
Was glaubst du, ist der Plan? Wie sieht eure Taktik aus? Viererkette oder Fünfer- beziehungsweise Dreierkette? In der vergangenen Saison war der FC sehr flexibel, hat alles gespielt.
Rav: Ehrlich gesagt, das ist eine Frage für den Trainer. Es wird mit Sicherheit auch davon abhängen, welcher Gegner auf uns zukommt. In den bisherigen Testspielen haben wir mit Viererkette gespielt – und uns dementsprechend darauf vorbereitet.
Und was glaubst du, ist in der neuen Spielzeit drin für euch?
Rav: In der vergangenen Saison lag der komplette Fokus darauf, in der Liga zu bleiben. Jetzt ist es zwar auch das Hauptziel, aber wir wollen den nächsten Schritt machen. Ich hoffe, dass wir konstanter sind und am Ende mehr Punkte holen. Ich finde, dass wir in den letzten sechs Spielen teilweise schon deutlich mehr Qualität auf den Platz gebracht haben. Darauf wollen wir aufbauen.
In den Niederlanden wird gerade ein neuer Bondscoach gesucht. Du hast alle U-Nationalmannschaften durchlaufen. Könnte das auch eine Chance für dich sein? In der Abwehr steht vielleicht ein Umbruch an, denn Virgil van Dijk ist schon 35 Jahre alt, Nathan Aké ist 31.
Rav: Vielleicht habe ich eine Chance in der Zukunft. Momentan ist unsere Verteidigung so stark, dass man in einem absoluten Topklub spielen muss.
Aber wenn du in Köln durchstartest, hast du die Europameisterschaft 2028 im Hinterkopf?
Rav: Das ist doch immer ein Traum, aber ich denke da nicht viel drüber nach. Ich fokussiere mich erst einmal auf die kommende Saison, damit diese besser wird als die letzte. Und ich will unbedingt fit und gesund bleiben. Das ist mein Hauptziel.
Was vermisst du eigentlich am meisten aus den Niederlanden?
Rav: Als ich in England gelebt habe, waren die Unterschiede größer, als sie jetzt zu Deutschland sind. In Köln vermisse ich eigentlich nur ein paar Kleinigkeiten aus den Supermärkten zu Hause, wie zum Beispiel eine spezielle Limonade, die für mich Heimat bedeutet.
Was magst du am liebsten an Köln?
Rav: Die Stadt mag ich unheimlich gerne. Man kann an schönen Orten rumlaufen, findet gute Cafés und am Rhein ist es sehr schön.


