Thomas Kesler lobt FC-Trainer René Wagner. Von einem Rucksack will der FC-Sportboss nichts wissen.
„Ich sehe den Rucksack nicht“Kontroverse Trainerdebatte – Jakobs widerspricht Kessler

Bei „E Levve lang – der Talk zum FC“ von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger stand FC-Boss Thomas Kessler den Journalisten und Fans im Audi-Zentrum Fleischhauer Köln-Mitte Rede und Antwort. Bei einem Thema war Kessler allerdings komplett anderer Meinung als Jörg Jakobs.
Über eine Personalie wurde dabei intensiv diskutiert: Trainer René Wagner. Auch einige Zuschauer, die beim Talk ihre Fragen einreichen durften, erkundigten sich bei Thomas Kessler nach dessen Entscheidung, nach der nicht gerade positiven Schlussphase der vergangenen Saison weiter auf Wagner zu setzen.
„Habe es noch nicht ein einziges Mal geschafft, früher da zu sein als René Wagner“
Der Sport-Geschäftsführer stellte klar, dass es im Sommer nicht um ein Weitermachen gegangen sei, sondern um einen Neuanfang. Bei den Gesprächen habe Wagner ein „sehr klares Konzept“ vorgelegt, so Kessler.
Der Trainer spiele unter anderem eine entscheidende Rolle, um gerade junge Spieler von einem Wechsel zu überzeugen. „Warum kommen Spieler wie Mikey Moore oder Reigan Heskey zum 1. FC Köln?“, fragte Kessler, um die Antwort direkt selbst zu geben. Sicherlich nicht aufgrund der historischen Erfolge des Klubs, die schon lange zurückliegen. „Die gucken auf diesen Klub und sagen: Was kann mir dieser Klub geben, damit ich mich persönlich weiterentwickeln kann?“
Dazu müsse man ihnen einen klaren Plan aufzeigen – mit dem Trainer. Wagner habe zwar noch nicht die große Erfahrung als Cheftrainer, sehr wohl aber die Expertise, den Fleiß und die Akribie, um mit der Mannschaft zu arbeiten, betonte Kessler.
Der FC brauche einen Coach, „für den das verdammt noch mal jeden Tag, genauso wie für mich, ein absolutes Privileg ist, zum Geißbockheim reinzukommen und für diesen Klub zu arbeiten.“ Genau dieser Mann sei Wagner, berichtete Kessler. „Ich habe es noch nicht ein einziges Mal geschafft, früher da zu sein als René Wagner. Der ist teilweise morgens um fünf in seinem Büro und macht sich ganz intensiv Gedanken über individuelle Profile von Spielern, wie man sie weiterbringen kann, wie könnte der Matchplan sein“, betonte Kessler: „Und er hat sehr, sehr klar aufgezeigt, wie er den Fußball beim FC sehen will, wie er diese Mannschaft weiterbringen will und wie er den FC Stück für Stück nach vorne bringt.“
Dass Wagner nach dem schwachen Saisonabschluss (Punkteschnitt 0,86) als Interimslösung bereits mit einem Rucksack in die neue Spielzeit gegangen sei, empfindet Kessler nicht so. „Am Ende hat er in einer schwierigen Situation diese Mannschaft übernommen. Und auch wenn wir nicht auf einem Abstiegsplatz standen, waren wir in einem extremen Negativstrudel – ich habe es im Innenleben mitbekommen“, erklärte der frühere Torwart. Wagner habe es dann geschafft, „in relativ kurzer Zeit die Mannschaft zumindest mal so zu stabilisieren, dass wir die nötigen Punkte geholt haben, um die Klasse zu halten. Und das war der Auftrag. Nicht mehr, nicht weniger“, so der FC-Sportboss: „Ich sehe den Rucksack nicht.“
Der frühere FC-Sportdirektor Jörg Jakobs empfindet das anders. Der Rucksack sei durchaus da, meint er. Das habe er auch in der ersten Halbzeit beim Spiel gegen Hoffenheim im Stadion gespürt. Es sei jedoch völlig richtig, dass Kessler sich davon nicht habe beeinflussen lassen. „Wenn er der Überzeugung ist, dass René Wagner der richtige Trainer ist, aber wegen des öffentlichen Gefühls, das in Köln noch mal größer und spürbarer ist als an anderen Standorten, einen Rückzieher machen würde, dann hätte man ein viel größeres Problem“, sagte Jakobs.
Auch Kessler betonte: „Ich kann mich nicht von Emotionen leiten lassen nach einzelnen Spielen und von Rucksäcken, die Leuten aufgesetzt werden, sondern ich kann das bewerten, was ich in der täglichen Arbeit sehe. Und das hat mich dazu gebracht, zu sagen, es ist eine gute Idee, ihn zum Cheftrainer zu machen.“

