Am Samstag sorgte Kölns Stadionsprecher Michael Trippel für erstaunte Gesichter, aber auch für einige Lacher. Das Thema ist aber ernst für den FC. Gibt es nun Konsequenzen?
DFB-Rüge: „Inakzeptabel“Droht Strafe? Trippel erklärt seine Wut-Durchsagen
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Was darf ein Stadionsprecher sagen und was nicht? Am Samstag (7. März 2025) war Michael Trippel beim 1:2 gegen Dortmund derart wütend, dass er via Stadionmikrofon über den VAR pestete.
„Pfui! Widerlich!“ rief der Kölner Stadionsprecher, als Schiedsrichter Daniel Siebert nach dem Eingriff von VAR Benjamin Cortus die Gelbe Karte gegen eine Rote Karte für Jahmai Simpson-Pusey tauschte.
Thomas Kessler kündigt Gespräch mit Michael Trippel an
Und nach dem nicht geahndeten Handspiel von Yan Couto (90.+5) tobte Trippel und schimpfte: „Ich werde Ärger kriegen, aber ich sage es: In der Nachspielzeit gab es ein klares Handspiel eines Dortmunders und das guckt sich noch nicht mal einer an.“
Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler rügte Trippel nach dem Spiel und kündigte ein ernstes Gespräch an: „Das hat mir nicht gefallen. Bei aller Emotionalität, die darf Trippel auch haben, aber es ist nicht richtig, wenn ein Stadionsprecher übers Mikrofon seine Emotionen kundtut. Da werden wir drüber sprechen, denn das gefällt mir nicht.“
EXPRESS.de erreichte Trippel am Sonntag, er sagte: „Es kam aus der Emotion heraus. Mit einer Nacht drüber schlafen möchte ich mich entschuldigen. Ich wollte mit den Aussagen niemanden verletzen. Aber meine Kritik am VAR bleibt.“
Droht Trippel jetzt eine Geldstrafe vom DFB? Im Handbuch für Stadionsprecher heißt es: „Eine konfrontative Kommunikation durch den Stadionsprecher, die dazu geeignet ist, verbale und tätliche Auseinandersetzungen zwischen Heim- und Gastfans zu provozieren oder zu verstärken, sollte in jedem Fall unterbleiben. Ein respektvoller Umgang mit Spielern, Offiziellen und Anhängern des Gastvereins während der gesamten Veranstaltung ist eine grundsätzliche Anforderung.“

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FC-Stadionsprecher Michael Trippel ärgerte sich über die Umstände der FC-Niederlage gegen den BVB.
Trippel sagt: „Es wird ein Gespräch geben, wobei ich bestimmt ermahnt werde. Eine Strafe musste der FC wegen mir jedenfalls noch nicht bezahlen.“
Die sportliche Leitung der DFB-Schiedsrichter, die zuvor schon einen VAR-Fehler bei der Hand-Szene einräumte, teilte auf Anfrage von EXPRESS.de mit: „Wir missbilligen die Äußerungen des Stadionsprechers des 1. FC Köln entschieden und halten sie für inakzeptabel. Unabhängig davon, ob eine Entscheidung des Schiedsrichters richtig, strittig oder falsch ist, kann und darf es nicht sein, dass ein Stadionsprecher sie negativ kommentiert und das Publikum so gegen den Unparteiischen aufbringt. Bei allem Verständnis für Emotionalität wurde hier eindeutig eine Grenze überschritten. Wir begrüßen es, dass der 1. FC Köln in Person seines Geschäftsführers Sport, Thomas Kessler, dazu deutliche Worte gefunden hat.“
Ob es eine Anhörung oder ein Verfahren gibt, wird jetzt der Kontrollausschuss des DFB entscheiden. Trippel, seit 62 Jahren FC-Fan und seit 42 Jahren im Verein aktiv, wird von vielen Fans wegen seiner emotionalen Art geliebt. 2002 spielte er sogar mal einen Karnevals-Tusch im Stadion, als Matthias Scherz beim 7:0 in der 2. Liga gegen Union Berlin traf.
Danach gab es ein ernstes Gespräch mit dem damaligen Manager Andreas Rettig, heute Geschäftsführer beim DFB. Trippel erinnert sich: „Herr Rettig entschuldigte sich nach dem Spiel bei den Berlinern in der Kabine, dabei hatten sie den Tusch gar nicht mitbekommen. Dann sagte er zu mir, dass es unter seiner Amtszeit beim FC nie wieder einen Tusch geben würde. Ich versuchte ihm, weil er aus Leverkusen kam, zu erklären, dass ein Tusch in Köln eine hohe Anerkennung sei.“
Einen weiteren Tusch sollte es trotzdem nicht mehr geben. Und ob Trippel irgendwann einen Tusch für den VAR spielt, ist auch eher unwahrscheinlich.


