Abo

Interview

Erstes Interview als FC-BossKessler erklärt Transfer-Plan: „Ist unser Anspruch“

Thomas Kessler beim Youth-League-Spiel gegen Inter.

Thomas Kessler ist seit dem 22. Januar 2026 offiziell Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln. 

Thomas Kessler leitet seit ein paar Wochen als Sport-Geschäftsführer die Geschicke beim 1. FC Köln. Nach seiner Beförderung spricht der neue Boss über seine Aufgaben und die Verantwortung für den Klub.

Er trägt die FC-DNA in sich wie kaum ein anderer im Verein. Mit 13 Jahren kam Thomas Kessler zum ersten Probetraining am Geißbockheim, wurde Profi und startete anschließend eine Karriere auf der Geschäftsstelle. 27 Jahre nach der ersten Einheit als Torwart ist er nun ganz oben angekommen.

Seit dem 22. Januar 2026 fungiert „Kess“ als Sport-Geschäftsführer bei seinem Herzens- und Heimatverein. Ein im deutschen Profi-Fußball einmaliger Weg. Nach intensiven Wochen im Winter-Transferfenster traf EXPRESS.de Kessler zu seinem ersten Interview als FC-Boss. Im ersten Teil spricht er über die beiden Neuzugänge, die Zukunft von El Mala und den eingeleiteten Umbruch in der Mannschaft.

Kessler: „Im Winter gezielt neue Impulse gesetzt“

Thomas Kessler, wie intensiv waren die letzten Wochen für Sie?

Thomas Kessler: Die letzten Wochen waren sehr intensiv. Wir haben viel gearbeitet und uns sehr detailliert mit dem Markt auseinandergesetzt. Nach dem Spiel gegen Union Berlin haben wir uns bewusst Zeit genommen, die vergangenen Wochen und Monate noch einmal genau einzuordnen und daraus unsere Zielsetzung für diese Transferperiode abzuleiten. Grundsätzlich hatten wir großes Vertrauen in den Kader. Gleichzeitig war uns wichtig, im Winter gezielt neue Impulse zu setzen. Das haben wir mit Jahmai Simpson-Pusey und Felipe Chavez getan.

Wie war die Dynamik am letzten Transfertag?

Kessler: Wir hatten unterschiedliche Szenarien vorbereitet, damit wir im richtigen Moment handlungsfähig sind. Bis dahin führst du viele Gespräche, sammelst Informationen und bewertest immer wieder neu, was tatsächlich möglich ist. Gerade im Winter ist der Markt oft sehr eng, weil viele Mannschaften ihre Spieler ungern abgeben. Parallel haben wir genau geschaut, wie sich die Mannschaft in der Vorbereitung und in den ersten Spielen des Jahres präsentiert. Daraus ist die Entscheidung entstanden, dass wir in der Defensive und im Mittelfeld noch etwas ergänzen wollen. Uns war wichtig, Spieler dazuzunehmen, die eine hohe fußballerische Qualität mitbringen und gleichzeitig entwicklungsfähig sind. Bei Felipe und Jahmai schauen wir uns das jetzt bis zum Sommer an und sind überzeugt, dass beide die Grundqualität haben, unseren Kader zu verbessern.

Was versprechen Sie sich von Felipe Chavez?

Kessler: Er soll den Konkurrenzkampf in der Zentrale erhöhen und uns insgesamt variabler machen. Wir wollten ein Profil ergänzen, das dem Trainer zusätzliche Möglichkeiten gibt. Felipe hat einen sehr guten linken Fuß, bringt für sein Alter eine gute Ruhe am Ball mit. Das hilft dir gerade in engen Spielen. Die ersten Tage waren sehr ordentlich. Er ist gut angekommen und wurde von der Mannschaft offen aufgenommen. Jetzt geht es darum, dass er sich über Trainingsleistungen Schritt für Schritt Spielzeiten erarbeitet.

Chavez und Simpson-Pusey gelten als „Perspektivtransfers“. Wieso war es nicht möglich, einen Routinier zu holen?

Kessler: Für uns geht es nicht um Etiketten, sondern um Qualität. Ein junger Spieler kann genauso helfen wie ein erfahrener, wenn er die entsprechende Qualität mitbringt. Wir waren absolut davon überzeugt, dass der Kader vor der Transferphase ausreichend besetzt war, um unsere Saisonziele zu erreichen. Gleichzeitig wollten wir gezielt Qualität hinzufügen. Unter dem Strich ist die Entscheidung auf diese beiden Spieler gefallen, weil sie sportlich passen, unsere Möglichkeiten erweitern und innerhalb unserer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen umsetzbar waren.

Sie haben Talente von ManCity und den Bayern bekommen. Ist das eine Anerkennung für die Arbeit, die hier geleistet wird? Oder warum wählen solche Top-Klubs den FC, um ihre Talente zu entwickeln?

Kessler: Ob man das als Anerkennung bezeichnen möchte, kann ich schwer beurteilen. Entscheidend ist, dass wir ein Klub sind, bei dem junge Spieler eine realistische Perspektive sehen, Spielzeit zu bekommen und sich weiterzuentwickeln. Der Spieler muss die Überzeugung haben, dass er sich beim FC gut aufgehoben fühlt. Wir hatten mit beiden Spielern und ihren Interessenvertretern sehr gute Gespräche. Den abgebenden Klubs haben wir einen klaren Plan aufgezeigt, wie wir die Spieler einsetzen und entwickeln wollen. Die Wege nach München sind naturgemäß kürzer, weil man sich über viele Jahre kennt. Mit Manchester City hat sich der Austausch in diesem Prozess deutlich intensiviert.

Wie viele Rückschläge muss man während so einer Transferphase einstecken?

Kessler: Kaderplanung ist kein Prozess, der nur auf eine einzelne Transferperiode bezogen ist. Wir beschäftigen uns dauerhaft mit Profilen und Möglichkeiten, das findet kontinuierlich statt. Natürlich gibt es Transfers, die man intensiv prüft und die am Ende aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande kommen. Das gehört dazu. Unser Anspruch ist, künftig noch einen Schritt früher dran zu sein und Spieler zu identifizieren, die sportlich und wirtschaftlich zu uns passen. Dafür müssen wir sehr sauber arbeiten und in bestimmten Situationen auch flexibel sein.

Wurde auch konkret über Abgänge verhandelt?

Kessler: Es gibt noch einige Märkte, die offen sind. Es kann sein, dass einzelne Spieler dort interessant sind, möglicherweise auch Perspektivspieler. Grundsätzlich ist unser Kader aber nicht so groß, dass wir hier unter Druck stehen.

Bei Said El Mala hat Brighton mit einem Angebot zwischen 25-30 Millionen Euro ernst gemacht. Was können Sie dazu sagen?

Kessler: Zu solchen Spekulationen äußere ich mich grundsätzlich nicht im Detail. Entscheidend ist für uns, dass Said in kurzer Zeit eine sehr positive Entwicklung genommen hat und mit seinen Leistungen einen großen Anteil an unserem bisherigen Saisonverlauf hat. Er bringt Woche für Woche Qualität auf den Platz und hat sich diese Aufmerksamkeit durch harte Arbeit verdient. Für uns ist wichtig, ihn eng zu begleiten, ihm Stabilität zu geben und gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen, damit er uns auch in der Rückrunde weiterhilft.

Sehen Sie ihn nächste Saison auch noch in Köln?

Kessler: Wir haben Said ganz bewusst bereits vor der Saison langfristig an den FC gebunden, weil wir von seiner Entwicklung überzeugt sind und einen klaren Plan mit ihm haben. Gleichzeitig gehört es zu unserem Geschäft, dass man sich mit Themen rund um den Markt auseinandersetzt. Das tun wir seriös und mit der nötigen Ruhe. Für uns steht im Vordergrund, dass Said ein wichtiger Bestandteil unseres sportlichen Konzepts ist und wir davon ausgehen, dass er weiterhin seinen Weg beim 1. FC Köln geht.

Lukas Kwasniok hat gesagt, dass El Mala sich aktuell in einem kleinen Tief befindet. Wie sehen Sie seine Situation?

Kessler: Ich sehe das als einen normalen Prozess. Gegner stellen sich mit der Zeit anders auf dich ein und beschäftigen sich intensiver mit deinem Spiel. Ich erinnere mich an das Spiel in Dortmund, als Schlotterbeck nach einem gewonnenen Zweikampf gefeiert hat, als hätte er gerade Mbappé gestoppt. Das sagt viel darüber aus, welche Wahrnehmung Said inzwischen bei Gegenspielern hat. Entscheidend ist, dass er ruhig bleibt und seinen Weg weitergeht. Davon bin ich fest überzeugt und mir sicher, dass er uns weiterhin mit Toren und Vorlagen helfen wird.

Sie haben nun erstmals in Eigenverantwortung eine komplette Saison geplant. Wie fällt Ihr (Zwischen-)Fazit aus?

Kessler: Für mich war es wichtig, der Mannschaft nach der Transfersperre ein Stück weit ein neues Gesicht zu geben und gleichzeitig flexibel zu bleiben. Wir haben darauf geachtet, auf unterschiedliche Herausforderungen reagieren zu können und bewusst verschiedene Profile auf den Positionen zu haben. In meinen Augen ist es uns gelungen, sowohl in der Breite als auch in der Spitze einen sehr ordentlichen Kader für einen Aufsteiger zusammenzustellen. Am Ende entscheidet aber immer die tägliche Arbeit des Trainerteams mit dem vorhandenen Personal. Die Punktzahl bestätigt diesen Weg. Mit Blick auf die Tabelle stehen wir da, wo ich uns auch selbst sehe. Wir wissen aber, dass bis zum Saisonende noch viele Aufgaben auf uns warten.

Wie weit ist der angestrebte Umbruch fortgeschritten?

Kessler: Mir ist wichtig zu betonen, dass die Spieler, die den Aufstieg in die Bundesliga möglich gemacht haben, Großes für den FC geleistet haben. Gleichzeitig habe ich die Verantwortung, im Rahmen unserer Möglichkeiten, die Qualität weiter zu erhöhen. Wir haben auf die Anforderungen der Bundesliga reagiert und uns an einigen Stellen verändert. Das bringt automatisch mehr Konkurrenz und neue Dynamik. Entscheidend ist, wie eine Mannschaft damit umgeht. Ich finde, das hat unsere Mannschaft sehr gut gelöst. Für mich ist wichtig, dass wir Spieler haben, die bereit sind, jeden Tag alles zu investieren, um gemeinsam erfolgreich zu sein.

Kessler: „Wir sind im Sommer handlungsfähig“

Im Sommer könnten bzw. in einigen Fällen müssten Sie Kaufoptionen ziehen. Insgesamt beläuft sich die Summe auf über 20 Millionen Euro. Bleibt da noch Geld für externe Verpflichtungen übrig?

Kessler: Leihkonstrukte mit Kaufoptionen sind Teil unserer Kaderplanung. Gleichzeitig behalten wir immer die wirtschaftliche Gesamtsituation im Blick und schauen, welche Möglichkeiten sich im Sommer ergeben. Wir sind grundsätzlich handlungsfähig und können den Kader auch mit externen Neuzugängen verändern, wenn wir das möchten. In welchem Umfang, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom sportlichen Abschneiden.

Einige Verträge laufen aus. Gibt es da schon Gespräche, wie es weitergeht?

Kessler: Wir stehen mit all unseren Spielern im Austausch. Dazu gehören auch Gespräche über auslaufende Verträge. Bisher ist kein Spieler auf mich zugekommen und hat gesagt, dass er im kommenden Jahr nicht mehr beim FC sein möchte. Jeder hat noch die Möglichkeit, sich bis zum Sommer zu zeigen. Danach werden wir gemeinsam Entscheidungen treffen, in die eine oder andere Richtung.

Sie sind vor Kurzem zum Geschäftsführer befördert worden. Was bedeutet Ihnen das neue Amt?

Kessler: Es ist für mich ein großes Privileg und gleichzeitig eine große Verantwortung. Mir war wichtig, dass wir in diesem Prozess sehr offen über Inhalte gesprochen haben. Unterschiedliche Erwartungshaltungen sind das Schwierigste in neuen Rollen. Deshalb haben wir sehr klar darüber gesprochen, wie ich mir die Aufgabe vorstelle und wie wir den FC inhaltlich weiterentwickeln wollen. Am Ende haben wir einen gemeinsamen Konsens gefunden. Ich habe das Gefühl, dass wir mit der aktuellen Konstellation die richtigen Voraussetzungen haben, den FC nachhaltig in der Bundesliga zu etablieren.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ulf Sobek?

Kessler: Wir stehen in einem sehr engen Austausch. Ulf bringt viel sportliche Erfahrung mit. Der Vorstand ist präsent und nah an den Themen dran. Das ist auch für die gesamte Organisation eine neue Situation. Für mich ist wichtig, dass wir regelmäßig im Austausch sind und alle relevanten Themen besprechen.

Der 1. FC Köln absolviert sein traditionelles Karnevalstraining.

Kessler spricht Machtwort

Kurioser Zwischenstopp: FC flieht an Karneval aus Köln