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Fitness-Debatte beim FCTrainer-Fuchs spricht Klartext: „Auch mal 180 Puls“

Der 1. FC Köln hat in den vergangenen Spielen einige Punkte liegen gelassen. Teilweise wirkten einige Spieler nicht so richtig fit. Ein Trainer-Urgestein hat da seine ganz eigene Meinung.

Einen Begriff hört man in dieser Saison beim 1. FC Köln häufig: Trainingssteuerung. Schon im Vorbereitungstrainingslager in Kitzbühel und St. Johann/Tirol waren viele Fans überrascht, dass die Mannschaft so wenig auf dem Trainingsplatz gearbeitet hat. Viele Spieler waren mit dem Mix aus Belastung und Regeneration allerdings zufrieden.

Experten sahen dann zu Saisonbeginn ein Fitnessproblem. Schon beim Pflichtspielauftakt im Pokal gegen Drittligist Würzburg gab es Probleme mit Krämpfen. Dann kamen im bisherigen Saisonverlauf schon zahlreiche Muskelverletzungen und immer wieder Muskelkrämpfe hinzu. Zum anderen wirkten einige Spieler an Spieltagen müde. Einige müssen gesteuert werden, um an den Spieltagen halbwegs in Form zu sein.

Jan Thielmann muss im Training gesteuert werden – trotz Mini-Einsatzzeit

Beim 1:1 bei Union Berlin ließ FC-Trainer René Wagner (38) Alessio Castro-Montes zunächst draußen, weil er in der Englischen Woche nach einer Muskelverletzung gesteuert werden musste. Beim 5:0 im Pokal hatte er noch überzeugt. An der Alten Försterei reichte es dann nur für 30 Minuten.

Das jüngste Beispiel ist Jan Thielmann. Er fehlte am Mittwoch (4. November 2026), weil er laut Verein im Training gesteuert wurde und individuell arbeitete. Obwohl er einer der fittesten und fleißigsten FC-Profis in der Vorbereitung war. Was verwundert: Thielmann hat seit dem 4. September 2026 in sechs Bundesligaspielen (13 Minuten) und einem Pokalspiel (19 Minuten) nicht sonderlich hohe Belastungen gehabt.

Thielmann hatte am Sonntag in Berlin gar nicht gespielt, am Montag war individuelle Regeneration angesagt, am Dienstag trainingsfrei. Zum Start in die Vorbereitung auf Leverkusen (Sonntag, 8. November, 15.30 Uhr) war er dann nur individuell aktiv. Am Donnerstag war er dann wieder beim Training dabei. Was ist da los beim 1. FC Köln?

Trainer-Fuchs Friedhelm Funkel (72) hat seine eigene Sicht der Dinge. Er sagte beim EXPRESS-Talk, dass unter modernen Trainern, die viel auf Daten, Analysen und taktische Geflechte setzen, einige Haupttugenden nicht mehr in einem guten Maß vorhanden sind: „Wir haben viele Dinge verloren: Körperlichkeit, Robustheit, Flexibilität, selbstständig Entscheidungen zu treffen und Freiheiten auf dem Platz.“

Der Altmeister weiß: „Jeder Trainer sieht das anders und hat eigene Vorstellungen. Ich weiß nur, dass ich großen Erfolg hatte, wenn ich auf mein Bauchgefühl gesetzt und die ganzen Daten auch mal weggelassen habe.“

Funkel sieht, dass im modernen Training einige Spieler wie rohe Eier behandelt werden. Sie müssten mal abgekocht werden, um dann härter zu sein: „Wenn ein Analyst, der beim Training ist, mir aufzeigt: ,Boah wir müssen aufpassen! Wir müssen die Belastung steuern, der Spieler X hat im Moment 125 Puls‘. Dann frage ich: ,Wie 125 Puls? Da geht aber noch viel nach oben.‘

Solch einen Spieler muss man doch nicht schonen, der soll mal richtig Gas geben im Training. Da hat er eben auch mal 180 Puls. Das muss er doch wegstecken können. Das muss man im Spiel auch.“

Für professionelle Fußballer sollten im Training auch neue Reize gesetzt werden, um das Fitnesslevel auf ein anderes Niveau zu heben. „Dafür muss man im Training auch mal an die Grenzen gehen. Nicht donnerstags oder freitags, zwei Tage vor dem Spiel. Aber dienstags oder mittwochs kann ich die Spieler belasten, das ist überhaupt keine Frage“, weiß Funkel.

Generell sieht er Daten und Analysen als große Hilfe an, es darf aber nicht nur darauf vertraut werden: „Bei jüngeren Trainern wird zu viel auf Daten gesetzt. Da geht einiges an Kreativität verloren. Die Spieler werden oftmals mit Vorgaben überfrachtet, dass sie gar nicht mehr genau wissen, was sie genau machen sollen.“