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Liste des GrauensKölns Muskelseuche: Was der Verein jetzt hinterfragen muss

Der 1. FC Köln hat auch in der neuen Saison mit zahlreichen Muskelverletzungen zu kämpfen. Jetzt muss einiges hinter den Kulissen hinterfragt werden.

Fußball ist ein Zweikampfsport mit hohen Belastungen, da gehören Verletzungen zum Tagesgeschäft dazu. Einige sind dabei nicht zu vermeiden, weil es sich um Unfälle oder unglückliche Umstände handelt.

Beim 1. FC Köln hat sich zuletzt Thijs Dallinga beim Testspiel gegen Viktoria Köln das Knie verdreht. Er wurde mittlerweile erfolgreich am Kreuzband operiert, fällt aber wohl mindestens sechs Monate aus. Auch die Fußverletzung von Ellyes Skhiri nach einem Zweikampf im Derby gegen Mönchengladbach fällt in die Kategorie der unglücklichen Verletzungen. Für den Mittelfeldspieler ist damit das Fußballjahr 2026 beendet.

Muskelverletzungen häufen sich: Schon sechs Spieler in der neuen Saison betroffen

In der vergangenen Saison hatte sich Verteidiger Timo Hübers schwer am Knie verletzt. Er kämpft weiter für sein Comeback, musste zuletzt aber erneut operiert werden. Solche Schicksale sind in einem Vollkontaktsport kaum zu vermeiden. Doch der FC hat zusätzlich ein gewaltiges Problem mit Muskelverletzungen. Sie alle sind ohne Kontakt eines Gegners passiert. Seit Saisonstart 2025 häufen sich die Fälle. Die Liste des Grauens ist lang (nur Muskel- und Adduktorenverletzungen):

  1. Youssoupha Niang: 9. Oktober bis 20. Dezember 2025 (sieben Spiele verpasst); 18. bis 25. Februar 2026 (ein Spiel verpasst)
  2. Jan Thielmann: 23. Oktober bis 20. November 2025 (vier Spiele verpasst); 21. Februar bis 16. März 2026 (vier Spiele verpasst)
  3. Malek El Mala: 5. November 2025 bis 9. Mai 2026 (25 Spiele verpasst)
  4. Joel Schmied: 22. November 2025 bis 22. Januar 2026 (sieben Spiele verpasst); 22. Januar bis 7. April 2026 (fünf Spiele verpasst)
  5. Dominique Heintz: 30. November bis 16. Dezember 2025 (zwei Spiele verpasst); 9. Januar bis 9. Februar 2026 (sechs Spiele verpasst)
  6. Jahmai Simpson-Pusey: 19. Januar bis 19. Februar 2026 (vier Spiele verpasst)
  7. Alessio Castro-Montes: 5. Februar bis 5. März 2026 (vier Spiele verpasst); 7. März bis 1. April 2026 (drei Spiele verpasst); 20. September bis 14. Oktober 2026 (ein Spiel verpasst)
  8. Sebastian Sebulonsen: 22. Februar bis 9. März 2026 (zwei Spiele verpasst); 9. August bis 7. September 2026 (drei Spiele verpasst)
  9. Ragnar Ache: 18. April bis 30. Juni 2026 (vier Spiele verpasst); seit 3. Oktober 2026 erneute Muskelverletzung
  10. Rav van den Berg: 1. Mai bis 5. Mai 2026 (ein Spiel verpasst), seit 10. Oktober wieder Muskelverletzung
  11. Luca Waldschmidt: 16. August bis z. September 2026 (drei Spiele verpasst)
  12. Imad Rondic: seit 14. Oktober 2026 verletzt

Unter Trainer Lukas Kwasniok (45) war die Situation teilweise schon dramatisch. Es wurden umfassende Analysen angekündigt. Das Ergebnis: Es soll ein Kommunikationsproblem gegeben haben. Der damalige Cheftrainer soll nicht in enger Absprache mit der medizinischen Abteilung und den Athletiktrainern gearbeitet haben.

Doch die Muskelseuche beim FC geht auch in der neuen Saison unter Trainer René Wagner (38) weiter. Mit Luca Waldschmidt, Sebastian Sebulonsen, Alessio Castro-Montes, Ragnar Ache, Rav van den Berg und Imad Rondic hat es bis zum sechsten Spieltag bereits sechs Profis erwischt. Zudem mussten Said El Mala und Luka Lochowsvili immer wieder gesteuert werden, weil sie mit muskulären Problemen wie Krämpfen zu kämpfen hatten.

Wagner sagte zuletzt über die häufigen Muskelverletzungen: „Wir sind natürlich nicht glücklich darüber. Bei jedem neuen Vorfall schauen wir intern, wie er zustande gekommen ist. Manchmal kann man es nicht erklären. Wir schauen im Prozess, was wir verbessern können. Wir müssen gucken, was wir selbst beeinflussen können. Manchmal ist leider auch Pech dabei. Aber natürlich arbeiten wir das intern auf, das sollte aber dann auch unter uns bleiben.“

Im Verein sind jetzt alle Antennen ausgefahren. Dabei muss hinter den Kulissen alles hinterfragt werden.

Thema Hybridrasen: Die Spieler trainieren meistens auf einem faserverstärkten Naturrasen. Andere Vereine wie der FC Bayern München haben solche Beläge in der Vergangenheit ausgetauscht, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Einige Mediziner warnen vor zu harten Hybridrasen, da die Belastung für Muskeln und Gelenke massiv erhöht wird.

Thema Fitness und individuelle Betreuung: Im Umfeld eines jeden Profis müssen zahlreiche Themenfelder optimiert werden, damit der Belastung im Profifußball standgehalten werden kann. Dazu zählen: Ernährung, Schlaf, Erholung, Krafttraining, Ausdauertraining, Regenerationstraining oder Muskelpflege. Mitten in der Saison etwas zu optimieren, wird nicht einfach. Eigentlich müsste bei jedem Spieler eine umfassende Leistungsdiagnostik durchgeführt werden. Danach muss individuell an den Schwachstellen gearbeitet werden. Dazu zählen dann auch Extraschichten wie Tempoläufe nach einem Mannschaftstraining.

Thema Wohlfühloase: Die Frage ist: Welche Kultur herrscht im Verein? Einige Spieler beim 1. FC Köln sind aus Eigenantrieb topfit, andere hinken sichtbar hinterher. Wenn diese Profis an Spieltagen nicht zum Einsatz kommen, wird am Tag darauf ein sogenanntes Spielersatztraining absolviert. Genau da muss es intensiv zur Sache gehen und wehtun, damit Defizite aufgeholt werden. Fakt ist: Einige Spieler müssen beim FC dringend auf ein höheres Leistungsniveau gebracht werden. Das geht nur mit harter Arbeit, Quälerei und neu gesetzten Reizen – eine Wohlfühloase darf es im Leistungssport niemals geben. Hinter vorgehaltener Hand hört man auch schon von einigen Spielern, dass ein anspruchsvolleres Training für alle gefordert wird.

Thema Pausen: Aktuell müssen einige Spieler im Training gesteuert werden oder kürzer treten, damit sie am Wochenende überhaupt bereit sind, zu spielen. Dabei hat der Klub keine Dreifachbelastung mit Liga, Pokal und internationalem Wettbewerb zu bewältigen. In der Länderspielpause gab es für die in Köln verbliebenen Spieler fünf Tage (!) am Stück frei. Experten sehen darin ein fatales Signal, gerade für die Spieler, die eigentlich mehr machen müssten, um aufzuholen. Zudem fährt der Körper ohne Belastung seine Funktion runter. Um danach wieder in den Wettkampfmodus zu kommen, dauert es lange. Außerdem steigt das Verletzungsrisiko (im Test nach der längeren Pause gab es gleich zwei Verletzte). Ein Beispiel aus einer anderen Sportart: Am Ruhetag der Tour de France fahren die Profis trotzdem zwei bis drei Stunden Rad, um ihren Körper im Rhythmus zu behalten. Würden sie sich nur auf die Couch legen, kämen sie am nächsten Wettkampftag nicht mehr aus dem Quark.