Am Mittwochabend schaut auch ein ehemaliger Profi auf das Duell zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Bayern München, der nach seiner Karriere einen Neustart vollzogen hat. Christian Lell hat ein Buch über seinen Weg aus Gewalt und Drogen hinein in ein neues Leben verfasst.
Er spielte für Köln & BayernEx-FC-Profi: Neustart nach Missbrauch und Drogen

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2005 beim 1. FC Köln, v.li.: Rolf Christel Guie Mien, Christian Springer, Christian Lell, Andrew Sinkala, Roland Benschneider, Markus Feulner bei einer Laufeinheit. Christian Lell hat jetzt ein Buch geschrieben über den Neustart in ein anderes Leben.
Autor
Christian Lell (41) begann seine Fußballkarriere bereits mit acht Jahren beim FC Bayern München und stieg später in die Profimannschaft auf. Zwischen 2004 und 2006 wurde er an den 1. FC Köln ausgeliehen, um Erfahrung zu sammeln und persönlich zu reifen. In seinem Leben spielten auch Missbrauch, Gewalt, Drogen und Alkohol eine Rolle. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler beendete seine Karriere 2016 beim bayerischen Kreisligisten TSV Weyarn.
Vor dem Spiel seiner Ex-Klubs Köln und Bayern am Mittwoch (14. Januar 2026, 20.30 Uhr, RTL, Sky und Liveticker auf EXPRESS.de) sprach Lell mit EXPRESS.de über seinen Neustart, seine Transformation nach der aktiven Karriere, sein Buch „From Ego to Heart – Drogen, Absturz, Selbsthass – und mein Weg zurück ins Leben“ und wie er anderen Menschen als Redner und Gründer von Retreatzentren helfen will.
Christian Lell verfolgt das Fußball-Geschäft nur noch am Rande
Herr Lell, wie rutscht man als talentierter Bayern-Spieler auf einen falschen Weg – und wann haben Sie gespürt, dass es Zeit ist, etwas zu ändern?
Christian Lell: Gute Frage. Ich habe damals viel auf dem Fußballplatz gegeben, ohne mich wirklich zu reflektieren. Ich komme aus einem konfliktbehafteten Elternhaus mit Gewalt, Missbrauch und Alkohol. Aus dieser Kindheit entstanden eine große innere Kraft und Willenskraft, die mir geholfen haben, Profi zu werden. Gleichzeitig habe ich aber innerlich noch viele Ängste getragen, die irgendwann auf meine Entscheidungen und Lebensweise durchgeschlagen haben. Ich musste lernen, innezuhalten, zu reflektieren und meine alten Muster zu erkennen, um wirklich zu transformieren.
Holt einen die Vergangenheit aus der Kindheit dann plötzlich ein?
Lell: Absolut. Beim 1. FC Köln wurde ich in jungen Jahren direkt in die Verantwortung geworfen. Das war eine fantastische Erfahrung – ich war plötzlich in der Öffentlichkeit, verdiente Geld und erlebte Aufmerksamkeit. Gleichzeitig war ich innerlich noch das traumatisierte, ängstliche Kind. Diese Diskrepanz hat mich zeitweise aus dem Gleichgewicht gebracht und dazu geführt, dass ich mich in unbewusste Verhaltensmuster geflüchtet habe.
Ab wann kam der Punkt der Reflexion und Klarheit?
Lell: Nach meiner Fußballkarriere als Unternehmer habe ich viel ausprobiert, oft ohne zu hinterfragen, ob es mich wirklich erfüllt. Ich habe sehr viel erreicht, finanziell und beruflich, aber innerlich spürte ich ein Ungleichgewicht. Der Wendepunkt kam, als Körper und Geist nicht mehr mithielten. Ich habe begonnen, alle äußeren Statussymbole loszulassen und mich auf mich selbst zu besinnen – Meditation, Achtsamkeit und die Lehren aus dem Buddhismus haben mir enorm geholfen. Ich habe meine Werte hinterfragt: Was ist mir wirklich wichtig? Welche Vision möchte ich leben? Daraus entstand ein tiefes Verständnis von innerer Freiheit, Frieden, Verantwortung und Klarheit.
Sie haben auch ein Buch geschrieben, „From Ego to Heart“ – wie passt das in Ihre Reise?
Lell: Das Buch ist ein Spiegel meiner Erfahrungen und gleichzeitig ein Werkzeug für alle, die ihren eigenen Weg zu mehr Bewusstsein und Authentizität gehen wollen. Ich kombiniere meine Erlebnisse als Athlet und Unternehmer mit Erkenntnissen aus griechischer und hinduistischer Philosophie, die ich über Jahre studiert und praktisch erprobt habe. Vereinfacht gesagt: Das Buch hilft, vom Kontrollmechanismus des Lebens ins Vertrauen des Lebens zu kommen, und zeigt, dass Klarheit und Wachstum immer von innen nach außen geschehen.

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Ex-Fußball-Profi Christian Lell hat ein Buch geschrieben, welches im September 2026 erscheint: „From Ego to Heart - Drogen, Absturz, Selbsthass - und mein Weg zurück ins Leben“
Sie wollen nach ihren Erfahrungen auch anderen Menschen helfen, haben das Programm „Finding Freedom“ entwickelt. Worum geht es dabei?
Lell: Finding Freedom ist ein Coaching-Programm, das Menschen unterstützt, alte Muster zu erkennen, loszulassen und ein selbstbestimmtes, authentisches Leben zu führen. Ich begleite die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, ihre innere Klarheit, Stärke und Resilienz zu entwickeln – basierend auf meinen Erfahrungen aus Sport, Unternehmertum und persönlicher Transformation.
Sie sind auch international aktiv und errichten spezielle Häuser – was steckt dahinter?
Lell: Die House of Healing Zentren, die in Ibiza und Phuket entstehen, sind physische Räume für Bewusstsein, Persönlichkeitsentwicklung und ganzheitliches Wohlbefinden. Dort verbinden wir Mindfulness, Longevity, Retreats, Online-Kurse, Coaching und Ausbildungen. Menschen können sich intensiv mit sich selbst und ihrem Potenzial auseinandersetzen. Ab September, parallel zum Erscheinungstermin meines Buches, werden diese Angebote öffentlich zugänglich sein. Wer sich bei den House of Healing Zentren als Unternehmer oder Investor angesprochen fühlt, darf sich gerne melden.
Der Bedarf für solche Programm scheint in unserer Gesellschaft groß zu sein, wie erreichen sie möglichst viele Menschen?
Lell: Mein Ansatz ist ganzheitlich. Ich begleite nicht nur Einzelpersonen, sondern bilde auch Coaches aus, die das Master Mind „Finding Freedom“-Programm weitertragen. Als Speaker gebe ich mit meinen Vorträgen Impulse, um Menschen zu inspirieren und auf ihrem Weg zu mehr Selbstbewusstsein, Resilienz und Lebensqualität zu unterstützen. Auch auf meinem Instagram-Kanal teile ich Impulse zu Bewusstsein, Persönlichkeitsentwicklung und Transformation. Es ist ein Kanal, um Menschen zu inspirieren, ihre eigene Reise zu reflektieren und aktiv zu gestalten.
Nach ihrem Neustart – wie verfolgen Sie das Fußballgeschäft heute?
Lell: Ich schaue die großen Turniere und Champions-League-Spiele, verfolge den Transfermarkt ein wenig. Beim Duell 1. FC Köln gegen Bayern schlägt mein Herz natürlich höher. Ich erinnere mich gerne an die Energie im Stadion und die Zeit mit Spielern wie Lukas Podolski. Fußball ist ein Teil meiner Geschichte, auch wenn mein Fokus heute woanders liegt.
Was sagen sie zum FC Bayern, der Vorsprung in der Bundesliga ist wieder groß ?
Lell: Mir gefällt, dass junge Spieler wie Lennart Karl aus den eigenen Reihen hochkommen. Die Mischung aus Erfahrung und jungen Talenten stimmt. Ich würde sagen, meine Bayern haben alles im Griff.
Wie geht es Ihnen privat, was sind die nächsten Ziele?
Lell: Mir geht es sehr gut. Ich bin voller Tatendrang und konzentriere mich auf die Entwicklung meiner Retreatzentren, meines Master-Mindprogramms „Finding Freedom“, auf mein Buch und die Arbeit als Coach & Speaker. Gleichzeitig bereite ich mich persönlich auf sportliche Herausforderungen wie den Ironman vor – mit Fokus auf Balance, mentale Stärke und nachhaltige Transformation. Und in der 2008 wegen meiner Schwester gegründeten Stiftung für Mukovizidose bin ich Vorstand. Mit der Stiftung unterstützen wir emotional vernachlässigte Kinder und Jugendliche sowie an Mukoviszidose erkrankte Menschen.
Und die Liebe – zuletzt waren Sie glücklich mit Parishee „Paris“ Tawakolian?
Lell: Paris war der erste Mensch, für den ich wirklich so tief empfunden habe, wie zuvor für niemanden. Unsere Trennung hat mich mit nur einer Option zurückgelassen: komplette emotionale Reife, kompromisslos bis in die letzte Ecke unserer tiefsten Seelenebenen aufzuräumen. Diese intensive Arbeit an mir selbst hat mir ermöglicht, all die Programme und Konzepte der Retreatzentren aufzubauen, an denen ich in den vergangenen Jahren gearbeitet habe – weil ich mich von innen heraus sortiert und geheilt habe. Auch wenn wir getrennt sind, wird Paris für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Sie war ein entscheidender Teil meiner persönlichen Transformation und meiner Fähigkeit, heute bewusst, authentisch und mit vollem Engagement zu wirken. Auch deshalb trage ich ihren Namen unter meiner Haut.



