FC-Eigengewächs Jan Thielmann hält seinem Herzensverein seit vielen Jahren die Treue. Im Interview spricht er über die Neuzugänge, die Jungs aus dem Nachwuchs und seine eigene Zukunft.
Abschiedsgedanken bei Thielmann?„Da muss schon einiges passieren“

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Jan Thielmann spricht über seine FC-Zukunft, Neuzugänge und die neue Generation der FC-Talente.

Jan Thielmann gehört mit seinen 24 Jahren beim 1. FC Köln schon zu den alten Hasen. Der Offensivspieler geht in seine achte Profisaison mit dem FC.
Im Interview mit EXPRESS.de sprach Thielmann über seine Eindrücke von den Neuzugängen in der Vorbereitung und seinen Werdegang, den er vor allem harter Arbeit zuschreibt. Zudem verriet er, ob er sich auch in Zukunft noch beim FC sieht.
Thielmann: „Wenn ich nur 90 Prozent gebe, wird es schwierig“
Wie hast du die Vorbereitung bisher erlebt?
Jan Thielmann: Die Beine waren teilweise schon ein bisschen schwer, denn wir haben einige intensive Einheiten absolviert. Wir hatten gutes Training hier, und gut gewählte Pausen, sodass wir die letzten Tage auch wieder mit vollen Akkus arbeiten konnten.
Es sind einige neue Spieler dabei. Wie ist die Stimmung innerhalb der Gruppe? Was hast du da für ein Gefühl?
Thielmann: Die Neuen machen es gut. Nur die Jungs, die vor dem Trainingslager ein bisschen krank waren, brauchen noch ein bisschen, um auf hundert Prozent zu kommen. Luka zum Beispiel macht es sehr gut, hat sich super eingefügt und bringt gute Qualität mit.
Du warst beim FC Model für das rote Trikot. Konntest du dir das aussuchen? Und gefällt es dir am besten?
Thielmann lacht: Nein, das konnte ich mir nicht aussuchen. Das rote Trikot ist sehr gelungen, deshalb hat es mich gefreut. Das sticht schon heraus, aber auch die anderen beiden gefallen mir. Das cleane weiße Trikot ist sehr schön und das blaue Trikot ist eher außergewöhnlich.
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2019 bist du B-Jugendmeister mit dem FC geworden, in der vorderen Reihe hast du mit Marvin Obuz und Florian Wirtz im Sturm gespielt. Habt ihr noch Kontakt oder verläuft sich das?
Thielmann: Mit ein paar Jungs habe ich noch Kontakt, bei anderen verläuft sich das. Meiko Sponsel spreche ich öfter, er spielt jetzt bei Viktoria Köln. Auch mit Joshua Schwirten (aktuell vereinslos, Anm. d. Red.) bin ich befreundet. Zu den Jungs, die noch in Köln und Umgebung sind, besteht also noch Kontakt.
War das damals unter euch auch ein Traum, dass ihr zusammen Erfolge bei den FC-Profis feiert?
Thielmann: Es gab ein übergeordnetes Ziel, das ist immer die Mannschaft. Und dann hatte jeder das eigene Ziel, es zu den Profis zu schaffen. Bei den einen hat es funktioniert, bei anderen leider nicht. Aber das ist normal im Fußballgeschäft – man braucht auch Glück, dass genau diese Position dann gefragt ist. Da kann der Weg auch mal umständlicher sein, oder über andere Schritte zum Erfolg führen.
Du hast den Durchbruch beim FC geschafft: Im Dezember 2019 hast du das Profidebüt gegeben – als erster Spieler des 2002er Jahrgangs. Ausgerechnet gegen Leverkusen. Was hat dir das bedeutet, und wie sehr bindet das dann auch an den Verein?
Thielmann: Das hat mir unheimlich viel bedeutet. Ich bin FC-Fan, seit ich klein bin. Einigen wird das Talent in die Wiege gelegt. Bei mir war es nicht ganz so. Ich habe von meinen Eltern immer mitbekommen, dass man für seine Ziele hart arbeiten muss. Ich bin auch ein Spieler, der immer an seine Grenzen gehen muss, denn ich habe nicht so viel Talent wie andere. Ich muss immer läuferisch und kämpferisch da sein. Das mache ich in jedem Training und in jedem Spiel zu hundert Prozent. Der FC ist einfach mein Verein und wird das immer bleiben. Da kann ich schon sagen, dass es ein besonderes Erlebnis war und ich froh bin, dass es geklappt hat, beim FC zum Profi zu werden.

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Jan Thielmann im Interview mit EXPRESS.de-Reporter Uwe Bödeder.
Würdest du auch sagen: Arbeit schlägt Talent?
Thielmann: Ich glaube, man braucht beides. Ganz talentbefreit bin ich ja nun auch nicht (lacht), sonst wäre ich nicht hier. Mit harter Arbeit kann man aber viel erreichen. Das ist meine Devise. Wenn ich nur 90 Prozent gebe, wird es schwierig.
Du warst Rechtsaußen und dann hat man eine andere Position für dich gesucht. Du wurdest Rechtsverteidiger. Wie bist du damit umgegangen?
Thielmann: Das war den Umständen geschuldet, weil wir Probleme und Verletzungen auf der Seite zu beklagen hatten. Da war das übergeordnete Ziel, für die Mannschaft da zu sein, wichtiger als ich. Deswegen habe ich mich der Aufgabe zu einhundert Prozent gestellt. Ich habe dann in der Nationalmannschaft bei der U21 ebenfalls als Rechtsverteidiger gespielt. Das war in einigen Situationen erfolgreicher als in anderen. Aber die Rechtsverteidigerposition ist nicht meine Lieblingsposition. Das ist ein offenes Geheimnis. Deswegen bin ich froh, dass René Wagner offensiv mit mir plant.
Vorne zu spielen, fühlt sich für dich also viel besser an?
Thielmann: Ja, da habe ich ein bisschen mehr Freilauf und kann mich mehr entfalten.
Es gab Gerüchte, dass es beim FC Gespräche mit dir gab, um die Situation zu besprechen, wo der Weg hingeht. Du hast noch einen Vertrag bis 2028 – wie siehst du deine Situation aktuell?
Thielmann: Ich sehe mich beim FC, ich habe einen Vertrag und das ist mein Verein. Da muss schon einiges passieren, damit ich etwas anderes plane.
Also du willst dich hier weiter durchbeißen und hast ein gutes Gefühl unter dem neuen Trainer René Wagner? Wie plant er mit dir?
Thielmann: Er macht seine Sache sehr gut, sehr sachlich. Er hat viel Ahnung von Fußball. Er hat zudem ein Team um sich herum, was ihn gut ergänzt. Da ist schon viel Kompetenz, er gibt uns viel mit auf den Weg. Jetzt wollen wir mit ihm als Mannschaft erfolgreich sein.
Thielmann über FC-Talente: „Ich glaube nicht, dass der Weg für sie schwieriger wird“
Wird es schwieriger für die eigenen Talente beim FC? Der Klub denkt ein bisschen größer, man holt Spieler von der WM oder junge Spieler wie Jahmai Simpson-Pusey und Reigan Heskey vom Premier-League-Top-Klub Manchester City.
Thielmann: Wenn man auf den Trainingsplatz schaut, dann sind da auch zahlreiche Eigengewächse dabei, die die Chance haben, sich zu zeigen. Die Frage ist, wie sie diese nutzen. Bisher machen sie ihre Sache sehr gut. Als junger Spieler muss man auch erstmal Erfahrungen oben sammeln. Einige werden nach dem Trainingslager wieder bei der U21 Spielpraxis sammeln. Ich glaube nicht, dass der Weg für sie schwieriger wird. Ich bin sicher, dass einige von den Jungs auch in dieser Saison eine Rolle bei den Profis spielen können.
Hast du einen Favoriten bei den Talenten? Oder können es alle packen?
Thielmann: Dadurch, dass alle auf unterschiedlichen Positionen spielen, kann jeder reinrutschten. Es kann ja immer mal passieren, dass jemand nicht zur Verfügung steht. Dann müssen die jungen Spieler bereit sein. Ich habe da keinen Favoriten, sie machen es alle sehr gut.
Ein großes Thema ist Said El Mala. Was würdest du ihm für die Zukunft wünschen? So schnell es geht Champions League zu spielen oder mit dem FC was aufbauen?
Thielmann: In erster Linie wünsche ich ihm, dass er gesund bleibt und seinen Weg geht. Said ist ein außergewöhnlicher Spieler, den gibt es alle Jahrzehnte mal beim FC. Ich wünsche ihm, dass er persönlich den maximalen Erfolg rausholt. Und dann muss er entscheiden, was für ihn wichtig ist.
Was ist dein Ziel in den nächsten fünf Jahren?
Thielmann: In allererster Linie, mit dem FC in der Bundesliga zu bleiben. Und natürlich persönlich gesund zu bleiben.
Du bist schon lange im Klub. Man hat das Gefühl, dass ein neuer Geist einzieht. Es gibt einen frischen Trainer und eine Aufbruchstimmung. Ist das eine Chance für den FC, etwas Großes zu starten?
Thielmann: Man sieht bei anderen Vereinen, dass man sich in der Bundesliga stabilisieren kann. Das ist unser Ziel – und dafür geben wir alle unser Bestes. Das gilt für jede Position im Sport: Ob es Thomas ist, der das Beste auf dem Transfermarkt machen möchte, oder René und sein Trainerteam bei der Arbeit mit uns – und natürlich wollen wir als Mannschaft Stück für Stück besser werden. Für uns ist das Wichtigste, erstklassig zu bleiben. Dann wird man sehen, wo es hingeht. Es gibt da viele positive Beispiele, an denen wir uns orientieren können. Aber das ist das Ziel von jedem Verein, deswegen ist es in der Bundesliga so schwierig. Trotzdem denke ich, dass wir auf einem guten Weg sind.
Schaust du auch mal nach links und rechts zur Konkurrenz? Welche drei, vier Teams könnten unter euch bleiben?
Thielmann: Man bekommt natürlich einiges mit durch die sozialen Medien. Aber ich mache mir da vor der Saison keine großen Gedanken. Wir müssen uns auf uns konzentrieren. Es kommen gleich zum Start große Spiele gegen gute Gegner. Das werden die ersten richtigen Leistungstests. Da sehen wir, wo wir stehen. Aber eine Saison ist richtig lang, es wird unfassbar viel passieren. Egal, wie es nach den ersten vier, fünf Spielen aussieht, es kann sich ganz anders entwickeln. Unabhängig davon ist eins klar: Wir müssen schnell in den Wettkampfmodus kommen und Punkte sammeln.
Hast du einen Lieblingsgegner?
Thielmann: Dadurch, dass ich Kölner bin, liegen mir die Derbys schon sehr am Herzen. Also Gladbach, Leverkusen – Düsseldorf ja leider für längere Zeit nicht mehr.
Aber vielleicht bringt die Dominique Heintz ja wieder nach oben?
Thielmann lacht: Ja, das würde ich dem Heintzi wünschen, aber nicht Düsseldorf.
