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FC-AnalyseKwasniok-Frage: Großes Missverständnis oder doch der Richtige?

Aktualisiert

Der 1. FC Köln befindet sich im freien Fall. Nachdem zahlreiche Experten im Herbst 2025 sicher waren, dass die Kölner nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden, wird es auf der Zielgeraden richtig brenzlig. Im Mittelpunkt der Kritik steht Trainer Lukas Kwasniok – eine FC-Analyse.

Es wäre ja auch zu schön gewesen: Köln legt als Aufsteiger in die Bundesliga eine furiose Saison hin. Genauso sah es im Herbst 2025 noch aus. Thomas Kessler (40) wurde als Sternekoch auf dem Transfermarkt gefeiert. Mit seinem zusammengestellten Kader entfachte der neue Trainer Lukas Kwasniok (44) auf Anhieb eine Euphorie unter den Fans. 

Zugegeben, das mit der Euphorie geht in Köln schnell, aber Kwasniok und seine Mannschaft überzeugten auch bundesweit die Experten. Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus schwärmte genauso wie viele weitere Fachleute. Fußball-Deutschland war sich unisono sicher: Köln wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben!

1. FC Köln: Fans fordern die Trennung von Trainer Lukas Kwasniok

Doch das sieht nach dem 24. Spieltag und dem 0:2 in Augsburg ganz anders aus. Der FC hat zuletzt kaum noch gepunktet, die Konkurrenz holt auf oder zieht vorbei. Eine gefährliche Situation. Rund um den FC wird eine Frage heiß diskutiert: Ist Trainer Lukas Kwasniok ein großes Missverständnis oder ein Volltreffer? Im Verein steht man felsenfest hinter dem Coach. Doch intern werden auch zahlreiche Tendenzen kritisch angesprochen und vieles hinterfragt. Mit Ulf Sobek als Vizepräsident ist Sportkompetenz im Vorstand eingezogen. Das Präsidium bewertet die Arbeit von Kwasniok noch positiv.

Doch die Situation ist angespannt. Wieso eigentlich? Was ist passiert in den vergangenen Monaten? Und wie groß ist die Hoffnung, dass es mit dem Klassenerhalt klappt? Die große FC-Analyse rund um Trainer Kwasniok: 

Die Fans: Wenn das Internet laut sein kann, dann ist es das aktuell beim Thema Lukas Kwasniok. In den sozialen Netzwerken sammeln sich unter jedem FC-Thema etliche Kommentare. Dabei wird meist ohne Zurückhaltung gegen den Coach geschossen: „Der muss weg!“ Spieler werden kaum kritisiert. Die aktive Fanszene der Kölner hat Kwasniok spätestens seit Anfang des Jahres auf dem Kieker. Mit dem KwasniYok-Plakat (Yok bedeutet nein) nach dem Heidenheim-Spiel wurde deutlich, dass man nicht mit allem einverstanden ist, was der Trainer macht. Dabei ging es auch um den Umgang mit Spielern. Anstatt einen eingespielten Stamm zu finden, wechselt und rotiert Kwasniok äußerst viel. Shootingstar Said El Mala kam vielen Fans zu oft von der Bank. Ein Vorwurf: Kwasniok sorgt mit seiner Philosophie für unnötige Hektik und Unruhe.

Es gibt aber auch zahlreiche Fans, die die massiven Anfeindungen gegen Kwasniok missbilligen. Für sie war von Beginn an klar, dass es gegen den Abstieg gehen würde – und da hat der FC nach wie vor gute Karten. Was diese Fans an Kwasniok schätzen, ist seine offene Art und die Einblicke, die er in seine Entscheidungen gibt. Zudem ist der Fußball attraktiv und alles andere als langweilig. Mit der flexiblen Art stellt Köln auch große Gegner vor Probleme. Die Mannschaft war fast nie chancenlos. Dass zehn bis zwölf Vereine in der Tabelle besser dastehen, sei einfach logisch, auch weil es sich um in der Bundesliga seit Jahren etablierte Klubs mit größerem finanziellen Spielraum handele.

Die Verantwortlichen: Im Verein wird aktuell gerätselt, warum so viele Fans gegen Kwasniok sind. Die Mannschaft stand seit Beginn der Saison nicht auf einem Abstiegsplatz. Auch die gezeigten Leistungen sind bislang für die Klub-Bosse überzeugend. Oft fehlen nur Kleinigkeiten, um zu punkten. Das Team sorgt gegen fast jeden Gegner für die Überzeugung, dass ein Sieg möglich ist. Zudem baut der Coach auch zahlreiche Talente wie Fynn Schenten oder Youssoupha Niang ein – wichtig für den Kölner Weg.

Dennoch sieht man auch ganz klare Kritikpunkte. Intern werden die Schwachstellen deutlich angesprochen. Ein erstes Ausrufezeichen gab es vor wenigen Wochen, als Co-Trainer Hannes Dold (33) von seinen Aufgaben entbunden wurde. Er war für die Standards zuständig. Manche deuteten die Freistellung als ersten Warnschuss für Kwasniok. Auch die zahlreichen Muskelverletzungen sind Thema, dabei geht es um die Trainingssteuerung. Doch der Coach sitzt nach Informationen von EXPRESS.de weiter fest im Sattel.

Der Trainer: Kwasniok lässt sich bislang nicht von seinem Weg abbringen. Er beweist Mut und kann viele Spieler Woche für Woche davon überzeugen, auf dem richtigen Kurs zu sein. Vom Klassenerhalt ist er fest überzeugt. Generell kennt er das Geschäft, sagte: „Ich bin froh, vor dem letzten Drittel der Saison noch da zu sein. Viele Trainer schaffen das erst gar nicht.“ In einigen Punkten gilt Kwasniok allerdings auch als beratungsresistent, was bei einigen im Verein nicht so gut ankommt.

Die Mannschaft: Kwasniok sorgt mit seiner Philosophie, seinen Gedanken und seiner offenen, manchmal schroffen Art bei einigen Spielern für Irritationen. Anstatt ein stabiles Gerüst zu bauen, setzt der Coach auf taktische Flexibilität und heckt gegen jeden Gegner einen neuen Plan aus. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf die Spieler. Die Folge: Mal startet ein Profi, dann spielt er plötzlich gar keine Rolle mehr. Spieler wie Jan Thielmann oder Luca Waldschmidt hatten dies bereits öffentlich angesprochen. Profis wie Said El Mala, Cenk Özkacar oder Alessio Castro-Montes mussten es am eigenen Leib erfahren.

Kwasniok schafft es aber dennoch, einen Großteil der Mannschaft zu überzeugen. Spieler wie Jakub Kaminski, Kristoffer Lund oder Joel Schmied würden für den Coach durchs Feuer gehen. Auch der Zusammenhalt in der Mannschaft ist groß. So liefern die Spieler Woche für Woche mit voller Leidenschaft und hohem Einsatz gute Spiele ab. Einzig die Ergebnisse blieben zuletzt aus. Ein Bruch zwischen Mannschaft und Trainer ist jedenfalls definitiv nicht zu erkennen. Die Auftritte sind alles andere als blutleer.  

Die Entwicklung: Nach dem Top-Start mit sieben Punkten aus drei Spielen war Köln zu Beginn auf Rang drei der Tabelle. Nach einer kurzen stabilen Phase ging es seit dem 10. Spieltag (1:3 in Mönchengladbach) abwärts. Waren es aus den ersten neun Spielen vier Siege, folgten in den folgenden 15 Partien nur zwei weitere Siege. Im Tabellenkeller ist alles eng zusammengerückt. Köln hat nach 24 Spielen 24 Punkte. Bremen hat auf dem Relegationsplatz nur zwei Zähler weniger.

Die Schwächen: Es gab 14 Gegentore nach gegnerischen Standards – Höchstwert in der Liga. Daran wurde gearbeitet: 2026 war es in neun Spielen nur ein Gegentor nach einer Standardsituation. Offensiv gelingt nicht viel bei Standards: Kainz verwandelte einen Freistoß, Waldschmidt einen Elfmeter. Aber auch das Spiel nach vorn lahmt seit Monaten. Aus dem Mittelfeld kommen kaum Pässe in die Tiefe. Der FC findet oft keine Lösungen gegen gut organisierte Mannschaften. Defensiv stimmen die Abläufe im Anlaufverhalten auch nicht mehr. Zuletzt gab es neun Gegentreffer in vier Spielen.

Die Stärken: Einstellung und Bereitschaft stimmen! Mit knapp 121 Laufkilometern im Schnitt pro Spiel liegt der FC über dem Liga-Durchschnitt. Mit 33 erzielten Toren und 41 kassierten Treffern (Tordifferenz minus 8) hat der FC im Tabellenkeller den besten Wert. Mainz liegt bei –12, St. Pauli bei –17, Bremen bei –19, Wolfsburg bei –16 (ein Spiel weniger) und Heidenheim bei –31.

Die Hoffnung: Kwasniok hat eine Rettungsrechnung aufgemacht, demnach benötigt der FC insgesamt zehn Siege. Sechs sind schon eingefahren. Fehlen also noch vier aus den verbleibenden zehn Spielen. Das Restprogramm: Dortmund (H), Hamburger SV (A), Mönchengladbach (H), Frankfurt (A), Bremen (H), St. Pauli (A), Leverkusen (H), Union Berlin (A), Heidenheim (H), FC Bayern München (A).

Köln setzt nach den schwierigen Spielen gegen Champions-League-Aspiranten wie Leipzig, Stuttgart, Hoffenheim oder am Samstag (7. März) gegen Dortmund auf die Spiele gegen Hamburg, Mönchengladbach, Bremen, St. Pauli, Union Berlin und Heidenheim. Von diesen sechs Gegnern müssen mindestens vier besiegt werden. Zudem gilt der Tabellenletzte Heidenheim (14 Punkte) als abgeschlagen.

Die Vision: Für Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler gibt es nur ein Ziel mit dem FC. Er sagte gegenüber EXPRESS.de: „Für mich bedeutet Erfolg, den FC dauerhaft in der Bundesliga zu stabilisieren. Wenn wir es schaffen, über mehrere Jahre erstklassig zu bleiben, wäre das ein großer Erfolg. Dafür müssen wir realistisch bleiben und kontinuierlich arbeiten.“ In den vergangenen 20 Jahren hat Köln sechs Saisons in der 2. Liga verbracht. Der FC war nie länger als fünf Jahre erstklassig. Der Verein wünscht sich, langfristig etwas aufzubauen, und würde dabei am liebsten auch auf der Trainerposition Kontinuität zeigen.

Fazit: Für viele Fans ist der Zeitpunkt zum Handeln längst gekommen. Im Verein sieht man das anders. Logischerweise haben die handelnden Personen einen ganz anderen Einblick in die tägliche Arbeit und die Stimmungen im Klub. Sie wollen und werden sich nicht von emotionalen Stimmungen im Klubumfeld leiten lassen. Allerdings ist der Trainer auch innerhalb des Vereins nicht unumstritten. Ob Kwasniok ein Missverständnis oder ein Volltreffer beim 1. FC Köln ist, wird man erst in ein paar Wochen oder Monaten beantworten können. Er weiß, dass jetzt erst einmal nur Ergebnisse zählen.

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