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„Ein Meilenstein“ Baumgart-Co Pawlak verrät die Geheimnisse hinter dem FC-Erfolg

Steffen Baumgart und André Pawlak trainieren den 1. FC Köln.

Co-Trainer André Pawlak (r.) und Chefcoach Steffen Baumgart am 21. April 2022 am Geißbockheim

Steffen Baumgart ist bereits der vierte Chefcoach, den André Pawlak beim 1. FC Köln erlebt. Der Co-Trainer spricht bei EXPRESS.de über die erfolgreiche Saison, seine eigene Rolle und das „Callcenter“.

André Pawlak (51) ist die Konstante in Kölns Trainerteam. Im EXPRESS.de-Interview erklärt der FC-Assistent, wie sich der Fast-Absteiger unter Steffen Baumgart (50) zu einem Europapokal-Anwärter entwickelt hat, und wie es um seine eigenen Chefcoach-Ambitionen steht.

André Pawlak, Sie arbeiten nun knapp fünf Jahre für den 1. FC Köln. Wie kam es eigentlich zu Ihrem Wechsel ans Geißbockheim?

Pawlak: Nachdem ich mit dem KFC Uerdingen als Cheftrainer in die Regionalliga aufgestiegen war, hat mich Mikhail Ponomarev (Präsident und Investor, Anm. d. Red.) entlassen. Einen Tag später rief mich Uwe Fecht an, der zu dieser Zeit hier Co-Trainer der U21 war, und sagte mir, dass kurzfristig ein U17-Trainer gesucht wird. Ich hätte zwar auch weiter in Uerdingen mein Geld kassieren und ein Jahr Pause machen können, aber das wollte ich nicht.

Die chaotischen Zustände in Uerdingen sind ja bekannt – aber warum genau wird man als Aufstiegstrainer entlassen?

Pawlak: Vielleicht habe ich zu oft „Nein“ gesagt. Der Verein wollte eine andere Strategie verfolgen als ursprünglich abgesprochen – am liebsten jedes Jahr aufsteigen, statt nachhaltig zu planen. Erst habe ich gedacht, dass mir nach der Entlassung ein Makel anhängt. Aber im Nachgang muss man sagen: Wer wurde in Uerdingen nicht entlassen? Am Ende hat Mikhail Ponomarev nicht mal mehr mit mir gesprochen oder auf Nachrichten reagiert. Inzwischen muss ich ihm dankbar sein.

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Weil Sie so beim FC gelandet sind?

Pawlak: Ja, der FC ist ein Klub, der mich direkt gereizt hat. Nach drei Monaten bei der U17 habe ich die U21 übernommen und schnell gespürt, wie sehr ich mich hier einbringen kann – ich war sofort drin im Klub. Mittlerweile kann ich sagen, dass Köln für mich eine zweite Heimat ist neben Recklinghausen. Ich fühle mich in der Stadt sehr wohl und meine Familie genauso, wenn sie da ist. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, meine Rolle hier langfristig zu erfüllen.

André Pawlak: „Ich renne diesem Lebensziel nicht hinterher“

Sie meinen als eine Art kölscher Hermann Gerland, der bei den Bayern „ewiger“ Co-Trainer unter diversen Chefs war?

Pawlak: Das ist auf jeden Fall eine Option, keine Frage.

Gegen Freiburg haben Sie Steffen Baumgart als Chef vertreten. Hat das nicht Lust auf mehr gemacht?

Pawlak: Das haben mich total viele Leute gefragt. Klar hätte ich auch Lust darauf und traue mir das zu. Aber hier in diesem Trainerteam darf man fast wie ein Cheftrainer arbeiten, nur dass man nicht an der Linie steht. Das macht sehr viel Spaß. Wenn eine interessante Anfrage kommt, beschäftige ich mich damit, aber ich renne diesem Lebensziel nicht hinterher. Es gab immer wieder welche, einige Dinge habe ich mir auch angehört. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich Cheftrainer werden können.

Steffen Baumgart ist bereits der vierte Chef, mit dem Sie bei den FC-Profis arbeiten. Macht Sie das stolz, dass so viele Trainer auf Sie setzen?

Pawlak: Vor allem zeigt es, dass meine Arbeit beim FC anerkannt wird. Entscheidend ist sicher auch, dass ich nicht „mitgebracht“ wurde. Wenn ein Co-Trainer mit dem Chef kommt, muss er meistens auch mit ihm gehen. Ich komme aber aus dem Klub und habe meine starke Verbindung zum NLZ. Das macht mir richtig Spaß, und die Cheftrainer schätzen diese Erfahrungen und Kontakte.

Das Klub-Konto auch, wie das Beispiel Ismail Jakobs gezeigt hat. Ohne Sie hätte er den Klub 2019 wohl verlassen und dem FC keine Transfer-Millionen beschert.

Pawlak: Damals habe ich gesagt: Lasst ihn uns wenigstens in der Vorbereitung anschauen. Was das dem Klub gebracht hat, haben wir alle gesehen. Auch Jan Thielmann und Noah Katterbach haben wir frühzeitig hochgezogen und sie spielen lassen. Das geht nur, wenn da jemand ist, der die Jungs wirklich gut kennt und ihnen das zutraut. Mit dieser Aufgabe identifiziere ich mich komplett.

Vor Baumgart hießen die Trainer Achim Beierlorzer, Markus Gisdol und Friedhelm Funkel. Haben Sie von allen etwas mitgenommen?

Pawlak: Das sind alles spannende Typen, ich habe von allen viel mitgenommen. Ob es hilfreich ist oder nicht, muss man dann für sich selbst filtern. Wie wir die Mannschaft jetzt führen oder wie Friedhelm das getan hat, ist beispielsweise wahnsinnig interessant und lehrreich.

Bei Funkel wirkte es wie eine 50:50-Arbeitsteilung: Sie haben alles auf dem Trainingsplatz erledigt, er vor allem die mentale Arbeit neben dem Rasen. Korrekt?

Pawlak: Der Eindruck ist richtig. Friedhelm hat mir sofort das Training anvertraut und gesagt, dass er keinen zweiten Assistenten braucht. Das war super für mich. Auch die Spielvorbereitung habe ich gemeinsam mit den Spielanalysten übernommen. Friedhelm brauchte die Zeit für die Aufgaben abseits des Platzes. Was er da gemacht hat, war überragend. Er ist ein Typ, der mit jedem redet, er hat jeden am Geißbockheim mitgenommen. So hat er die Mannschaft und alle drumherum in ein Boot geholt. Selbst wenn ein paar schon weggekippt waren – auf einmal waren wieder alle da. Das war eine extreme Leistung.

Diese Saison sind Sie einer von drei Co-Trainern. Heißt das, Sie müssen zurückstecken?

Pawlak: Überhaupt nicht. Jeder von uns Co-Trainern kann und soll seinen Input geben. Auch Steffen ist ein Trainer, der komplett abgeben kann. Ganz konkret: Vor der Saison haben wir die Mannschaft in drei Gruppen eingeteilt. Macka (Kevin McKenna) hat die Viererkette, René (Wagner) kümmert sich um die Sechser und Achter, ich um die Neuner und Zehner. Wir machen Gruppentraining und schulen die Jungs immer wieder mit Einzelvideos. Jeder ist mindestens einmal im Monat dran, manche auch zwei- oder dreimal.

Also haben in Wahrheit Sie Anthony Modeste wieder hinbekommen…

Pawlak: Zumindest habe ich ihm anfangs wochenlang die Bälle auf die Birne geschossen. Das waren natürlich herausragende Flanken (lacht). Im Ernst: Wir machen unheimlich viel Videoarbeit. Wie läuft man an, wie verhält man sich mit Ball, wo steht man bei Standards? Die Jungs nehmen das sehr, sehr gut an. Auch Tony als erfahrener Spieler sträubt sich nicht dagegen, noch mal die Schulbank zu drücken. Das ist definitiv ein Baustein des Erfolgs, den wir gerade erleben.

André Pawlak: „Wir haben die Arbeit in allen Bereichen intensiviert“

Vom Fast-Absteiger zum Europapokal-Anwärter, das klingt nach einem kleinen sportlichen Wunder.

Pawlak: Es ist kein Wunder, sondern das Produkt harter Arbeit. Zudem ist Steffen von dem, was er vorgibt, komplett überzeugt. Seine unheimliche Überzeugungskraft und Wirkung auf alle sind mit die wichtigsten Punkte für unsere Entwicklung. Natürlich trainieren wir auch anders. Wir haben die Arbeit in allen Bereichen intensiviert und sind drangeblieben.

Haben Sie direkt gespürt, dass mit ihm mehr Erfolg möglich ist als in den vergangenen Jahren?

Pawlak: Alle haben gemerkt, dass ein komplett neuer Wind weht und für das gesamte Team eine andere Führung da ist. Die Qualität der Mannschaft ist eine andere als Steffen sie damals in Paderborn hatte, wo auch schon alle über die offensive Spielweise gestaunt haben. Er war von Anfang überzeugt, dass das mit dieser Mannschaft klappt, und das haben wir im Trainerteam schnell verinnerlicht. Wir hatten bereits nach wenigen Wochen das Gefühl: Ja, da könnte mehr gehen.

Baumgarts erste Amtshandlung war, die Wände zwischen den Trainerbüros einreißen zu lassen.

Pawlak: Das war auch so ein Meilenstein, vor allem symbolisch für uns Trainer. Zuvor saßen der Cheftrainer und die Assistenten in einem Büro, die Athletiktrainer im nächsten und die Videoanalysten in einem weiteren. Steffen hat damit ein Zeichen gesetzt, sofort gezeigt: Wir sind alle eins, wir machen alles gemeinsam. Das machen wir tatsächlich, auch außerhalb des Geißbockheims. Wir verstehen uns alle super, unsere Reise nach Amsterdam hat jetzt noch einmal gezeigt, wie harmonisch die Stimmung ist. Das Callcenter ist überragend.

So heißt das Trainer-Großraumbüro – warum eigentlich?

Pawlak: Der Begriff fiel zum ersten Mal, als die ganzen Bildschirme standen. Hinzu kommt, dass unsere Telefonanlage im Haus über Headsets funktioniert. Wenn wir die alle zeitgleich aufhätten, sähen wir tatsächlich wie ein Callcenter aus.

Stand jetzt laufen alle Trainer-Verträge, inklusive dem von Steffen Baumgart, 2023 aus. Es klingt, als hätten Sie nichts dagegen, wenn es in dieser Callcenter-Konstellation weitergeht.

Pawlak: Das würde ich sehr begrüßen, aber das muss man auf sich zukommen lassen. A, was hat der Verein für Ideen. Und B, was will Steffen machen. Wenn die Konstellation so bleiben kann, würde ich den Finger dafür heben.

Zur Person: André Pawlak wurde 1971 in Gelsenkirchen geboren. Als aktiver Fußballer spielte er in der Oberliga Westfalen. 2002 begann seine Trainer-Karriere im Nachwuchsbereich des FC Schalke 04 (bis 2010). Über die SG Wattenscheid 09, SSVg Velbert und den KFC Uerdingen landete Pawlak 2017 im NLZ des 1. FC Köln. 2019 wurde er nach der Entlassung von Markus Anfang (47) als Interimscoach zu den Profis befördert und feierte mit der Mannschaft den Aufstieg. Seitdem arbeitet er als Assistent im Bundesliga-Team. Vor seinem FC-Wechsel war Pawlak hauptberuflich als Sport- und Chemie-Lehrer tätig.

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