Patrick Russell spricht im EXPRESS.de-Interview über seinen Start in Köln, Leon Draisaitl und seinen Namensvetter George Russell aus der Formel 1.
„Hattrick-Patrick“ vor Heim-Dreierpack„Draisaitl hat mich tief beeindruckt“

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Patrick Russell jubelt mit Gregor Macleod. Die Haie haben einen Heimspiel-Dreierpack vor der Brust.
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Selten ist ein neuer Spieler bei den Haien so gut eingeschlagen wie Patrick Russell (32). Der dänische Stürmer führt mit zwölf Toren zusammen mit Sturmpartner Gregor MacLeod (27) die Scorerliste an und erzielte beim 5:0-Sieg gegen Dresden seinen ersten Dreierpack.
Und das pünktlich vor dem Heimspiel-Dreierpack gegen Augsburg (Freitag, 19.30 Uhr), Schwenningen (Sonntag, 18 Uhr) und Mannheim (Dienstag, 19.30 Uhr). Im Interview erklärt „Hattrick-Patrick“ seine Ziele mit den Kölner Haien und was ihn mit Leon Draisaitl (30) sowie Formel-1-Star George Russell (27) verbindet.
„Freddy ist mein Fahrer“
Als „Hattrick-Patrick“ müssen Sie es unseren Lesern mal erklären: Warum muss man im Eishockey die drei Tore nicht in einem Drittel erzielen, er ist aber genauso bedeutend wie im Fußball?
Patrick Russell: Drei Tore zu erzielen, ist immer schön und passiert nicht besonders oft. Ich kann mich nicht an meinen letzten Hattrick erinnern, von daher habe ich mich sehr gefreut. Es ist ein schönes Gefühl.
Ein Hattrick vor den eigenen Fans dürfte Ihnen viel Selbstvertrauen geben. Euer Ziel muss es nun sein, in die Top drei zu springen, oder?
Russell: Wir wollen jedes Eishockeyspiel gewinnen, besonders zu Hause vor unseren großartigen Fans. Unser Team ist stark und gut genug, um in jedem Spiel die Möglichkeit auf einen Sieg zu haben. Zu Hause spielen wir auch mit unseren Fans im Rücken mit einer Menge Selbstvertrauen, sodass unser Ziel sein muss, zu Hause die Spiele erfolgreich zu bestreiten.
Für Tore ist bisher vor allem Ihre Sturmreihe zuständig. Hatte Trainer Jalonen bei der Zusammenstellung ein goldenes Händchen?
Russell: Es wurde ein sehr guter Job gemacht, wir haben ein sehr gutes und harmonisches Team, was einander vertraut und die Stärken kennt – ich denke, dass wir zu den besten Teams der Liga gehören. Wir haben eine gute Tiefe, jede Reihe ist in der Lage, zu produzieren.
Wie wichtig war Ihr dänischer Kumpel Frederik Storm bei der Eingewöhnung?
Russell: Freddy ist der Grund, warum es meiner Familie und mir so leichtfiel, mich schnell an Köln und alles zu gewöhnen. Bevor ich die Entscheidung traf, nach Köln zu gehen, haben wir uns natürlich unterhalten. Ich habe in den Gesprächen nur Gutes über den Verein und die Stadt gehört – als ich dann hier angekommen bin, wurde all das bestätigt. Freddy ist zudem mein Fahrer, er holt mich jeden Morgen vor dem Training ab. So kann ich unser Auto bei meiner Frau und der Familie lassen. Wir hängen mehrfach die Woche zusammen mit den Familien ab, was uns allen sehr guttut.

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Die Haie-Stürmer Freddy Storm und Patrick Russell freuen sich schon auf Weihnachtsmützen.
Und im Auto auf dem Weg zum Training laufen dänische Lieder?
Russell: Wir hören viel dänische Musik und unterhalten uns auf Dänisch. Witzigerweise haben wir diese Woche aber das Genre geändert und sind nun bei Weihnachtsliedern angekommen.
Hat er Sie am 11.11. auch in den Kölner Karneval eingeführt?
Russell (lacht): Wir waren mit der Mannschaft unterwegs und hatten einen schönen Tag. Freddy und ich hatten 90er-Kostüme – durch das Kostüm hatte ich seit längerer Zeit mal wieder Haare auf dem Kopf, was sich gut angefühlt hat.
Apropos: Wie Sie trägt auch Goalie Janne Juvonen stolz Glatze. Von Ihnen kursiert der Spruch: „Dänen haben die schöneren Glatzen.“ Was hat es damit auf sich?
Russell: Den Spruch habe ich im Sommer aus Spaß mal herausgehauen, ohne ihn wirklich ernst zu meinen. Wobei, wenn ich in unsere Kabine schaue, dann ist es vielleicht doch nicht so verkehrt. Spaß beiseite. Es ist wichtig, sich nicht zu ernst zu nehmen.
Sie haben schon Meisterschaften gewonnen und wissen, was es dafür braucht. Haben die Haie die richtigen Spieler geholt und den Biss, um wieder einen ähnlichen Lauf wie vergangene Saison zu haben?
Russell: Wie schon gesagt, bin ich von der Tiefe des Kaders sehr angetan – offensiv wie defensiv. Das gibt uns die Möglichkeit, jedes Spiel mit Selbstbewusstsein anzugehen. Das Management hat einen sehr guten Job gemacht.
In Ihren Jahren bei den Edmonton Oilers haben Sie auch mit Leon Draisaitl zusammengespielt. Haben Sie weiterhin Kontakt, und wenn ja, erkundigt er sich nach deinen Eindrücken?
Russell: Leon war und ist ein außergewöhnlicher Spieler, aber auch Mensch. Wir haben immer noch viel Kontakt, ich frage ihn nach Tipps für die Stadt und er fragt mich, wie es mir in seiner Heimatstadt geht. Ich würde ihn als Freund bezeichnen. Was mich als Spieler an Leon immer am meisten beeindruckt hat, war die Art und Weise, wie er täglich arbeitet und schuftet – er war oft der Erste auf dem Eis und hat das Eis als Letzter verlassen. Das beschreibt seine Arbeitsmoral. Diese hat mich tief beeindruckt.
Mit Dänemarks Nationalteam haben Sie bei der Heim-WM im Mai Deutschland mit 2:1 nach Penalties aus dem Turnier gekegelt. Danach sind Sie Vierter geworden, war das Ihr bisher größter Erfolg?
Russell: Das war besonders, keine Frage, aber wahrscheinlich war der Viertelfinalsieg über Kanada noch bedeutsamer – daher würde ich diesen etwas höher einordnen. Gegen Deutschland sind es immer enge Spiele – ich würde sagen, dass beide Mannschaften auf Augenhöhe sind.
Bei der WM war Mo Müller nicht dabei. Aber gleich im ersten Olympia-Spiel kommt es zur Revanche. Haben Sie schon über diese Konstellation gesprochen?
Russell: Noch nicht wirklich, aktuell sind wir noch im Liga-Alltag und vor dem Februar kann eine Menge passieren. Deutschland und Dänemark treffen sich bei Olympia – ihr spielt in einer Gruppe mit Lettland und der USA.
Freuen Sie sich auf Olympia?
Russell: Auf jeden Fall – ich war 2022 schon bei Olympia, was damals aber stark von Covid und der Pandemie geprägt war. Von daher freue ich mich nochmal mehr auf diese Spiele, weil man dann erst wahrscheinlich so richtig den Spirit merkt.
Ihr Vater Allan Bonke war ja auch ein guter Eishockeyspieler, Ihre Schwester Emma spielt auch im Nationalteam, Ihre Frau ist Kanadierin, da haben Sie eine große Eishockey-Familie, oder?
Russell: Absolut. Mein Vater hat selbst auf gutem Niveau Eishockey gespielt, meine Mutter hat damals viel Taxi für uns als Familie gespielt und uns zu jeder Arena gefahren. Meine Frau hat auf dem College sehr gut Eishockey gespielt, sie hat eine kanadische Familie, da liegt es auf der Hand, dass sie alle eishockeyverrückt sind.
Warum heißen Sie eigentlich Russell und nicht Bonke?
Russell: Die Großmutter von mir mütterlicherseits hat japanische und englische Wurzeln und den Namen Russell. Den britischen Namen trage ich weiter.
Das führt übrigens zu einer witzigen Konstellation: Ihr Namensvetter George Russell hat ebenfalls die Nummer 63 auf seinem Mercedes. Er hat seine Initialen GR in seinem Logo in die 63 integriert. Wieso haben Sie die 63 gewählt?
Russell: Das ist tatsächlich Zufall. Es gibt keine Verbindung zwischen meiner Nummer und der von Rennfahrer George Russell. Der Grund, warum ich die 63 trage, ist das Geburtsjahr von meinen Eltern. Beide sind im Jahr 1963 geboren, weswegen ich die 63 als meine Nummer auserkoren habe.
Sind Sie Formel-1-Fan? Dänemark hat ja auch mit Jan und Kevin Magnussen ein heißes Vater-Sohn-Gespann.
Russell: Ich mag Formel 1 sehr gerne – prinzipiell gucke ich mir viele Sportarten im Fernsehen gerne an. Ich bin auch immer wieder gerne im Stadion des 1. FC Köln, Freddy ist ja auch ein großer Fußballfan. Jetzt am Samstag zum Spiel gegen Eintracht Frankfurt bin ich mit fünf Freunden beim „FC“ – ich war 2017 schon mal da und es hat mir direkt sehr gut gefallen. Es ist einfach eine richtig gute Stimmung, wie auch bei unseren Heimspielen. Apropos Heimspiele – dort wurden zuletzt immer wieder Stimmen laut, dass Sie Ihren Vertrag verlängern sollen.
Wie ist da der aktuelle Stand?
Russell: Die Haie-Fans können sich beruhigen (lacht). Mein Vertrag ist auch für die Saison 2026/2027 gültig und ich freue mich darauf, auch in der kommenden Saison zusammen mit den Fans auf Punktejagd zu gehen.

