„Das trifft uns knüppelhart“ Geisterspiele: Boss der Kölner Haie findet deutliche Worte Richtung Politik

Kölner Haie gegen die Augsburger Panther: Die Spieler der Kölner Haie feierten nach dem Sieg auf dem Eis.

Die Spieler der Kölner Haie blieben nach dem Sieg gegen die Augsburger Panther am 26. Dezember lange auf dem Eis, um sich von den Fans zu verabschieden.

Die Geisterspiele treffen die Kölner Haie erneut hart. Geschäftsführer Philipp Walter findet deutliche Worte in Richtung Politik.

Corona-Chaos im Sport: Über 50.000 Fans in der englischen Premier League, 3000 Fans im Ally Pally bei der Darts-WM und ab 28. Dezember 2021 Geisterspiele in Deutschland. Nicht ganz, denn Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sind ausgeschert. In Berlin sind im Freien und somit auch bei den Fußball-Heimspielen von Hertha BSC und Union Berlin 3000 Besucher zugelassen, zu den Basketballern von ALBA Berlin dürfen 2000 Fans in die Halle. In ähnlichen Dimensionen bewegen sich die Zulassungsraten für Hamburg (5000/2500), Schleswig-Holstein (1000/1000) und Baden-Württemberg (500/500).

In NRW bleibt es bei Geisterspielen. Die Kölner Haie erleben ein emotionales Gefühlsgewitter zwischen den Tagen. Am 26. Dezember 2021 waren noch 5000 Fans beim Sieg gegen Augsburg in der Lanxess-Arena, ab dem 28. Dezember bleiben die Tribünen leer. Im Interview mit EXPRESS.de spricht KEC-Geschäftsführer Philipp Walter (47) über die schwierige Situation und die finanziellen Herausforderungen.

KEC-Geschäftsführer Philipp Walter trägt eine Schiebermütze.

Haie-Boss Philipp Walter am 4. Oktober 2021 bei einer Pressekonferenz.

Am 26. Dezember 2021 gab’s noch ein Spiel vor 5000 Fans, am 28. Dezember steht dann ein Geisterspiel gegen Berlin an. Können Sie die harten Maßnahmen der Politik momentan verstehen?

Philipp Walter: Wir haben in den letzten zwei Jahren – und da spreche ich wohl für den gesamten Kölner Profisport als auch für viele Gastronomen und Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche – alle Maßnahmen vorbildlich umgesetzt. Wir haben sehr gut funktionierende Hygienekonzepte und x-fach unter Beweis gestellt, dass wir als Veranstaltungsprofis sehr gut in der Lage sind, verantwortungsvolle und sichere Events durchzuführen. Es gab keine Hotspots bei uns in der Halle. Die Arena hat eine gigantische Durchlüftung. Doch durchdachte Konzepte, einem sehr konstruktiven sowie regelmäßigen Austausch mit dem Gesundheitsamt und erfolgreiche Fakten scheinen nicht maßgeblich zu sein. Ich kann viele politische Vorgehensweise logisch nicht nachvollziehen. Das ist für alle sehr zermürbend.

Was hält Politiker davon ab, Menschen aus fast allen Branchen, die in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, handeln zu lassen? Als Geschäftsführer der Kölner Haie, eines mittelständischen Unternehmens, trage ich Verantwortung für rund 100 Menschen und deren Familien. Ich darf aber nicht agieren. Ich muss immer auf eine Pressekonferenz aus Berlin und Düsseldorf warten, in der mir gesagt wird, wie ich meinen Job zu machen habe. Stets geht es dabei um Angst und Sorge. Ich frage mich, wie können wir – vor allem auch für die Gesundheit der Menschen – aus diesem Hamsterrad der Angst aussteigen. Mir, meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zigtausenden Menschen in verschiedenen Branchen, wird im Prinzip die Kompetenz abgesprochen, dass wir verantwortungsvoll handeln können. Führung ist für mich Beteiligung und Transparenz.

Kölner Haie mit erheblichen finanziellen Einbußen

In den kommenden Wochen dürfen Sie keine Zuschauer in die Lanxess-Arena lassen – wie hart trifft das den KEC finanziell?

Walter: Das trifft uns knüppelhart. Wir generieren 80 Prozent unserer Einnahmen am Spieltag, durch Kartenverkäufe, Fanartikel, Spieltags-Sponsoring und VIP-Bereiche. Das Finanzielle ist das eine, das Emotionale das andere. Am 26. Dezember in der Halle war es nach Spielende sehr bewegend. Die Fans wollten nicht gehen, die Spieler wollten nicht gehen. Wir erleben Zuschauer, die sich penibel an die Regeln halten. Sie genießen diese Zeit in der Arena, auch mit anderen Menschen, das tut der Seele einfach richtig gut. Und das wird jetzt wieder pauschal verboten, ohne individuelle Bewertung. Viele hatten Tränen in den Augen. Da frage ich mich: Wie könnte es anders gehen? Wie können Menschen sowohl geschützt werden als auch in ihrer Widerstandsfähigkeit und Eigenverantwortung gestärkt werden?

Können Sie eine Summe nennen, was ein Geisterspiel für den KEC bedeutet an finanziellem Ausfall?

Walter: Pro Spiel verlieren wir einen sechsstelligen Betrag.

Wie können Sie die Einnahme-Ausfälle kompensieren?

Walter: Wir versuchen natürlich, Einsparungen vorzunehmen. Das gelingt auch. Unsere Partner stehen an unserer Seite, unsere Fans sowieso. Die Politik hat explizit versprochen die Coronahilfen Profisport zu verlängern. Die möglichen Fördermittel sind aber bereits in der letzten Saison ausgeschöpft worden und auf 1,8 Millionen Euro gedeckelt. Wenn der Deckel der Förderung jetzt nicht gleichzeitig erhöht wird, bekommt kaum ein DEL-Verein auch nur einen weiteren Cent. Das muss zügig passieren. Zumal aufgrund der europäischen Rechtslage derzeit sowieso nur weitere 500.000 Euro überhaupt möglich sind – das deckt bei uns nicht mal die Ausfälle von vier Heimspielen ohne Zuschauer.

Was sagen die Gesellschafter zur aktuellen Situation?

Walter: Unsere Gesellschafter stehen an unserer Seite. Dafür sind wir sehr dankbar. Das Verständnis für die generellen Zuschauereinschränkungen hält sich – vorsichtig formuliert – in Grenzen.

Viele Fans wollen Kölner Haien auch finanziell helfen

Wie reagieren die Fans?

Walter: Sie unterstützen uns, wo sie nur können. Unsere Fans sind großartig. Hier kann ich im Namen aller beim KEC nicht oft genug Danke sagen. Wir bekommen viele unterstützende Nachrichten. Viele sind wieder bereit, uns auch finanziell zu helfen.

Müssen Sie bereits gekaufte Tickets erstatten? Bekommen Dauerkartenkunden einen Teil des Geldes zurück? Wie kompliziert ist die ganze Rückabwicklung mit den Fans?

Walter: Bei den Dauerkarten machen wir nach der Saison „einen Strich drunter“, zählen zusammen, wie viele Spiele nicht besucht werden durften. Es gibt dann verschiedene Optionen, wie zum Beispiel eine Spende an den KEC oder eine Gutschrift für die kommende Dauerkarte. Tageskarten wickeln wir ab. Da arbeiten wir in erster Linie mit Gutscheinen, die viele Fans gerne annehmen. Das Abwickeln und Umorganisieren ist ein riesiger Aufwand. Erschwerend kommt hinzu – nicht nur für die Haie – dass die Beschlüsse oftmals noch schwammig formuliert sind und leider in aller Regel Tage vergehen, bis klar ist, was wirklich in NRW oder in Köln gilt und dann extrem kurzfristig umgesetzt werden müssen – teilweise innerhalb von Stunden.

Haben Sie eigentlich Informationen seitens der Politik, wie lange Geisterspiele nun wieder stattfinden müssen?

Walter: Nein, eine verlässliche Planung ist nicht möglich. Jedoch haben wir die Hoffnung, dass wir im Januar wieder mit Fans spielen dürfen. Aber, wie gesagt: Das perfekteste Hygienekonzept des Planeten hilft dir nicht, wenn der politische Wille nicht da ist.

Beim 1. FC Köln geht man davon aus, dass schnell wieder Fans ins Stadion dürfen, weil die Hospitalisierungsrate in NRW niedrig ist. Wovon gehen Sie aus?

Walter: Ich kann nur von Dingen ausgehen, die ich selbst steuern kann. Deshalb kann ich nur sicher sagen: Wir werden immer weiterkämpfen.

Welche anderen Maßnahmen als Geisterspiele fänden Sie von der Politik wünschenswert, um die Pandemie in den Griff zu bekommen?

Walter: Den Menschen Vertrauen zu geben und Kompetenz für ihr eigenes Leben zuzusprechen.

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