„Länger und intensiver“Reisende aufgepasst: GDL-Chef kündigt weitere Streiks im neuen Jahr an

Ein Zug der Deutschen Bahn steht auf einem Gleis.

Der GDL-Chef kündigte neue Streiks an. Bahnfahrende müssen sich auch im neuen Jahr auf Probleme mit der Bahn einstellen. (Foto: 7. Dezember 2023) 

Auch im neuen Jahr werden Bahn-Fahrgäste mit Streiks zu kämpfen haben. Der GDL-Chef kündigte bereits die Pläne für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel an.

Es sind schwere Zeiten für Bahn-Reisende. Erst der heftige Wintereinbruch, der zu zahlreichen Verspätungen führte, jetzt ein erneuter Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Bahn-Fahrgäste können jedoch nach dem Warnstreik nur kurz durchatmen und müssen sich bereits jetzt auf neue Streiks im kommenden Jahr einstellen.

GDL-Chef kündigt Streiks für 2024 an

Gewerkschaftschef Claus Weselsky hat schon einige Wochen vor Ende des Jahres 2023 weitere Arbeitskämpfe in Aussicht gestellt. „Wir werden am 19. Dezember die Urabstimmung auszählen und in der ersten Januarwoche auch nicht streiken, aber danach werden die Streiks länger und intensiver“, sagte der GDL-Vorsitzende am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk.

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Derzeit lässt die Gewerkschaft per Urabstimmung ihre Mitglieder über unbefristete Streiks abstimmen. Das Ergebnis wird für den 19. Dezember erwartet. Weselsky rechne dabei mit einer Zustimmung von rund 90 Prozent. Für unbefristete Streiks müssen mehr als 75 Prozent der Mitglieder zustimmen.

Lohneinbußen für Beschäftigte

Arbeitskämpfe können für die Beschäftigten ins Geld gehen. Das Streikgeld der Gewerkschaft gleicht in der Regel nur einen Teil der Lohneinbußen aus, die Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bei Arbeitskämpfen entstehen können.

Die GDL hat erneut zu Warnstreiks in der Tarifauseinandersetzung mit der Deutschen Bahn und anderen Bahn-Unternehmen aufgerufen. Der Aufstand begann am Donnerstagabend um 22.00 Uhr im Personenverkehr und soll am Freitag um 22.00 Uhr enden.

Fronten sind verhärtet - keine Lösung in Sicht

Ein Ausweg aus der Tarifmisere ist derzeit nicht erkennbar. Gut zwei Wochen ist es her, dass die GDL die Verhandlungen bei der Bahn hat scheitern lassen. Viel miteinander geredet wurde seither nicht. Die Fronten sind insbesondere beim Thema Arbeitszeitreduzierung verhärtet und die Verhandlungen sind festgefahren.

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Zudem will die GDL ihren Einflussbereich ausweiten und bei der Bahn auch für die Beschäftigten der Infrastrukturtochter DB Netz Tarifverträge abschließen. Die Bahn lehnt das ab und verweist auf die dort bereits existierenden Tarifregelungen mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). 

„Unkollegiales Verhalten“

Die Deutsche Bahn warnt wegen des Streiks der Lokführer vor überfüllten Zügen am Samstag. „Die Fahrkarten gelten ja flexibel auch zu einem späteren Zeitpunkt und wir rechnen natürlich damit, dass morgen die Züge dann auch entsprechend voller werden“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß am Freitagmorgen in Berlin. Der streikenden Gewerkschaft GDL warf er „unkollegiales“ Verhalten vor.

Zudem bestreike die GDL auch den Güterverkehr und damit Industrie und Wirtschaft. „DB Cargo versucht natürlich, so viele Züge wie möglich zu fahren, aber bei der Versorgung von Kraftwerken, von Hochöfen, von der Automobil- und Chemieindustrie, da kann es zu Verzögerungen kommen und es ist nicht auszuschließen, dass auch Fließbänder stillstehen.“

„Kein utopisches Ziel“

Die Tarifrunde zwischen Bahn und GDL hatte offiziell Anfang November begonnen. Die GDL fordert im Schichtdienst eine 35-Stunden-Woche - derzeit sind es 38 Stunden. Dieser Forderung möchte die Bahn nicht nachgehen und lehnt Verhandlungen zu diesem Thema ab. Begründet wird dies mit dem Fachkräftemangel, der die Umsetzung angeblich unmöglich macht.

Der Politologe und Gewerkschaftsexperte Wolfgang Schröder forderte derweil vom Bahnmanagement mehr Kompromissbereitschaft. „Was mich gewundert hat ist, wie apodiktisch sich die Bahnführung von Anfang an gegen die Arbeitszeitforderungen der GDL positioniert hat und damit die starke Polarisierung in diesem Konflikt erst ermöglichte“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die 35-Stunden-Woche ist kein utopisches Ziel.“ (dpa, da)