Ohrenschmalz: So reinigen Sie Ihre Ohren richtig.
Tabu im BadezimmerHNO-Ärzte warnen: Diesen Fehler machen fast alle im Ohr

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Eklig, aber auch ziemlich nützlich: Ohrenschmalz ist quasi das Selbstreinigungsprogramm des Gehörgangs.
Eklig! Allein das Wort Ohrenschmalz sorgt bei vielen für Gänsehaut. Dabei hat die gelb-braune Substanz einen zu Unrecht schlechten Ruf. Wir haben mit zwei Experten für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde gesprochen und die entscheidenden Antworten zur richtigen Pflege für euch.
In der Fachsprache heißt es Cerumen. HNO-Spezialist Bernhard Junge-Hülsing erläutert: „Was wir sehen, ist meistens eine Mischung aus dem Sekret, das Ceruminaldrüsen produzieren, und aus Hautschuppen“. Er beschreibt den Prozess weiter: „Und wie auf einem Fließband wird es von innen nach außen transportiert, wenn die Haut wächst.“
Mehr als nur Dreck: Die Schutzfunktion von Ohrenschmalz
Prof. Thomas Deitmer, ein HNO-Arzt, vergleicht es mit einer körpereigenen Creme. „wie eine pflegende Salbe, die der Körper selbst produziert“, erklärt er. Das Cerumen wirkt obendrein antibakteriell. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, betont daher: „Er ist also nicht irgendetwas Schmutziges“. Aber Vorsicht! Staut sich zu viel von dem Sekret an, entsteht ein Nährboden für Keime, besonders wenn es im Ohr feucht und warm ist. Das Resultat kann eine sehr schmerzhafte Entzündung des Gehörgangs sein.
Der Wattestäbchen-Mythos: Freund oder Feind im Ohr?
Viele Leute wollen das Ohrenschmalz unbedingt loswerden und greifen zum Wattestäbchen. Doch damit bewirken sie oft das genaue Gegenteil: Das Sekret wird nur weiter in den Gehörgang gedrückt. Im schlimmsten Fall entsteht über die Zeit ein fester Klumpen, der das Ohr komplett blockiert. Während zahlreiche HNO-Spezialisten generell davon abraten, hat Bernhard Junge-Hülsing eine etwas andere Meinung: „Wenn man das nach dem Duschen zwei- oder dreimal in der Woche macht und vorsichtig rangeht, ist es in Ordnung.“ Auch Thomas Deitmer stimmt zu, dass die Stäbchen am äußeren Gehörgang okay sind – vorausgesetzt, die Anwendung ist korrekt. Das bedeutet: Niemals tief hineinstoßen, sondern das Stäbchen beim Gebrauch leicht rotieren lassen. „Dann rotiert es ein bisschen und man schiebt das Ohrenschmalz nicht nach hinten, sondern wischt es aus dem Eingang heraus.“
Achtung, Gefahr! Wann Wattestäbchen absolut tabu sind
In zwei Situationen sind sich die Experten aber einig: Finger weg! Erstens, wenn das Ohr nach dem Schwimmen verstopft ist. Bernhard Junge-Hülsing warnt eindringlich: „Wenn man dann auch noch alles wie mit einem Pfeifenstopfer nach hinten schiebt, dann hat man verloren. Dann bleibt nur noch der Gang zum Facharzt“. Um Wasser loszuwerden, hilft es, auf einem Bein zu hüpfen. Zweitens sind die Stäbchen für Kinderohren tabu. Spezielle Baby-Wattestäbchen können das Ohr sogar Lage für Lage verstopfen, obwohl die Selbstreinigung bei Kindern meist ausreicht.
So reinigt ihr eure Ohren richtig – ganz ohne Hilfsmittel
„Eigentlich muss man gar nichts machen“, stellt Thomas Deitmer klar. Wer aber unbedingt reinigen möchte, kann Folgendes probieren, sofern das Trommelfell unversehrt ist: Die Duschbrause ans Ohr halten wie einen Hörer und mit lauwarmem Wasser spülen. Aber Achtung: „Natürlich nicht volle Pulle wie bei einem Hochdruckreiniger.“ Entscheidend ist, die Flüssigkeit anschließend durch Kopfschütteln oder Hüpfen wieder aus dem Ohr zu entfernen.
Gefahr im Ohr: Warum ihr von Sprays und Kerzen die Finger lassen solltet
Ohrensprays aus der Apotheke hält Deitmer für unnötig, da sie das Cerumen auch nur aufweichen. Lediglich bei extrem festsitzendem Schmalz kommen manchmal aufweichende Tropfen beim Arzt zum Einsatz. Eine noch größere Gefahr geht von Ohrenkerzen aus. „Davor raten wir als Verband definitiv ab“, betont Bernhard Junge-Hülsing. Die Wirkung sei fragwürdig und es bestehe das Risiko, dass heißes Wachs schwere Verbrennungen im Ohr verursacht.
Wann muss ich zum HNO-Arzt?
Bei Schmerz, Jucken, Ausfluss, Hörproblemen oder Schwindel solltet ihr immer eine HNO-Praxis aufsuchen. Junge-Hülsing fasst es knackig zusammen: „Wenn’s juckt, wenn’s läuft oder wenn’s stinkt.“ Auch wenn das Ohr nach dem Baden blockiert bleibt, ist der Gang zum Profi ratsam.
Schutz beim Baden: Sind Ohrstöpsel sinnvoll?
Muss man die Ohren beim Schwimmen schützen? „Kann man machen, muss man aber nicht“, meint Thomas Deitmer. Ohrstöpsel sind jedoch dann eine gute Idee, wenn Wasser im Ohr als störend empfunden wird, das Trommelfell sensibel ist oder eine Neigung zu Entzündungen besteht. „Die entstehen oft dann, wenn es im Ohr zu feucht ist.“ Wichtig zu wissen: Nicht das Wasser ist schuld, sondern die lange Feuchtigkeit im Ohr. Zur Vorbeugung hilft es, das Ohr nach dem Baden mit der Ecke eines Taschentuchs zu trocknen.
Und was ist mit den Haaren, die im Ohr sprießen?
„Man kann sie herauszupfen. Die Haare haben keine besondere Schutzfunktion“, so Junge-Hülsing über die oft im Alter auftretenden Ohrhaare. Wer es sich traut, kann sie auch im Barbershop mit Heißwachs entfernen lassen. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
