O2 will Funklöcher per Satellit für jedes Handy schließen
Kampf den FunklöchernO2 will mit Satelliten-Hilfe letzte Lücken im Handynetz stopfen

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa
Demonstrativ gute Laune von O2-Manager Jörg Kablitz und OQ-Chef Omar Qaise, die bei der Vorstellung ihres Vorhabens ein Modell eines Satelliten dabeihatten.
Funkloch-Frust bald Geschichte? O2 greift nach den Sternen – und Ihr Handy ist der Schlüssel. Kein Netz am Badesee oder mitten im Wald? Damit könnte bald Schluss sein. Ein deutscher Mobilfunk-Riese startet ein krasses Projekt mit Satelliten. Die Konkurrenz schaut zu – und hat dabei einen gewaltigen Nachteil.
Deutschlands große Telekom-Konzerne schauen ins All, um ihre Mobilfunknetze zu verstärken. Die Deutsche Telekom arbeitet dafür mit dem US-Datendienst Starlink zusammen, dessen Weltraum-Funk ab 2028 Empfang in Funklöchern sicherstellen soll. Konkurrent Vodafone hat dieses Jahr eine gemeinsame Firma mit dem US-Satellitenanbieter AST SpaceMobile gegründet, um All-Empfang zu ermöglichen – wann es hierzulande losgeht, ist unklar. Jetzt hat auch O2 Telefónica eine Kooperation mit dem Luxemburger Satellitenbetreiber OQ Technology verkündet. Anfang 2027 sollen Versuche in Mecklenburg-Vorpommern beginnen.
Getestet wird in einer Region bei Waren an der Müritz, direkt an der Mecklenburger Seenplatte. Dort sollen Lücken im O2-Netz per Satellitenfunk geschlossen werden. Dabei werden die herkömmlichen Mobilfunk-Frequenzen verwendet und nicht die speziellen Satelliten-Frequenzen (Mobile Satellite Service, MSS). Der große Pluspunkt: Auch normale Handys könnten so eine Verbindung bekommen und nicht nur sehr teure Spezialgeräte, die für Satelliten-Frequenzen ausgelegt sind – solche kostspieligen MSS-Geräte sind bisher selten.
Die Telekom und Vodafone bauen hingegen auf MSS-Frequenzen – ihre Kundschaft müsste also teure, neue Smartphones besitzen, um diese Zusatzfunktion verwenden zu können. Das alles ist aber sowieso noch nicht in trockenen Tüchern: Bisher kann sich noch kein einziger Kunde via Weltall mit den Netzen der drei etablierten deutschen Anbieter Telekom, Vodafone und O2 verbinden. Wenn es dann so weit ist, könnten mehr MSS-taugliche Smartphones auf dem Markt sein, die eventuell auch billiger werden.

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa
O2-Manager Jörg Kablitz und OQ-Chef Omar Qaise hoffen auf gute Verbindungen mit dem Weltall.
Notruf aus dem Nirgendwo, wenn gar nichts mehr geht
Die Funkverbindung aus dem Kosmos ist als Ergänzung zum Mobilfunknetz gedacht, um die allerletzten Funklöcher zu eliminieren – etwa auf Seen oder in Naturschutzgebieten. Zudem soll sie bei schlimmen Unwettern, weitreichenden Stromausfällen und ähnlichen Katastrophen für die Notfallkommunikation bereitstehen. Gedacht ist sie vorerst für Textnachrichten (SMS), Telefonate und kleinere Datenmengen, also für die Grundfunktionen der mobilen Kommunikation. „Der satellitengestützte Dienst kann die bestehenden Mobilfunknetze künftig ergänzen“, sagt das O2-Vorstandsmitglied Jörg Kablitz. „Dort, wo der Ausbau am Boden nur mit hohem Aufwand oder gar nicht möglich ist.“
Ähnlich äußert sich Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot zu den separaten Plänen von Vodafone. „Das Satelliten-Internet wird unsere Infrastruktur in abgelegenen Regionen optimal ergänzen“, sagt de Groot.
Die Satelliteninternet-Versuche von O2 und OQ finden auf der Erde in der Gegend rund um Waren an der Müritz statt. Sie könnten ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen. Wann O2 die Handys seiner Kunden mit dem Weltall-Internet verbinden könnte, ist ungewiss – das ist auch vom Resultat der Versuche abhängig.

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa
Das Modell eines Satelliten, der in echt gleich groß ist - also ziemlich klein, grob gesagt so groß wie ein Schuhkarton.
Was steckt hinter der Firma OQ Technology?
OQ Technology ist ein kleiner Anbieter, der aktuell nur fünf Satelliten im Weltall hat. Drei weitere Satelliten sind noch für dieses Jahr geplant. Die Satelliten selbst erreichen kaum die Größe eines Schuhkartons. Der Firmenname OQ leitet sich von den Anfangsbuchstaben des Gründers Omar Qaise ab. Die Satelliten können Warnmeldungen ausspielen, ermöglichen bislang aber keinen beidseitigen Datenverkehr, etwa Chats zwischen Menschen. Das soll sich ändern: Nächstes Jahr möchte OQ eine neue Generation von Satelliten starten, die das tun kann. Die Satelliten umkreisen die Erde in etwa 500 Kilometern Entfernung, was relativ niedrig ist.
Bis Ende 2027 sollen es 48 OQ-Satelliten sein. Dann käme eine Gegend der Erde alle 30 Minuten in Reichweite eines OQ-Satelliten, sagt Firmenchef Omar Qaise. Besonders in Notsituationen wären solche Verbindungen wichtig, sagt der deutsche Manager. „Vergangenes Jahr war das Handynetz in Luxemburg nach einem Cyberangriff ausgefallen - einen ganzen Tag konnte man nicht mobil kommunizieren: Zumindest alle 30 Minuten eine Verbindung zu haben wäre besser als nichts gewesen.“
2028 oder 2029 möchte OQ 150 Satelliten im Orbit haben. Damit wäre eine „kontinuierliche Abdeckung“ inklusive der Nutzung von datenintensiveren Anwendungen möglich, sagt Firmengründer Qaise - also nicht nur Text- und Sprachübertragungen, sondern auch Videoübertragungen etwa von Drohnen. Für Verbraucher bliebe das Nutzungslevel eher niedrig: Es geht nicht darum, dass sie beim Waldspaziergang dank Satelliten-Internet durchgängig Streamen können auf ihrem Handy, sondern dass sie überhaupt kommunizieren können.
„Es gibt großes Interesse an Live-Übertragungen von Drohnen - das wollen wir möglicherweise auch in dem Projekt mit O2 Telefónica unter Beweis stellen.“ Die Bandbreite auf dem Smartphone könne ein bis zwei Megabit pro Sekunde betragen, schätzt Qaise. Seine Firma hat derzeit 50 Beschäftigte und damit doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Ende 2026 sollen es 100 sein. Zum Umsatz macht die Firma nur vage Angaben: Man komme auf einen siebenstelligen Euro-Betrag pro Jahr, zuletzt sei es steil aufwärtsgegangen.

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa
O2-Logo am Düsseldorfer Standort des Telekommunikationsanbieters - dort war bis 2014 die E-Plus-Zentrale.
Europas Ass im Ärmel gegen die US-Konkurrenz
Wie sind die Perspektiven einer so kleinen Firma, die im Wettbewerb mit einem so großen Anbieter wie SpaceX mit dem Datendienst Starlink steht, der rund 10.000 Satelliten im Weltall hat? Bei der Antwort hierauf spielt OQ seine Trumpfkarte aus: „Wir sind zu hundert Prozent eine europäische Firma, wir betreiben die Satelliten aus Europa heraus, unsere Dienstleistung ist europäisch und wir nutzen eine Cloud aus Europa“, sagt Qaise.
Mit Blick auf den US-Konkurrenten Starlink sagt er: „Wir unterliegen nicht der US-Cloud-Regulierung, weil wir eine europäische Firma sind.“ Diese Regulierung verpflichtet Anbieter, US-Behörden Daten herauszugeben. Die EU-Kommission habe die Firma unterstützt, und OQ habe auch Finanzmittel von EU-Institutionen bekommen.
„Europa muss eine eigene, souveräne und interoperable weltraumgestützte Mobilfunkinfrastruktur aufbauen“, sagt Qaise. Die Zusammenarbeit mit O2 zeige, dass europäische Netzbetreiber und europäische Satellitenunternehmen gemeinsam Konnektivitätslösungen entwickeln können, die auf offenen Standards, lizenzierten Frequenzen und bestehenden Smartphones basierten. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
