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„Kratzt am Selbstbewusstsein“TV-Ermittlerin Susi Stach über Casting-Erfahrungen

Ein Mann mit grauen Haaren spricht in ein Diktiergerät, neben ihm stehen zwei Frauen und schauen gebannt zu

Copyright: ZDF/ Victoria Herbig

Packende Fälle, spannende Charaktere: Susi Stach (rechts) spielt in „Im Schatten der Angst“ an der Seite von Julia Koschitz und Jörg Schüttauf.

Sie spielt eine taffe Ermittlerin im ZDF, uns hat Susi Stach (65) erzählt, wie Frauen ab einem gewissen Alter in der Gesellschaft eher weniger stattfinden. 

Die Zeiten, in denen Frauen immer jung und schön sein müssen, sind noch nicht vorbei. Doch es werde besser, sagt die österreichische Schauspielerin Susi Stach, die am 9. März zur Primetime im ZDF als Irene Radek gegen Verbrechen kämpft. Vor 20 Jahren hätte sie in ihrem Alter keine Rolle mehr bekommen, sagt sie im Gespräch mit EXPRESS.

Als Kommissarin ist sie hart. Es zählen die Fakten. Dass der psychisch kranke Mörder (Stefan Gorski), den sie einst gefasst hat, geläutert sein könnte, ist für Susi Stachs Rolle Irene Radek im neuen Teil der „Im Schatten der Angst“-Reihe („Der Skorpion“, 9. März, 20.15 Uhr im ZDF, bereits jetzt in der Mediathek) ausgeschlossen. „Ich selbst würde immer eher das Positive annehmen und glaube an das Gute im Menschen“, sagt Susi Stach, die mit den Filmen „Planet Ottakring“, „Die Fälle der Gerti B.“ und „Der Metzger traut sich“ für die Romy nominiert war.

Susi Stach: „Serien-Hauptrolle in meinem Alter? Früher undenkbar!“

Dass sie als Schauspielerin mit 65 Jahren überhaupt „noch“ so aktiv sein kann, ist derweil nicht selbstverständlich. „Vor 20 Jahren wäre eine Hauptrolle in einer Serie in meinem Alter eher undenkbar gewesen.“ Das habe sich inzwischen verbessert. „Als ich angefangen habe, gab es eine Agentur, in die ich nicht gekommen bin. Die hat alle Frauen ab 40 rausgeschmissen. Mit dem Hinweis, sie seien nicht mehr vermittelbar“, erzählt sie. Trotzdem: „Film und Fernsehen tun sich schwer, Frauen ab 40 einzuordnen: ‚Ich kann dich nicht als alt besetzen, aber auch nicht mehr als jung‘“. Für Männer gebe es diese Schwelle nicht.

Ein generelles Problem: „Man wird von der Gesellschaft nicht mehr wirklich wahrgenommen. Ich habe es da noch gut, weil ich drehen und unterrichten darf.“ Stach ist Dozentin an der Privat-Uni für Musik und Kunst in Wien. Auch in Sachen Optik sind Frauen im Schauspiel anderen Erwartungen ausgesetzt: Wer Erfolg haben will, sollte am besten ausschauen wie ein Topmodel.

Eine Frau mittleren Alters mit offenen Haaren lächelt in die Kamera

Copyright: IMAGO/SKATA

Susi Stach (hier bei der Verleihung des österreichischen Film- und Fernsehpreises Romy 2022) ist wichtig, dass nicht nur Frauen im TV stattfinden, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

„Gerade in Hollywood sieht man, dass es nur ganz wenige Frauen gibt, die sagen: ‚Ich schau halt aus, wie ich ausschau. Und wenn ich alt werde, werde ich alt‘“, meint Stach. „Ich finde das aber wichtig, weil man sich als Zuschauerin denkt: ‚Irgendwas mache ich falsch‘.“ Sie sei froh, dass sie im Fernsehen stattfinde. „Ich habe von vielen Frauen die Rückmeldung, dass sie sich freuen, dass es jemanden gibt, der nicht normschön ist und keinen normschönen Körper hat.“

Dass sie früher eher als „Charakterdarstellerin“ (Stach: „Das Synonym für nicht normschön“) gecastet wurde, habe am Selbstbewusstsein gekratzt. „Ich erinnere mich an ein Casting, da hat der Regisseur nachher gesagt: ‚War ausgezeichnet, aber ich weiß nicht, als was ich dich besetzen soll‘. Wie, als WAS?“ Mit sich ist Stach völlig fein. „Und ich habe einen Partner, der noch großzügiger ist als ich. Wenn ich sage, ‚Ach, hier hängt es aber‘, sagt er: ‚Na und? Man wird halt alt.‘“

In der Miniserie „Vanished“ sucht Alice (Kaley Cuoco) nach Tom, der plötzlich spurlos verschwunden ist. Die Serie ist ab Freitag, 13. März in der ARD-Mediathek verfügbar. (Bild: AGC Studios/Fragile Film/MGM+/ARD Degeto Film/Bruno Calvo)

Wenn die große Liebe plötzlich verschwindet