Peter Maffay und seine Frau Hendrikje Balsmeyer haben mit uns über Gerede über den großen Altersunterschied, übers Leben auf der und für die Bühne und über Zuversicht in Zeiten von Kriegen gesprochen.
Peter Maffay„Wir verbraten Ressourcen, die unseren Kindern verlorengehen“

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Peter Maffay und seine Frau Hendrikje trennen knapp 37 Jahre. Sie sind seit zehn Jahren zusammen. Das Foto zeigt sie bei einer Preisverleihung in Leipzig 2024.

Er ist Deutschlands erfolgreichster Musiker, sie die taffe Geschäftsfrau und Autorin an seiner Seite. Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer sind seit mehr als zehn Jahren ein Paar. Sie hat kürzlich das Kinderbuch „Der unerwünschte Gast“ (ars edition, 16 Euro) veröffentlicht, das über Zöliakie aufklären soll.
Für Peter Maffay geht es ab dem 21. Juni auf Kurz-Tour – große Tourneen wird es für ihn nicht mehr geben. EXPRESS hat die beiden zum großen Doppel-Interview getroffen.
Peter Maffay: Musik wird aus meinem Leben nie verschwinden
Frau Balsmeyer, warum haben Sie ein Kinderbuch über Zöliakie geschrieben?
Hendrikje Balsmeyer: Ich kannte diese Begrifflichkeit lange nicht. Ich wusste, dass es Glutenunverträglichkeit gibt, aber Zöliakie war mir nicht bekannt, obwohl ich während meiner Studienzeit öfter in der Gastronomie gearbeitet habe. Und leider bin ich auch die Person gewesen, die dachte, dass das Vermeiden von Gluten eine Modeerscheinung sei. Mir tut das jetzt leid – wenn man Betroffene trifft, merkt man, wie schlimm es ist, wenn man nicht ernst genommen wird. Unsere kleinen Tochter hat einen besten Freund, dessen Schwester von Zöliakie betroffen ist. Wir leben in einem kleinen Ort mit 10.000 Einwohnern und haben neun Kinder mit Zöliakie in unserem näheren Umfeld, das ist relativ viel.
Herr Maffay, Sie haben sich vom Tourleben verabschiedet. Vermissen Sie es?
Peter Maffay: Ich habe entschieden, dass ich diese langen, ausgedehnten Touren nicht mehr will, zugunsten der kleinen Dame, die bei uns das Zepter übernommen hat (seine kleine Tochter Anouk, die Red.). Aber auch diesen Sommer spiele ich einige Konzerte, insgesamt elf. Das ist ein Maß, das ist verkraftbar für alle Beteiligten. Außerdem arbeiten wir gerade an einem neuen Album. Musik wird aus meinem Leben nicht verschwinden.
Wie verbringen Sie die gewonnene Zeit?
Peter Maffay: Aufstehen um 6 Uhr, Frühstück machen, mit unserer kleinen Tochter eine Runde quatschen, Pausenbrot machen und sie zur Schule bringen. Dann sind die ersten zwei Stunden schonmal um. Wenn ich zuhause bin, bin ich dann um 8 Uhr im Laden, wir haben ein Team von 15 Leuten, verwalten uns selbst, ich habe seit Jahrzehnten keinen Manager. Die haben mich alle nicht ausgehalten. Dann stecke ich noch in den Aktivitäten der Stiftung. Auf Gut Dietlhofen bauen wir gerade aus. Langeweile ist also nicht angesagt. Im Gegenteil, wir haben oft das Gefühl, dass der Tag nicht genug Stunden hat.
Frau Balsmeyer, Sie stehen inzwischen auch auf der Bühne. Was ist in der Hinsicht für Sie geplant?
Hendrikje Balsmeyer: Ich habe eine eigene Band, in der ich spiele. Allerdings machen wir nicht so viel Musik wie Peter, weil mein Fokus einfach woanders liegt, nämlich auf der Erziehung der Kleinen und auf dem Bücherschreiben. Aber auch Anouk entwickelt Interesse für Musik, das finde ich total toll.
Schauen wir mal in Ihre Vergangenheit, Herr Maffay. Gab es einen Punkt, an dem Sie merkten: „Das, was ich hier tue, kann etwas ganz Großes werden“?
Peter Maffay: Bei 1,68 Meter ist da irgendwo ein Limit … Ich habe es nie drauf angelegt, mir einen Sockel zu zimmern. Es hat sich ergeben, dass eine gewisse Popularität entstanden ist. Durch Stetigkeit, ein gutes Team, eine gute Band. Da habe ich Glück gehabt, mit Menschen zusammengekommen zu sein, die ihre Kompetenz eingebracht haben und die Summe dessen hat den Nährboden dafür geschaffen, uns über 50 Jahre zu tragen. Es war aber nie meine Absicht, in die Geschichte einzugehen. Ich liebe eine gewisse Normalität. Die Stiftung und die Arbeit mit den Kindern bestimmen unser Leben viel mehr.
Hält die Musik Sie jung?
Peter Maffay: Ja, absolut. Vielleicht ist das auch Zweckoptimismus (lacht). Nein, ich glaube schon, weil ich auch viel mit jungen Leuten zu tun habe. Wenn z. B. mein Sohn hinter mir steht, wenn wir spielen, spüre ich diese Energie. Und davon kriege ich was ab. Außerdem habe ich keine Lust, auf der Aschenbahn der Letzte zu sein.

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Peter Maffay, hier im Juni 2025 auf der Loreley in St. Goarshausen, ist der erfolgreichste Künstler in den deutschen Charts.
Anderes Thema: Ihre Kennenlerngeschichte mit Peter beginnt auf der Bühne …
Hendrikje Balsmeyer: Sie begann nicht wirklich auf der Bühne, aber das ist natürlich immer ein Bild, das sich medial schön erzählen lässt. Wir sind jetzt zehn Jahre zusammen und sehr glücklich. Ich hoffe, dass noch viele weitere Jahre folgen. Der Altersunterschied ist groß, aber ich denke, man kann inzwischen auch als Außenstehender davon ausgehen, dass wir eine Ernsthaftigkeit dahinter fühlen.
Gibt es da denn noch Gerede – vor allem auf Social Media?
Hendrikje Balsmeyer: Vielleicht, ich weiß es nicht, ich bekomme es nicht mit, weil ich nicht die Zeit habe, so oft Social Media Beiträge zu lesen. Und wenn ich dann doch mal negative Kommentare mitbekomme, prallt das an mir ab, weil ich es einfach nicht so ernst nehmen. Aber ich kann mir vorstellen, dass zum Beispiel Jugendliche und junge Erwachsene sehr viel mehr unter solchen Dingen leiden. Manche Aussagen kann man durchaus als Mobbing oder generell psychische Gewalt bezeichnen. Ganz schlimm finde ich, dass so etwas anonym passieren kann – ich finde, hier müssten Regularien gefunden werden, die so etwas erschweren oder gar unmöglich machen. Zum Beispiel, dass man nur posten und kommentieren darf, wenn man sich per Ausweis identifiziert. Manch einer würde sich dann zweimal überlegen, was er/sie so schreibt, wenn der Deckmantel der Anonymität wegfällt.
Herr Maffay, Sie sind jemand, der sich auch für Frieden einsetzt, sagen von sich, Sie seien Pazifist. Jetzt blicken wir auf die Welt und sehen so viel Krieg wie lange nicht.
Peter Maffay: Man hat das Gefühl, dass einige Wenige die Geschichte der Mehrheit der Menschen unausweichlich tangieren. Ich bin Pazifist, ein Wort, das kaum noch Erwähnung in unserem Sprachgebrauch findet und wenn, dann teilweise eher negativ konnotiert wird. Ich bin enttäuscht, wie Millionen andere auch, dass die Menschheit nicht in der Lage ist, nach gemachten Erfahrungen zu besseren Lösungen imstande ist, als sich gegenseitig umzubringen. Ich finde die Radikalisierung erschreckend, die autokratischen Systeme, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Ich dachte, wir wären auf einer besseren Spur.
Scheint nicht so...
Peter Maffay: Es hat keinen Sinn, nur zu lamentieren. Es hat Sinn, etwas zu tun. Und es gibt auch Beispiele, dass es auch anders geht, wenn man zum Beispiel an die Wahl in Ungarn denkt. Ein Hoffnungsschimmer, dass es nicht immer so geht wie manche es sich vorstellen. Das ist auch in der Ukraine nach fast vier Jahren Krieg erkennbar, dass man nicht einfach eine andere Nation niederbügeln kann. Das gibt mir Zuversicht, dass noch Energien da sind, den Hebel umzulegen. Aber ich muss zugeben, dass die Hoffnung nicht mehr so stark ist, wie sie mal war. Wir verbraten Ressourcen, die den kommenden Generationen verloren gehen. Das macht mich wütend. Die kleinen Menschen, die wir in die Welt gesetzt haben, verdienen besser als diese Umstände.

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Peter Maffay 2024 mit seinem Sohn Yaris.
Sie haben viel erreicht. Inklusive Bundesverdienstkreuz. Was steht noch auf der Wunschliste?
Peter Maffay: Der Abiturball meiner Tochter. Aber selbst wenn das nicht der Fall ist, habe ich nichts zu beklagen. Ich bin mehr als zufrieden mit dem Verlauf meiner Reise, wenn ich überlege, wo ich herkomme und aus welchen Verhältnissen. Ich kann nur dankbar sein. Ich versuche aber natürlich, etwas gegen die Verwesung zu tun.
Zum Beispiel?
Peter Maffay: Einigermaßen viel schlafen, wenig ärgern über unnötige Dinge, positive Energie aufbauen.
Sie haben es angesprochen: Vielleicht erleben Sie den Abiball Ihrer Tochter nicht mehr …
Peter Maffay: Vielleicht kann ich dann auch nur nicht mehr tanzen.
Sprechen Sie mit ihr darüber?
Peter Maffay: Nicht explizit, weil es in ihrem Alter – sie ist jetzt sieben – nicht so gut zu verkraften wäre. Aber es kommt das Alter, dass sie das schmerzhaft – vermute ich – verstehen lernen wird. Der Verlust eines Menschen ist vorgezeichnet und wir gehen alle diesen Weg – irgendwann. Der Tod gehört zum Leben.
Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer: Rekord-Rocker & Lehrerin
Peter Maffay (geboren am 30. August 1949 als Peter Alexander Makkay in Brașov, Rumänien) begann, nachdem er 1968 wegen zweimaligen Sitzenbleibens das Gymnasium verlassen musste, eine Lehre als Chemigraf (heute: Mediengestalter), brach aber ab, um Musiker zu werden. Erste Erfolge 1970 mit dem Schlagersong „Du“, später der Stil-Wandel zum Deutschrocker. Dem Album „Steppenwolf“ gelang ein damaliger Verkaufsrekord (ging 1,6 Mio mal über die Ladentheke). Maffay hält bis heute den Rekord für die meisten Nummer-Eins-Alben in Deutschland (20 Mal auf Platz 1 in den Album-Charts, 13 Alben verkauften sich mehr als 1 Mio Mal). Einzelne Konzerte hatten bis zu 120000 Besucher. Im Juli 2024 verabschiedete er sich von großen Tourneen. Hendrikje Balsmeyer (39) ist die fünfte Ehefrau von Maffay. Die Lehrerin aus Halle (Saale) war früher Fan des Sängers. Heute arbeitet sie in seiner Stiftung und als Autorin. Sie haben zusammen eine Tochter (7). Maffay hat einen weiteren Sohn (Yaris, 22) und eine Tochter (Nina, 42).
