Wie schlagen sich die WM-Teams der Sender? Wir haben hingesehen: Die ARD lässt einen Mann im Regen stehen, im ZDF wird's sym-“badisch“, und Magenta TV stellt den neuen Bundestrainer.
Schweinsteiger mit der Tiefe eines WandtattoosDie WM-Experten im Check

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Sender-übergreifendes Experten-Treffen, auch bei der XXL-WM läuft man sich eben über den Weg, von links: Jürgen Klopp, Thomas Müller and Bastian Schweinsteiger. (Bild: 2026 Getty Images/Alexander Hassenstein)
Man hat sich ja schon dran gewöhnt: Bei jedem Fußballereignis stehen inzwischen gefühlt mehr TV-Expertinnen und -Experten an der Seitenlinie und im Studio als Spieler auf dem Feld. Aber mehr ist bekanntlich mehr, und deshalb schicken die Sender passend zur XXL-WM ein XXL-Aufgebot: 20 Leute sind am Start, Kommentatoren und Vor-Ort-Reporter nicht mitgerechnet. Trainer, Innenverteidiger, Bestseller-Autoren und ein Radio - alles dabei. Wir haben die Auftritte analysiert.
Robin Gosens, Malte Völz und Alex Schlüter (ARD): Die im Regen stehen

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Esther Sedlaczek bringt einiges mit, was Experte Bastian Schweinsteiger abgeht. (Bild: 2026 Getty Images/Alexander Hassenstein)
Beim Vorrundenspiel Frankreich - Irak übertrieb es die FIFA mit der „Hydration Break“: Mehr als zwei Stunden wurde die Partie unterbrochen, weil es schüttete und gewitterte. Gosens und Völz versuchten im ARD-Studio, die Zeit mit Dehnübungen zu überbrücken. Alex Schlüter bewies derweil im Starkregen vorm deutschen WM-Quartier Nehmerqualitäten. Kann mal jemand bei der Grimmepreis-Jury anrufen?
Halil Altıntop (Magenta TV): knackiger Kurzauftritt

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Hatte alles, was eine Expertin braucht, nur einmal kein Haarband: Tabea Kemme. (Bild: 2026 Getty Images/Alexander Hassenstein)
Wurde vom Exklusiv-Rechte-Inhaber extra geholt, um die Spiele der türkischen Nationalelf zu analysieren. Der Job hatte sich dann nach der Vorrunde erledigt. Das unerwartete WM-Aus seines Teams kommentierte Altintop mit Wut im Bauch, Tränen in den Augen und auf den Punkt: „Ballverlust, Umschaltmoment, Ordnung verloren, zack, es klingelt.“ Darf sich schon mal warmmachen für die EM 2028.
Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger (ARD): Wie Yin und Yang
Esther Sedlaczek punktet auch bei der WM mit Fokus, Präzision, Wortgewandtheit. Also mit Fähigkeiten, die ihrem TV-Partner Bastian Schweinsteiger völlig abgehen. Der griff bei seinem Kommentar zur Spielweise der afrikanischen Teams bis zum Ellbogen in die Kloake. Und seine Analysen haben häufig auch nicht viel mehr Aussagekraft als ein Wandtattoo. Dafür singt er leidenschaftlich die Hits im Stadion mit und zeigte Laufbereitschaft, als er vorm Viertelfinale Frankreich - Marokko am Superstau vorbei zum Stadion joggte. Wäre vielleicht einer fürs DFB-Mittelfeld. Mag aber offenbar seine augenblickliche Aufgabe an Esthers Seite: „Ich hab' doch hier mit dir bei der ARD den schönsten Job der Welt.“
Tabea Kemme und Laura Wontorra (Magenta TV): Vom Winde verweht

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Beim ZDF starteten (von links) Katrin Müller-Hohenstein, Per Mertesacker, Christoph Kramer, Christian Streich und Jochen Breyer gut gelaunt in die Fußball-WM. (Bild: ZDF)
Kemme und Wontorra - da war doch was? Richtig: Beim EM-Spiel der Österreicher gegen die Türkei 2024 teilten sich die beiden einen Regenschirm, Wontorra nannte ihre Kollegin zärtlich „Schätzchen“. Irgendjemand bei Magenta TV hat sich rechtzeitig zur K.-o.-Runde daran erinnert, befreite die Ex-Fußballerin aus dem ziemlich überflüssigen „Breakfast Club“ und schickte sie nach New York zur Moderatorin auf die Dachterrasse. Gut so! Zwischen den beiden stimmt einfach die Chemie. Wontorra ist neben Kemme deutlich entspannter als neben den Alphatierchen Klopp, Hummels und Müller. Das Ergebnis: pointierte Analysen ohne lästige Gockelei. Nur eine kleine Bitte an die Maske: Hört auf Taktikfuchs Jan Henkel und gebt den Ladys beim nächsten Wind in New York einfach Haargummis!
Jan Henkel (Magenta TV): Taktik ist alles. Und alles ist Taktik.

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2014 wurden sie gemeinsam Weltmeister, nun analysieren sie die WM für Magenta TV: Thomas Müller (links) und Mats Hummels. (Bild: 2026 Getty Images/Al Bello)
Apropos Jan Henkel. Der analysiert bei dieser WM alles weg, was sich bewegt. Den Hund auf der VIP-Tribüne (Instagram-Star „Brodie“). Und die Laufwege der fünf Ordner, die beim Spiel Belgien - Senegal den „Messi der Flitzer“ (25 km/h Höchstgeschwindigkeit, rund 150 gelaufene Meter) niederstreckten: „Es geht um Intensität, um Pressingverhalten, Schwarmverhalten, es ist alles drin.“ Der Mann hat's einfach drauf. Darf gerne künftig auch das Wetter vorhersagen, „Wetten, dass ...?“ moderieren und die Deutsche Bahn sanieren.
Jürgen Klopp (Magenta TV): Bitte gib mir nur ein Wort
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Ein Wort sagt oft mehr als hundert Sätze. Da drohte zum Beispiel so rund 337 v. Chr. Philipp II. von Makedonien den Spartanern, ihre Stadt zu vernichten, wenn er sie erobern würde. Die Antwort der Spartaner: „Wenn.“ Philipp marschierte nie ein.
Jürgen Klopp hängte an seine Feststellung, es sei ja nun einmal Julian Nagelsmann für die Aufstellung der DFB-Elf zuständig, ein verhängnisvolles „noch“. Schlagzeilen und Internet-Klicks waren ihm sicher. Der Job des Bundestrainers ist es wahrscheinlich auch. Und wie ist er sonst so als Experte? Launig, kompetent, manchmal allerdings nur schwer zu verstehen, weil sein neues Gebiss zu groß für sein abgemagertes Gesicht ist. Wo ist nur der „Harry Potter des Fußballs“ hin? Irgendwie war's mit ihm 2006 an der Seite von Urs Meier netter.
Thomas Müller (Magenta TV): Es müllert auch neben dem Spielfeld
Wo Klopp ist, war Müller nicht weit - also wenigstens so lange, bis er wieder zum Training seiner Whitecaps in Vancouver antreten musste. Seine Verpflichtung als Experte: ein Geniestreich! „Radio Müller“ sendete meinungsstark und treffsicher. Und sorgte nebenbei wie schon als Raumdeuter für unerwartete Momente, etwa als er am Spielfeldrand mit ARD-Experte Schweinsteiger kuschelte. Dazu konterte er lässig Laura Wontorras Vorwurf, er sei ein Besserwisser: „Ich weiß es nicht besser. Ich weiß es anders.“ Den Satz sollte man sich fürs nächste Gehaltsgespräch merken.
Christian Streich (ZDF): Bob Ross der Taktiktafel
Luschtige Idee vom Zweiten, den Chrischtian Streich zu engagieren. Gibt es eigentlich einen ZDF-Zusatzkanal mit Untertiteln für die Zuschauer jenseits von Baden? Egal. Mundart ist ja was Schönes. Allerdings: Die mit Streich neu formierte Viererkette der Mainzer harmoniert in etwa so gut wie die Abwehr der DFB-Elf. Zum einen stört der „Kulttrainer“ die Dynamik zwischen Kramer und Mertesacker. Zum anderen verwirrt er mit seinen Hochgeschwindigkeitsanalysen an der magnetischen Taktiktafel. So ein bisschen ist das, als würde man Bob Ross dabei zusehen, wie er einen Laubwald pinselt - nur in 15-facher Geschwindigkeit. Streich ist kein schlechter TV-Experte, aber es gäbe viel bessere Jobs für ihn. Bundespräsident zum Beispiel. Oder Bundestrainer. Aber da ist ja nun ein anderer im Gespräch. Noch.
Mertesacker und Kramer: Bis einer weint
Die Mainzer Antwort auf Waldorf und Statler brauchte in etwa so lange wie die belgische Mannschaft, um ins Turnier zu finden. Dann aber entwickelte sich zwischen den beiden ein echtes Elfmeterdrama. Mertesacker zitierte nämlich eine goldene Regel: „Lasse nie einen Innenverteidiger Elfmeter schießen.“ Kramer wollte die Regel nicht unterstreichen. „Es gibt keine Statistik, dass Innenverteidiger weniger treffen als Stürmer.“
In der folgenden Sendung zeigte sich allerdings: Es gibt da eben doch eine entsprechende Statistik, Kramer musste also zugeben: „Wenn wir kleinkariert sind - und das bist du häufig - hast du recht.“ Beharrte aber wortreich darauf, dass Innenverteidiger trotzdem keine schlechteren Elfmeterschützen sind. Mertesacker, um seinen Triumph gebracht, wurde da schmallippiger als Julian Nagelsmann. „So ist das bei uns“, freut sich Katrin Müller-Hohenstein, „bis einer weint.“ Oder einer zum DFB wechselt ...
Mats Hummels (Magenta TV): Führt eine scharfe Klinge
Hummels ist der schönste und klügste aller TV-Experten. Findet er mindestens selbst. Hält in kurzen Hosen modisch auf alle Fälle mit den Haute-Couture-gestylten Stars der „Équipe tricolore“ mit. Überzeugte viele Zuschauer außerdem mit seinen messerscharfen Analysen und der erfrischenden Eigenschaft, kein Blatt vor den hübschen Mund mit dem Musketierbärtchen zu nehmen. Legte zum Beispiel nach dem deutschen WM-Aus knallhart den Finger in die Wunde und einigen etablierten Spielern den Rücktritt nahe. Wie man sich ehrenvoll zurückzieht, hat er schließlich 2018 vorgemacht ... oh, warte. (tsch)
