Nachdem er seinen politischen Rückzug angekündigt hatte, stand Robert Habeck am Mittwoch Markus Lanz in dessen Sendung Rede und Antwort. In seinem Podcast „Lanz & Precht“ äußerte der ZDF-Talker nun Verständnis für den Ex-Vizekanzler.
„Der will kein Mitleid!“Markus Lanz nimmt Robert Habeck in Schutz

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„Auf einer ganz persönlichen Ebene“ kann Markus Lanz (Bild) die Entscheidung von Robert Habeck nachvollziehen. (Bild: ZDF / Christian Bruch)
Aktualisiert29.08.2025, 12:24
Markus Lanz fühlt sich überfordert von der „Atemlosigkeit dieser Welt“. In der aktuellen Ausgabe seines Podcasts „Lanz & Precht“ klagt der ZDF-Moderator: „Du hast das Gefühl, du kommst mit nichts mehr mit. Alles geht so unfassbar schnell, was morgens noch wichtig war, ist mittags schon völlig egal.“
Auch der politische Rückzug von Robert Habeck habe ihn überrascht. Amüsiert sei Lanz indes von einem Vergleich gewesen, den die „Zeit“ nach Habecks Besuch in seiner Talkshow gezogen habe: In dem Artikel sei Habeck als „der ewige Richard David Precht der politischen Selbstreflexion“ bezeichnet worden.
„Mhm“, scheint Lanz' Podcast-Partner Precht nicht sonderlich angetan. „Du kennst ja mein Verhältnis zu Robert Habeck. Insofern kann ich dieser Metapher wenig abgewinnen“, ärgert sich der Philosoph und spricht gar von einer „kleinen Kränkung“. Lanz beschwichtigt: „Das ist ja humorig gemeint. Ich fand es interessant. Wie er sich zurückzieht, ist ja durchaus auch umstritten.“
Precht: Rückzug „keine tolle Geste“ von Robert Habeck
Habeck habe „das Vertrauen der Leute“, die ihn gewählt haben, fährt Lanz fort. „Die verlassen sich darauf, dass du sie jetzt vertrittst und deinen Job machst im Bundestag. Und dann darf man sich selbstverständlich auch nicht zu fein sein für die zweite Reihe.“
Das sieht Precht ähnlich: „Genau! Oder man tritt nicht an.“ Der Podcaster erinnert daran, dass der ehemalige Vizekanzler „einen Mörderwahlkampf gemacht“ habe: „Und dann hast du ein halbes Jahr später keine Lust mehr auf den Job, weil du jetzt nicht mehr im Ministersessel sitzt, sondern wie ein Zombie durch die Flure schleichst und den eigenen Machtverlust jeden Tag vor Augen hast.“

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Markus Lanz hält nichts von Richard David Prechts (links) „Biestigkeit gegenüber Robert Habeck“. (Bild: ZDF / Christian Bruch)
Dass dies „kein schönes Gefühl“ sei, könne Precht durchaus nachvollziehen. „Aber er hätte sich auch eine spannende Aufgabe suchen können, die er dann in Ruhe in der Zeit beackern will. Ich finde, das ist gegenüber den Menschen, die ihn gewählt haben, jetzt keine tolle Geste.“
Markus Lanz scheint Prechts Aversion nicht ganz teilen zu können. „Ich bin da sehr ambivalent“, verrät der Polittalker und führt an, großen Respekt vor Akteuren wie Jürgen Trittin und Armin Laschet zu haben, die auch abseits von Spitzenpositionen ihren politischen Platz gefunden hätten. „Davor ziehe ich meinen Hut“, betont Lanz. „Ich verstehe aber auch Robert Habeck. Das muss ich wirklich sagen, auf so einer ganz persönlichen Ebene.“
Anders, als teilweise berichtet werde, wolle Habeck „kein Mitleid und der ist auch nicht selbstmitleidig“, stellt der Journalist klar. „So habe ich das überhaupt nicht wahrgenommen. Aber da ist jemand, der hat so eine Packung abgekriegt. Ich kann auf einer ganz persönlichen Ebene verstehen, dass du nach 20 Jahren in dieser Mühle sagst: 'Ich muss da jetzt einfach mal raus.'“
Söder und Habeck „haben sich in gewisser Hinsicht verdient“
„Der Mann wollte Kanzler werden!“, ereifert sich indessen Richard David Precht. „Und jetzt will er nach 20 Jahren in der Mühle einfach nur abhauen? Das passt doch nicht zusammen!“ Während Lanz über Prechts „Biestigkeit gegenüber Robert Habeck“ lacht, poltert der weiter: „Wenn du dich bewirbst, Bundeskanzler zu werden, und dann gehst du nach dem Motto 'Nach 20 Jahren bin ich durch' - dann hätten wir einen Bundeskanzler gewählt, der durch ist.“
Das sieht Markus Lanz anders. „Er hat ja auch Humor, er sagt, er habe ein Top-Angebot gemacht, aber die Nachfrage war nicht so dolle. Das ist ja eine andere Situation, wenn du gewählt wirst.“
Bemerkenswert findet der 56-Jährige die „sehr originellen Formulierungen“, mit denen der Grünen-Politiker jüngst in einem „taz“-Interview CSU-Chef Markus Söder und dessen „Wurstgefresse“ bedacht hat. „Jemand wie Söder macht damit Kulturkampf. Und Robert Habeck war sozusagen der härteste Gegner in diesem Kulturkampf - und hat ihn am Ende dann auch verloren. Ich hatte das Gefühl, da ist jemand, der wahnsinnig desillusioniert über das System ist.“
Diese Einschätzung erstaunt Richard David Precht: „Echt? Das wäre er aber nicht gewesen, wenn er die Wahl gewonnen hätte.“ Was Söder und Habeck angehe, wolle er „keine Partei ergreifen“, stellt der 60-Jährige klar. „Ich würde nur sagen: Die haben sich in gewisser Hinsicht verdient.“ (tsch)