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Marietta Slomka spricht über ihre Politiker-Interviews„Auf dem Niveau sind wir inzwischen angekommen“

Marietta Slomka feiert im „heute journal“ bald 25. Dienst-Jubiläum. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)

Marietta Slomka feiert im „heute journal“ bald 25. Dienst-Jubiläum. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)

Kurz vor ihrem „heute journal“-Jubiläum tritt Marietta Slomka Unterstellungen entgegen, ihre Fragen an Politiker seien bisweilen zu hart oder parteiisch. Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nimmt sie besorgt zur Kenntnis - ebenso die Veränderung der Umgangsformen.

25 Jahre „heute journal“ runden sich für Marietta Slomka mit der Sendung am 29. Januar. Die ZDF-Moderatorin hat sich in der langen Zeit einen Ruf als harte Interviewerin in ihren Gesprächsschalten erarbeitet. Kritik für ihre Fragen bekomme sie von allen Seiten des politischen Spektrums, sagte Slomka nun in einem Interview mit der Zeitschrift „Hörzu“ anlässlich ihres bevorstehenden Dienst-Jubiläums. Dabei sei ihr Parteilichkeit völlig fremd.

„Wenn ich bei politischen Interviews den 'gegnerischen Hut' aufsetze, was ich eigentlich immer mache - das entspricht ja meiner Rolle -, gibt's gern auch mal Beschwerden“, erklärt die 56-Jährige. „Befrage ich etwa Vertreter der SPD kritisch, ärgert das manche, die sich mit den Sozialdemokraten sehr verbunden fühlen. Befrage ich am nächsten Tag CDU- oder FDP-Vertreter kritisch, kann man sich ziemlich sicher sein, dass es auch von dieser Seite in irgendeiner Form Kritik gibt - nach dem Motto, da wäre doch wohl ein Interviewpartner von einer Journalistin mit linksgrünen Sympathien angegangen worden.“

Neu sei, „dass systematisch behauptet wird, wir, also der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk, seien parteilich“, ärgert sich Slomka. Vorwürfe wie „linksgrünversifft“ kämen „aus einem ganz bestimmten, sehr radikalen Spektrum“. Damit werde versucht, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu diskreditieren und ihm die Glaubwürdigkeit zu nehmen. Bislang sei das ihrer Beobachtung nach noch nicht gelungen. „Aber dieses Gift, das da einträufelt, das ist natürlich schon zu spüren.“

Marietta Slomka: „Diese laufende Verrohung macht natürlich auch etwas mit der Öffentlichkeit“

Im Zusammenhang mit den sich verändernden Umgangsformen erinnert sich die ZDF-Journalistin an einen Eklat, den Alice Weidel 2017 provozierte, als sie vorzeitig eine Wahlsendung verließ. Slomka: „Ihr Sprecher hatte dann innerhalb von Sekunden ein Facebook-Posting parat, das mich attackierte.“

Slomka sorgt sich: „In dem Stil ist auch Trump unterwegs, der kürzlich eine Journalistin, die ihm eine kritische Frage bei einer Pressekonferenz stellte, anherrschte: 'Quiet, Piggy' - 'Schweig, Schweinchen'. Auf diesem Niveau sind wir inzwischen angekommen, und diese laufende Verrohung macht natürlich auch etwas mit der Öffentlichkeit.“

Auf die Frage, ob sie eigene Interview-Fragen bisweilen im Rückblick zu hart fand, antwortete Marietta Slomka mit einem klaren Nein. Schließlich habe sie es mit Profis zu tun: „Die Politik ist wirklich ein brutales Geschäft, in dem viele scheitern, insofern sind die Spitzenleute keine zarten Seelen, die wir mit Wattebäuschen bewerfen müssen. Und ich glaube auch nicht, dass ich in Interviews unfair oder unsachlich war.“ (tsch)