Welche Themen werden in der Bütt behandelt? Worüber können die Jecken bei den Sitzungen in dieser Session lachen? Welche Witze zünden besonders gut? EXPRESS.de präsentiert den Bütt-Check 2026.
Bütt-Check 2026Über diese Themen lachen die Jecken in der Session

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Für Ingrid Kühne stehen besonders emotionale Wochen an. Die Rednerin hört nach der Session im Kölner Karneval auf. Sie präsentiert nun ihre Abschiedsrede.
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Die Reden sind das Salz in der (Karnevals-)Suppe. Auch wenn in der fünften Jahreszeit ausgelassen gefeiert wird, hören die Jecken den Vorträgen aus der Bütt besonders gern zu.
Im Karneval wird zwar gern die Rednerkrise ausgerufen. Es gibt aber noch einige Spitzenkräfte, die das Publikum zum Lachen bringen. EXPRESS.de hat neun besonders populäre Bütt-Stars beim Auftritt verfolgt. Überall gab es am Ende stehende Ovationen.
Bütt-Check 2026: Neun Reden für die neue Session
Auch wenn jeder seinen ganz besonderen Stil pflegt, gibt es doch Parallelen. Die politische Lage verlangt den Spezialisten mit der spitzen Zunge einiges ab. Viele reagieren schnell und bauen aktuelle Ereignisse ins Programm ein.
Es gibt Themen, an denen sich gleich mehrere abarbeiten: Der Zustand der Bundeswehr, Donald Trumps Verhalten, die chaotische Bundesregierung oder Künstliche Intelligenz sind beliebte Zielscheiben für die scharfen Reden.
Ein beliebtes Gesicht befindet sich derzeit auf Abschiedstournee. Ingrid Kühne wird nach der Session 2026 nicht mehr in den Karnevalssälen auftreten. Sie hat genug von teils respektlosen Sitzungsgästen und möchte sich auf ihre Soloprogramme konzentrieren. „Für mich ist das im Moment alles ziemlich emotional“, gestand sie.
Diese Themen werden behandelt, diese Witze werden gemacht. Das unterscheidet die Rednerinnen und Redner. EXPRESS.de präsentiert den Bütt-Check 2026:
Guido Cantz
Programm: Der Fernsehmoderator und Komiker ist seit mehr als drei Jahrzehnten ein fester Bestandteil im Karneval. Abnutzungserscheinungen zeigt der Mann mit der blonden Frisur und dem roten Anzug aber beileibe nicht. Wenn der 54-Jährige einen Saal betritt, blüht er auf.
In diesem Jahr arbeitet er sich am Plan der Kölner Stadtverwaltung ab, Spielplätze in Spiel- und Aktionsflächen umzubenennen, und macht sich Gedanken, welche Begriffe noch geändert werden müssten. Die teure Sanierung der Kölner Oper, KI und Chat-GPT nimmt er ebenfalls aufs Korn.

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Nur echt mit eigenem Mikrofonschutz. Komiker Guido Cantz ist wieder in Topform.
Kostprobe: „Man hört wieder Sätze, die man lange nicht mehr gehört hat. Da kommen alte Leute auf mich zu und fragen: ‚Herr Cantz, was machen wir denn, wenn der Russe kommt?‘ Ich sag’ dann: ‚Der Russe kann gar nicht kommen. Wir haben Landesverteidigung durch Brückenschäden. Wie soll der herkommen?‘“
Speziell: Cantz ist Spezialist darin, mit dem Publikum zu interagieren. Wer während der Rede auf die Toilette geht, muss damit rechnen, ins Programm eingebaut zu werden. „Ich wache morgens auf und habe schon 3000 Schritte auf meiner Uhr, weil ich nachts auch so oft raus muss.“ Orchester, Elferrat, Servicepersonal – der Porzer hat alle im Saal im Blick.
Ingrid Kühne
Programm: In ihrer Abschiedssession zeigt sich die 57-Jährige noch einmal in Bestform. Ihr Credo: „Man kann nicht, wenn man schlecht gelaunt ist, lustig sein. Unsere lebenserhaltenden Maßnahmen sind tolle Karnevalsveranstaltungen. Bewahrt euch das Lachen. Seid gut gelaunt, ärgert euch nicht so oft.“
Sie spricht bei ihren Alltagsbeobachtungen über ihren Mann Ralf, den 27-jährigen Sohn Sven und Vater Alfred. Vergesslichkeit im Alter und Geburtstagsfeiern, die inzwischen als Sitzrunde im Wohnzimmer stattfinden, bringt sie perfekt und brüllend komisch mit ihrem bodenständigen Witz rüber.

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Ingrid Kühne spricht in ihrem letzten Karnevalsprogramm über die Vergesslichkeit im Alter und sorgt damit für Schnappatmung beim Publikum.
Kostprobe: „Mein Vater hat eines Tages zu mir gesagt: ‚Ingrid, tust du mir einen Gefallen? Wenn ich mal sterbe, machst du die Beerdigung dann morgens um 6 Uhr?‘ Ich sage: ‚Warum?‘ Darauf er: ‚Da sind sie alle noch mal richtig sauer, weil sie früh aufstehen müssen.‘“
Speziell: In ihrer letzten Session verteilt die Rednerin Schokoladentäfelchen. Darauf steht „Man sieht sich.“ Daneben führt ein QR-Code zu den Terminen ihrer Tour. Denn der Bühne bleibt „De Frau Kühne“ treu, nur nicht mehr dem jecken Treiben.
Martin Schopps
Programm: Der Lehrer erzählt wieder viel aus dem Alltag auf dem Schulhof und zieht Parallelen zur Bundeswehr. „Wenn du bei uns in die letzte Reihe schaust, denkst du, es ist Rüstungsmesse. Das ist die Rheinmetall-Gesamtschule.“ Nach der Session startet der 51-Jährige sein Soloprogramm „Elternabend“ und bringt mit seinem Sprachwitz schon ein paar Kostproben.
Es geht um das dünne Allgemeinwissen von Jeremy James, genannt „The Brain“, Schmitz. Auch Melody Saphira, die ihr Wissen von TikTok-Influencern bezieht, treibt ihn in den Wahnsinn. Gleiches gilt für Helikopter-Väter in der Kölner Südstadt, die ihr Kind immer wie ein Känguru in einem Beutel eingewickelt vor der Brust tragen.

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Martin Schopps begeistert mit seinen Beobachtungen aus dem Alltag an den Schulen die Jecken.
Kostprobe: „Wir sind früher in den Wald gegangen, haben Buden gebaut, Nachtwanderungen gemacht. Das waren Abenteuer, an denen wir gewachsen sind. Mittlerweile ist es für die Hälfte der Jugendlichen ein Abenteuer, wenn sie sich am helllichten Tag mit zehn Prozent Akku mehr als drei Meter von einer Steckdose entfernen.“
Speziell: Immer noch funktioniert sein Zukunfts-Krätzchen („Leider nicht“) mit den Prognosen zum Jahr 2040 hervorragend. Zudem hat er eine Frauen-Version des Grönemeyer-Hits „Männer“ sowie die Fortsetzung vom Bläck-Fööss-Klassiker „Ming eetste Fründin“ im Repertoire.
Bernd Stelter
Programm: Am 6. November 1988 stand der Mann mit der Gitarre erstmals auf einer jecken Bühne. Er hat den Beatles-Hit „When I’m 64“ angesichts seines Alters umgeschrieben. Es gibt wieder einen Jahresrückblick, der von der neuen Koalition, der Fußball-Nationalmannschaft, Elektro-Autos und der Stadtbild-Debatte handelt. „Wenn nach der Pointe die einen pfeifen und die anderen klatschen, dann hast du als Redner im Karneval alles richtig gemacht“, sagt er.
Erneut bringt Stelter viele Parodien auf bekannte Hits. „König von Deutschland“ handelt beispielsweise von Kanzler Merz. Schwierig wurde es mit dem Hit des Jahres 2025, „APT.“ von Rosé und Bruno Mars. Besser funktioniert da schon „Wackelkontakt“. Zum krönenden Finale singt er seinen neuen Song „Kind vom Dorf“.

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Bernd Stelter ist ein Evergreen in der Bütt. Erneut hat er viele Parodien auf bekannte Songs im Programm.
Kostprobe: Den Hit „American Pie“ von Don McLean hat er umgetextet: „Bye, bye, amerikanischer Traum. Du bist den Chevy gegen die Wand gefahr‘n, man glaubt es kaum. Im Weißen Haus sitzt dieser gierige Clown und verkauft grad’ eure Seele für Geld. Aber, liebe Amis, ihr habt ihn gewählt.“
Speziell: Stelter ist im vergangenen Jahr zum dritten Mal Opa geworden. „Ich habe so viel Schönes im Karneval erlebt und erreicht“, sagt er zu EXPRESS.de. „Damit ich den Karneval weiter so genießen kann, mache ich in dieser Session nur noch 100 Auftritte.“
Marc Metzger
Programm: Der Büttenclown („Das ist der schönste Saal, den ich je gesehen habe“) ist ein Meister darin, scheinbar Sätze nicht zu vollenden oder den Faden zu verlieren. Er liebt es, Saalkapelle oder Publikum („Haben sie mir drei Busse aus dem Sauerland in die erste Reihe gekippt?“) einzubeziehen, und ist herrlich ironisch: „Ich mache das alles ehrenamtlich, nur bezahlt.“
Der 52-Jährige nimmt sein Alter auf die Schippe und zieht über den 11.11. an St. Martin, Preissteigerung bei den Gänsen und Weihnachts-Karpfen in der Badewanne her. Auch er lässt angesichts der Debatte um die Spielplatz-Umbenennung Dampf ab.

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„Dä Blötschkopp“ Marc Metzger liebt es, Quatsch zu machen. Das kann keiner so gut wie er.
Kostprobe: „Kennt ihr das, wenn die Verwandtschaft zu Besuch kommt und nicht mehr gehen will? In der Pandemie kam die Polizei, wenn du zu viel Besuch hattest. Warum wurde dieser Service eingestellt?“
Speziell: „Dä Blötschkopp“ feiert in diesem Jahr 20 Jahre Kölner Karneval. Und dabei bleibt er sich treu. „Ich werde auf der Bühne immer sagen, was ich denke. Wer damit nicht klarkommt, soll darüber nachdenken, ob nicht er/sie/es das Problem ist.“
Achnes Kasulke
Programm: Annette Eßer ist Deutschlands bekannteste Reinigungskraft mit Glitzer-Wischmopp und Eimer. Bei ihr wird nichts unter den Teppich gekehrt. Sie hat Geschichten über Markus Söder, Lothar Matthäus und Heino im Angebot. Insbesondere wird bei ihr viel gesungen.
Über den Schlankheitswahn kann sich die Powerfrau nur aufregen. „Es gibt bald Armreifen, farblich passend zum Magenband“, sagt sie. Das Leben mit Mann Erwin, der verrückte Trend Hobby Horsing, die Deutsche Bahn und die Partnersuche im Alter werden durch den Kakao gezogen.

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Achnes Kasulke hält die weibliche Fahne im Karneval auch dann weiter hoch, wenn Ingrid Kühne nicht mehr in die Bütt geht.
Kostprobe: „Die Brüste von Heidi Klum heißen Hans und Franz. Wenn man bedenkt, wer da schon alles dran war, hätte sie die besser Hinz und Kunz genannt.“
Speziell: Im Sommer 2006 hat sie sich im Karneval vorgestellt, feiert also in diesem Jahr Jubiläum. Nach dem Rücktritt von Ingrid Kühne ist sie ab Aschermittwoch die letzte etablierte Rednerin. „Ich bin die weibliche Insel mit zwei Bergen, die durchhält“, sagt sie zu EXPRESS.de.
Volker Weininger
Programm: Der „Sitzungspräsident“ bleibt sich treu. Erneut wird gelallt und viel gelacht. Seine Beförderung hat der König der 0,2-Liter-Klasse mit einer Elferratstour nach allen Regeln der Kunst auf einer Reise zum Sauerlandstern gefeiert. Dort gab es lustige Dinge in der Sauna und im Fitnessstudio.
Der 54-Jährige arbeitet sich an seinem Freund Manfred ab. Auch Hermann, den die meisten Jecken schon kennen, kommt wieder vor. Schließlich geht es um die Kirmes im Ort, die Beziehung zu seiner Frau, mit der er seit fast 30 Jahren verheiratet ist, und um seinen Stellenwert in der Brauereiszene. Da bleibt kein Auge und kein Glas trocken.

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Mit einem frischen Kölsch in der Nähe fühlt sich „Sitzungspräsident“ Volker Weininger immer noch am wohlsten.
Kostprobe: „Der Manfred ist nicht der Sportlichste. Er hat sich zu Hause einen Treppenlift einbauen lassen – und dabei wohnt er im Bungalow. Das ist so ein Bewegungsmotoriker. Der hatte als Kind ein Kettcar mit Stützrädern.“
Speziell: Wehe, der Kölsch-Nachschub auf der Bühne funktioniert nicht. „Ich brech‘ gleich ab“, sagt Weininger schon mal scherzhaft, wenn das Glas vor ihm zu lange leer bleibt.
Willi & Ernst
Programm: Die Menschen hinter Willi & Ernst sind Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum. Die beiden „Rentner aus Leidenschaft“ necken sich wieder herrlich. Für Willi ist Ernst immer nur das „Frettchen“: „Wir sind Freunde seit der Grundschule. Er hat extra zwei Jahre in der dritten Klasse auf mich gewartet.“ Es geht um den tennisspielenden Berliner Bürgermeister, Venezuela und gierige Manager bei VW und Ford.
Das Koblenzer Duo im Rentner-Outfit samt Einkaufstrolley beschimpft sich wunderbar über falsche Begriffe, Redewendungen und Aussprachen. Da wird das Hähnchen Provençal zur Promilleangelegenheit und eine Wanderung durch Österreich endet fast in einer Katastrophe. Zudem lüften beide, warum es eigentlich elf Gebote in der Bibel hätte geben müssen.

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Mit ihrem Zwiegespräch begeistern Willi und Ernst – Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum – das Publikum erneut.
Kostprobe: „Was macht Robin Hood mit dem Deo? Er verteilt es unter den Armen. Was trinken Führungskräfte? Leitungswasser.“
Speziell: Die beiden langjährigen Singles überzeugen auch durch den Einsatz ihrer begnadeten Körper. „Der Fastelovend ist in dieser Welt wichtiger denn je“, sagen sie.
Dä Tuppes vum Land
Programm: Jörg Runge ist nicht nur der Meister der Reimrede, sondern auch ein erstklassiger Kommunikationstrainer. Seine Fähigkeit, auch blitzschnell auf aktuelle Ereignisse, wie den Stromausfall in Berlin oder Trumps Angriff auf Venezuela, in einem Reim einzugehen, ist beeindruckend. Es geht um Kanzler Merz, die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, KI und das Gendern.
Wie immer muss das Publikum einige Reime vervollständigen. Und der „Tuppes“ greift auch das Thema Rednermangel auf. „Ich hör ja oft, es sei so schwer, es gäb gar keine Redner mehr. Und alle wollten, man könnt schwör’n, in Wahrheit nur noch Musik hör’n. Ich persönlich glaub’ das nicht. Aus meiner Sicht, es ist doch schlicht kein Wunder, wenn man Redner sucht, wenn man nur noch Musik bucht. Ich glaub’, wir täten gut daran, uns öfter zu erinnern dran, wofür echter Fastelovend steht und dass der nicht ohne Redner geht.“

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Jörg Runge ist als „Dä Tuppes vum Land“ der Meister der Reimrede.
Kostprobe: „Dem FIFA-Fußball-Weltverband fehlt offensichtlich der Verstand. Denn man verlieh‘, ganz ohne Scheiß, an Donald Trump ’nen Friedenspreis. Jetzt fehlt nur noch, dass China prompt, den Presse-Freiheitspreis bekommt. Das ist großes Gangster-Kino, dank Herrn Gianni Infantino. Denn der verkauft am Schluss total, den ganzen Fußball samt Moral.“
Speziell: Der Redner aus Engelskirchen greift die Kampagne „Ruhe im Saal“ auf. Die fordert mehr Respekt für die Bütt-Vorträge ein. Schließlich sei Karneval „die schönste Friedensbewegung der Welt“.
