Heute kennt man Marge Simpson mit der Stimme von Anke Engelke. Doch es war Elisabeth Volkmann, die die deutsche Version der berühmten Zeichentrick-Figur zuerst prägte. Am 16. März wäre die Schauspielerin und „Komödiantensau“ 90 Jahre alt geworden.
Legendäre KomikerinSie war die erste Stimme von Marge Simpson

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Seit Januar 2007 synchronisiert von Anke Engelke Marge Simpson aus „Die Simmpsons“, die erste Stimme der beliebten Zeichentrick-Figur war aber Elisabeth Volkmann. (Bild: ProSieben / TM Twentieth Century Fox Film Corporation / IMAGO / United Archives)
Vor Anke Engelke war Elisabeth Volkmann. Das gerät schon mal in Vergessenheit, vor allem bei jüngeren Zuschauern von „Die Simpsons“: Engelke war nicht von Anfang an die Stimme von Marge Simpson aus der Kultserie, sondern Volkmann hatte der beliebten Zeichentrick-Figur in der deutschen Fassung zuerst Leben eingehaucht - und sie damit genauso geprägt, wie es ihre Nachfolgerin bis heute tut.

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Ihren Durchbruch hatte Elisabeth Volkmann (oben Mitte) mit der Kultsendung „Klimbim“, hier mit Horst Jüssen (rechts), Ingrid Steeger und Wichard von Roëll. (Bild: WDR / Harald Kratzer)
Mit den „Simpsons“ schaffte Volkmann, die am 16. März ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte, Anfang der 1990er-Jahre ihren nächsten Durchbruch, wenn man so will. Denn die Karriere der Schauspielerin, Komikerin und Synchronsprecherin hatte bis dahin bereits einige Stationen durchlaufen. Schon als Kind soll sie ihre Familie mit kleineren Darbietungen unterhalten haben. Später, als junge Frau, verdiente sie sich ihre Brötchen als Komparsin am Theater. Eine Ausbildung an der renommierten Folkwangschule in Essen, ihrer Geburtstadt, festigte das Fundament für eine Gesangs- und Schauspielkarriere.
Volkmanns Vater starb, als sie zehn Jahre alt war, weshalb ihr Berufswunsch, nämlich auf der Bühne zu stehen, zunächst nur gegen den Willen der Mutter prallte. Vor allem, dass Elsbeth, wie sie in der Familie genannt wurde, Opernsängerin werden wollte, machte die Mama skeptisch. „Du und Sängerin - dafür hasse ja gar keine Busen!“, soll die ältere Volkmann laut der jüngeren gesagt haben.
Zusammenarbeit mit Fassbinder

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Ende der 1978er-Jahre sorgte Elisabeth Volkmann auch mit der ARD-Serie „Zwei himmlische Töchter“ für Aufsehen. (Bild: IMAGO / United Archives)
Dass sie „keine Busen“ hat, störte manchen Filmemacher offenbar nicht. Nach ersten kleineren Rollen Anfang der 1960er-Jahre wirkte Volkmann 1968 in dem Erotikstreifen „Zieh dich aus, Puppe“ mit. Rund 20 weitere folgten, in denen junge Mädchen mal ihr Dirndl, mal ihr Höschen auszogen, oder es hier und da mal juckte. Immerhin: Manches Schmuddelwerk hatte auch erzieherische Absicht, so wie die „Hausfrauen“-, „Ehemänner“-, „Schüler“- und andere „Report“-Filme.

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„Lili Marleen“ war einer von drei Filmen, die Elisabeth Volkmann (links, mit Barbara Valentin) mit Rainer Werner Fassbinder drehte. (Bild: IMAGO / Ronald Grant)
Für „Klimbim“ war Volkmanns Skandal- und Erotik-Image durchaus ein Gewinn. Es passte zu der Rolle, die sie in der Sketch-Sendung von 1973 bis 1970 spielte: die Lebefrau Jolante Klimbim, die - immer dick geschminkt und lasziv in Mieder gekleidet - allzu gerne Jagd auf das Sexualobjekt Mann machte. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - und einen Kerl nicht vor dem Morgen“, solche und ähnliche Sprüche saßen Jolanthe locker auf der Zunge.
Die Sendung war frivol, sie war freizügig, sie schockierte - und sie war extrem erfolgreich. Bis zu 17 Millionen Zuschauer schauten bei jeder Folge zu. Darunter sicher auch Kult-Regisseur Rainer Werner Fassbinder, der die Volkmann in den 1980er-Jahren in gleich drei seiner Filme besetzte, „Lili Marleen“, „Lola“, „Die Sehnsucht der Veronika Voss“. Es war ein Fach- und ein Imagewechsel. Aus der Ulk- und Skandalnudel wurde eine ernstzunehmende Schauspielerin.
Die ewige „Komödiantensau“

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Elisabeth Volkmann (links), die deutsche Synchronstimme von Marge Simpson, verstarb 2006 im Alter von 70 Jahren. (Bild: MDR / Krajewski)
Doch das Unerste, das Komödiantische, das Spitzzüngige lag Volkmann zu sehr am Herzen, um davon Abstand zu nehmen. „Ich bin eine Komödiantensau: Wenn es mir schlecht geht, sorge ich im Theater für die größten Lacher“, sagte sie. Auch deshalb kehrte sie am Ende ihrer Karriere, nach etlichen Fernseharbeiten (“Die rote Meile“, „Schloss Pompon Rouge“), zu ihrer großen Paraderolle zurück.
Allerdings blieb „Die Klimbim-Familie lebt“, der 2004 entstandenen Theaterfassung von „Klimbim“, der große Erfolg versagt. Zumindest konnte er nicht lange aufrechterhalten werden. Am Anfang spielte das Ensemble noch vor vollen Häusern, im Laufe der monatelangen Tournee sprangen aber immer mehr Zuschauer ab. Der Zauber des Originals war verflogen, und auch Volkmann wollte das Revival nicht so recht behagen. „Da musste ich halt wieder in die Strapse“, sagte sie 2005 der „Bunte“.
Viele Menschen brachte die „Komödiantensau“ Volkmann zum Lachen, hatte aber auch sie viel zu lachen? War sie ein glücklicher Mensch? Oder wie oft ging es ihr schlecht? „Glücklich? Dieses Gefühl kenne ich nicht“, sagte sie der Illustrierten. Von außen gesehen wirkte sie jedenfalls so. Selbst als ihr zweiter Ehemann, der Konzertagent Eberhard Radisch, noch vor Beginn der Proben zum „Klimbim“-Stück starb, trug sie ihre Trauer nicht zur Schau. „Die Trauernde ist Elsbeth, die Privatperson; die Lustige ist Elisabeth, die Schauspielerin“, schrieb der „Klimbim“-Sender WDR über diese schwere Zeit in ihrem Leben.
Nach dem Verlust ihres Mannes stürzte sich Volkmann Hals über Kopf in die Arbeit - und „tat sich damit keinen Gefallen“, wie ihr „Klimbim“-Kollege Wichart von Roëll sagte. Zwei Jahre nach Radischs Tod, am 27. Juli 2006, fand die Polizei sie tot in ihrer Münchner Wohnung. Eine Bekannte hatte sich Sorgen gemacht, nachdem sie längere Zeit nicht erreichbar war. Volkmann hatte sich nicht das Leben genommen, auf den Gedanken konnte man damals durchaus kommen. „Oft frage ich mich, warum lebe ich eigentlich noch?“, hatte sie immerhin der „Bunte“ gesagt. Sie starb, mit 70 Jahren, an Herzversagen. (tsch)

