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„Diese ganze Meinungsfreiheit“Hallervorden attackiert Israel, Trump und den Kanzler

Dieter Hallervorden stellte sich den Fragen von Kim Fisher im MDR-Talk „Riverboat“. (Bild: MDR)

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Dieter Hallervorden stellte sich den Fragen von Kim Fisher im MDR-Talk „Riverboat“. (Bild: MDR)

Aktualisiert

Er ist Deutschlands erfolgreichster Kabarettist. Doch seit 13 Jahren spielt er Charakterrollen in großartigen Filmen: Dieter Hallervorden. Am Freitagabend zeigt er in der MDR-Talkshow „Riverboat“, dass er auch mit 90 Jahren immer noch etwas zu sagen hat.

„Ich setze mir Ziele. Und dann will ich meine Ziele auch erreichen.“ Das sagt Dieter Hallervorden. Der Schauspieler, Comedian und Kabarettist hat so ziemlich alles in seinem Leben erreicht. In Berlin hat er das Kabarett „Die Wühlmäuse“ zu einem gigantischen Erfolg geführt. Vor drei Jahren hat er das Mitteldeutsche Theater in Dessau gekauft. „Das war riskant, denn das war in der Corona-Zeit“, sagt der 90-Jährige am Freitagabend in der MDR-Talkshow „Riverboat“. „Ich bin in Dessau geboren und Ehrenbürger der Stadt. Und da wollte ich etwas zurückgeben“, erzählt er. Und das ist ihm gelungen.

Er war fast 80 Jahre alt, da hat er sein Talent für ernste Filme entdeckt. In „Sein letztes Rennen“ spielte er damals einen in die Jahre gekommenen Marathonläufer. Mit Übergewicht. „Man muss ja einem Filmproduzenten auch versprechen, dass man was leisten kann“, erinnert sich Hallervorden. „Laufen ist aber nicht so meine Sache. Ich bin eigentlich Wassersportler. Also habe ich ein Dreivierteljahr lang intensivst geprobt. Und ich habe neun Kilo abgenommen. Ich wusste: Diese Rolle ist für mich der Türöffner in eine andere Welt.“ Es folgte Filmrolle auf Filmrolle.

Hallervordens Ku'Damm-Theater exisitert seit Jahrzehten: „Und zwar ohne jede Subvention“

In den 1970ern war Hallervorden als chaotischer „Didi“ in der ARD-Show „Nonstop Nonsense“ bekannt. Er machte politisches Kabarett, nahm Schlager auf, machte mit Hits wie „Du, die Wanne ist voll“ oder dem „Schweinetango“ musikalischen Blödsinn. „Aber dieser Film war für mich die Chance, zu sagen: Ich gebe den Leuten die Möglichkeit, mich auch als Charakterdarsteller zu sehen. Hat dann ja auch geklappt.“ Hallervorden wurde als bester Schauspieler mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Ein Jahr später gab es für seinen wohl bekanntesten Film „Honig im Kopf“ einen Bambi-Ehrenpreis.

Seit 66 Jahren betreibt der Kabarettist in Berlin „Die Wühlmäuse“, ein gemütliches Kabarett-Theater am Ku'Damm. „Das habe ich mit 25 Jahren gegründet, und es existiert heute noch. Ich bin natürlich stolz, dass in so einer schnelllebigen Zeit ein solches Theater so lange bestehen bleibt. Und zwar ohne jede Subvention.“

Einen seiner größten Wünsche hat sich Hallervorden 2009 erfüllt: Er kaufte das Schlosspark-Theater in Berlin, das für viele Jahre eine echte Institution war. „Ich habe da viele Stücke gesehen, mit den ganz großen wie Martin Held. Und eines Tages fuhr ich an dem Theater vorbei und sah, dass es geschlossen war. Einfach geschlossen! Ich dachte, dafür sind ja eigentlich Theater nicht gemacht. Das kann man vielleicht mit Toiletten machen. Also habe ich mich mit zehn anderen Leuten beworben, das Theater wiederzueröffnen.“

Fürs Schlosspark-Theater hat Hallervorden 1,7 Millionen Euro gezahlt

Hallervorden bekam den Zuschlag. „2009 habe ich beim damaligen regierenden Bürgermeister Wowereit den Vertrag unterschrieben, habe mich daran gehalten, die ganzen Umbauarbeiten unter Beachtung aller Denkmalschutzauflagen rechtzeitig zu Ende zu führen.“ Und Hallervorden hat die gesamten Kosten getragen. „1,7 Millionen habe ich bezahlt“, sagt er stolz.

Inzwischen gehört Dieter Hallervorden das Schlosspark-Theater nicht nur. Man sieht ihn auch dort immer wieder auf der Bühne. Zum Beispiel vor einem halben Jahr an seinem 90. Geburtstag. „Man muss aus scheinbar negativen Dingen versuchen, das Positive rauszukitzeln“, hat er in den letzten Jahren gelernt.

Nun wird Hallervorden bald mit einem neuen Programm auf der Bühne stehen. Darin erzählt er über sich, sein Leben und seine Eltern. „Ich hatte ein sehr rührendes Elternpaar und eine sehr, sehr schöne Kindheit, und ich stelle mir immer vor, wie meine Eltern reagieren würden, wenn ich auf der Bühne stehe und sie unten sitzen. Das beruhigt mich dann. Ich bin immer sehr aufgeregt, habe viel Lampenfieber. Und es hilft mir, daran zu denken, dass meine Eltern unten sitzen würden, um mir die Daumen zu drücken.“

„Wir müssten zu Israel sagen: Wir nehmen keine Waren von euch an“

Er habe immer Leitplanken für sein Leben gehabt, sagt Hallervorden. „Das sind Gerechtigkeit, Frieden, sehr viel Verantwortung. Und das lebe ich aus.“ Er adressiert die Debatte um „diese ganze Meinungsfreiheit“. Er glaubt: Viele Leute würden sich zu einigen Themen ihre Meinung nicht mehr zu sagen trauen. „Das durchbreche ich sehr bewusst, ohne Rücksicht auf private oder berufliche Vor- oder Nachteile.“

Er wundere sich: „Warum spricht man bei Putin von einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine, aber warum sagt man das bei den USA und dem Iran nicht?“ Was jedoch definitiv eine sehr selektive und falsche Wahrnehmung des Kabarettisten ist, muss man ehrlicherweise sagen. Hallervorden setze sich seit Jahren für Frieden ein, und er habe erkannt: „Frieden kann auch ein Gefecht sein, aber ein Gefecht der Worte. Worte, die man aber nur hören kann, wenn die Waffen schweigen.“

Das gelte vor allem im Nahen Osten. „Wir brauchten einen Kanzler mit Rückgrat“, fordert Hallervorden. „Wir müssten zu Israel sagen: Wir nehmen keine Waren von euch an. Wir müssen irgendetwas tun, um auf das Unrecht hinzuweisen, das dort passiert. Wir müssen uns auf die Seite der Palästinenser stellen, damit irgendwann eine Zwei-Staaten-Lösung da ist.“

Mit Nonsens hat Hallervorden definitiv abgeschlossen. Er braucht neue Herausforderungen. Immer wieder. Seine neueste Herausforderung heißt: Alt werden. „Es ist nicht wichtig, dass man alt wird, sondern wie“, sagt er. „Mich würde nicht die Zahl der Jahre umbringen, die ich auf dem Buckel habe. Aber Untätigkeit würde mich killen. Ich muss ackern, ich will keinen Ruhestand, ich will Unruhestand. Und ich habe eine sehr emotionale Gesundheit. Ich liebe - und ich werde geliebt. Das ist toll.“ (tsch)

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